Coburg
Verkehr

Parkplatz-Pläne in Coburg: IHK ist sauer

Mehr Parkplätze für Anwohner, weniger Kurzzeitparkplätze für Kunden: Dieser Vorschlag bringt IHK-Präsident Friedrich Herdan auf die Palme.
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"Mix" auf dem Gemüsemarkt: Die rund 60 Stellplätze stehen tagsüber jedem zur Verfügung, zwischen 18 und 8 Uhr ausschließlich den Anwohnern. Das jetzt angedachte Konzept sieht vor, dass alle Plätze wegfallen und eine "Grün-Oase" entsteht. Foto: Rainer Lutz
"Mix" auf dem Gemüsemarkt: Die rund 60 Stellplätze stehen tagsüber jedem zur Verfügung, zwischen 18 und 8 Uhr ausschließlich den Anwohnern. Das jetzt angedachte Konzept sieht vor, dass alle Plätze wegfallen und eine "Grün-Oase" entsteht. Foto: Rainer Lutz
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Da hat das Tageblatt wohl in ein Wespennest gestochen: Die am Mittwoch von uns veröffentlichten Pläne für eine Neuregelung der Parkplätze in der Innenstadt wirbeln weiter viel Staub auf. Zweite Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) hatte zwar umgehend erklärt, dass das von Münchner Verkehrsplanern erstellte Konzept lediglich eine Diskussionsgrundlage sei - doch wirklich beruhigen konnte sie die Gemüter damit nicht. Im Gegenteil. Bei einem kurzfristig anberaumten Pressegespräch am Mittwoch hatte sie am Rande fallen lassen, dass an der Erstellung des Konzepts ja zum Beispiel auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) beteiligt sei. Und das brachte IHK-Präsident Friedrich Herdan dann wohl endgültig auf die Palme.

Am Donnerstag meldete sich Herdan mit einer umfassenden und sehr deutlichen Stellungnahme zu Wort. Zunächst widerspricht er der Darstellung, wonach die IHK an der Erarbeitung des jetzt vorliegenden Konzepts in irgendeiner Weise beteiligt gewesen sei. "Wie denn auch?", fragt Herdan. Denn: "Das Konzept begründet sich auf die Ergebnisse des Stadtrats-Workshop vom 11. Februar dieses Jahres, zu dem die IHK nicht einmal eingeladen war."


Für die "Brötchentaste"

Gleichwohl betont Herdan, dass die IHK bereits im Vorfeld - unter anderem schriftlich im August 2016 - gegenüber der Stadtverwaltung immer wieder gefordert habe, "dass ein Parkraumkonzept auch die Interessen des innerstädtischen Einzelhandels ausreichend berücksichtigt." Dabei seien insbesondere drei Punkte vorgetragen worden. Erstens: Erhaltung beziehungsweise keine Reduzierung von Stellplätzen im öffentlichen Raum. Zweitens: Schaffung zusätzlicher Stellplätze (auch für Anwohner) in einer Schlossplatz-Tiefgarage. Drittens: Änderung im Gebührensystem; zum Beispiel die erste Stunde gebührenfrei in allen Parkhäusern und die "Brötchentaste" (15/30 Minuten gebührenfrei) im öffentlichen Raum.

"Leider fanden unsere Positionen in dem nun vorgelegten Konzeptpapier überhaupt keine Berücksichtigung", ärgert sich Herdan und schreibt: "Seit Bekanntwerden erster Inhalte des Entwurfs für das Parkraumkonzept steht die IHK mit den innerstädtischen Einzelhändlern erneut im engen Kontakt und wird in einer ausführlichen Stellungnahme an die Stadt Coburg nochmals die Bedürfnisse des Einzelhandels und konstruktive Lösungsvorschläge darlegen."

Es könne nicht sein, so Friedrich Herdan, dass die Verwaltung einer Stadt, die in solchem Umfang vom Automobil profitiert wie Coburg, einen Entwurf für ein Parkraumkonzept vorlege, der das Auto "nahezu aus der Innenstadt verbannt".


Leben in die City bringen

Es gehe um eine lebendige Innenstadt mit bestmöglichen Bedingungen für diejenigen, die Leben in die City bringen - "also insbesondere Kunden, Touristen, Tagesgäste, Besucher von Theatervorstellungen und Events", so der IHK-Präsident. Deshalb müsse der Platz für öffentliches Parken gestärkt und dürfe nicht verknappt werden. Mit dem jetzt vorgelegten Konzept würden die "sachlich und fachlich begründete Optionen völlig abgebügelt".

Dabei müssten sich Parkflächen und "grüne Oasen", wie sie etwa auf dem Gemüsemarkt angedacht sind, ja gar nicht ausschließen. Herdan stellt sich einen "sinnvollen Mix" vor: "Für Besucher, Kunden und Touristen sind Kurzzeitparkplätze in den Straßen, vor Geschäften und in unmittelbarer Nähe touristischer Ziele ein wichtiges Kriterium zugunsten Coburgs. Für Anwohner und Berufspendler braucht es sichere Parkplätze in bestehenden und noch zu schaffenden Einrichtungen in akzeptabler Entfernung zu deren Wohn- und Arbeitsplätzen." Für die fußläufige Erschließung der Innenstadt aus dem Osten, so Herdan, halte die IHK die Forderung nach einer Schlossplatz-Tiefgarage aufrecht.
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