Bad Rodach
Buchvorstellung

"Paka" - die zahme Löwin aus Bad Rodach

Der Tierarzt Norbert Pohle aus Bad Rodach (Landkreis Coburg) erzählt in seinem Buch, wie er vor rund vier Jahrzehnten zum Löwenbesitzer wurde. Auch Schlagersänger Jürgen Drews besuchte die Pohles für ein Fotoshooting mit "Paka".
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Norbert Pohle hatte über ein Jahrzehnt eine Löwin in der heimischen Garage.
Norbert Pohle hatte über ein Jahrzehnt eine Löwin in der heimischen Garage.
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Es war ein tiefes Brummen, das in den 70er und 80er Jahren am Stadtrand von Rodach zu hören war. Die älteren Einwohner erinnern sich noch gut an die Geräusche, die "Paka" gemacht hat. Tatsächlich lebte eine leibhaftige Löwen-Dame 18 Jahre lang bis zur ihrem Tod bei der Tierarztfamilie Pohle. Wie es zu dem ungewöhnlichen Haustier kam, hat Norbert Pohle aufgeschrieben.

"Eigentlich", erinnert sich Pohle, "wollte ich meine Erinnerungen für die Kinder und Enkelkinder zu Papier bringen". Letztendlich ist ein Buch daraus geworden. Das jetzt anstehende Jubiläum der Tierarztpraxis bildet den passenden Anlass zur Präsentation des Werkes. Die Tierarztpraxis Pohle gibt es seit 75 Jahren in (Bad) Rodach, seit 100 Jahren liegt dieser Beruf der Familie im Blut - also seit vier Generationen in Folge. Norbert Pohle erzählt von einer außergewöhnlichen Geschichte, wie seine Familie plötzlich in den Besitz einer Löwin kam.

Das Datum weiß der Tierarzt noch genau: Es war am 24. Oktober 1977, als der Zirkus Hagenbeck in Coburg gastierte. "Meine Frau hat mich angefunkt. Der Zirkus suchte dringend einen Tierarzt, der bei einer Löwin einen Kaiserschnitt vornimmt", erzählt Pohle, der damals noch ein junger Landtierarzt war. Er besuchte dabei Landwirte und kannte sich mit dem Vieh aus. Aber mit Raubtieren hatte er nun keine Erfahrung. Dennoch war er sofort entschlossen, dem Tier zu helfen. Im Tierpark Tambach wollte er damals das nötige Instrumentarium besorgen, aber Ausgerechnet an diesen Tag waren die Narkose-Utensilien nicht vor Ort. Mit einem krummen Blasrohr und Kanülen machte er sich gemeinsam mit dem damaligen Amtstierarzt auf dem Weg zur schwangeren Löwin.
Der Dompteur hatte die Löwin mit einer Eisenstange in einer Ecke gedrängt, damit der Tierarzt die Narkose setzen kann. Doch so einfach war die Sache nicht, erinnert sich Pohle: "Die Löwin brüllte und zog dem Dompteur die Pranke über den Schädel." Der Mann musste sogar stationär behandelt werden. Nach mehreren Anläufen gelang die Betäubung schließlich doch.

Ein Kätzchen überlebt
Zwei Kätzchen, eines davon tot, wurden vom Tierarzt entbunden. "Der Direktor und der Dompteur haben mich eindringlich gebeten, das lebende Löwenbaby", sagt Pohle heute, als wäre die Geschichte gestern gewesen. Denn es war klar, dass nach einer Operation die Mutter das Jungtier nicht annehmen werde. So wurde der Rodacher Tierarzt zum Löwenhalter. "Paka" hieß das kleine Löwenmädchen, das schnell zum Liebling der Familie wurde. "Wir haben sie anfangs bewusst fleischlos aufgezogen", erzählt der Tierarzt heute. Paka liebte Kälbermilch, Klöße und Schlagsahne.

Die Familie und das Tier gewöhnten sich schnell aneinander. Dennoch versuchten die Pohles "schweren Herzens" nach einem Jahr, "Paka" in ihre ursprüngliche Löwenfamilie in Bremerhaven einzugliedern. "Das ist uns verdammt schwer gefallen", erinnert sich Norbert Pohle. Aber nicht die Rodacher Tierarztfamilie war traurig, sondern auch "Paka" hatte große Sehnsucht: Sie griff ihre Eltern an und verweigerte die Nahrung. Alle Bemühungen, das Tier einzugliedern, scheiterten.

Nach 14 Tagen musste Pohle wieder nach Bremerhaven. Er erzählt: "Paka war sehr aufgeregt, als sie mich gesehen hat. Sie hat sich sofort an mich gepresst und sich streicheln lassen." Pohle nahm das Tier wieder mit in sein Haus und päppelte es auf. Irgendwann war "Paka" freilich zu groß für die Wohnung - ein Freigehege wurde gebaut und die Garage frei gemacht. Die Löwen-Dame war glücklich und zufrieden. Freilich, räumt Pohle ein: "Es hat immer wieder Probleme mit der Genehmigung zur Haltung des exotischen Tieres gegeben." Sogar von einer Todesspritze war die Rede.

Jürgen Drews kommt
Die Geschichte machte bundesweite Schlagzeilen. Auch Schlagersänger Jürgen Drews wurde auf die Löwin aufmerksam und besuchte die Pohles für ein Fotoshooting. Mit nackten Oberkörper und hautenger Lederhose posierte er mit der Löwin auf der Wiese in Pohles Garten. "Ein zweites Mal hätte ich mich allerdings nicht für solche PR-Aktionen breitschlagen lassen", schreibt er in seinem Buch.

Bei den Rodachern war das ungewöhnliche Haustier beliebt. "Die Bauern brachten Kälberfleisch für Paka", erzählt der Tierarzt. Immer wenn der Tierarzt seiner Löwin eine Keule brachte, "bedankte" sie sich auf ihre Art. "Sie ist hoch gesprungen, hat mich umarmt, ihren Kopf an mir gerieben", sagt Pohle.
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