Coburg
Bank-Geschäfte

Otto Waldrich fühlt sich getäuscht

Der Coburger Unternehmer und Kunst-Mäzen der Stadt liegt mit der Commerzbank im Clinch. Die Bank hatte ihm im Alter von 80 Jahren einen Fonds mit einer Laufzeit von 21 Jahren verkauft. Am Dienstag berichtete die ARD im Nachrichtenmagazin "Report Mainz" darüber.
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Schilderte im Fernsehen, wie er sich von der Commerzbank getäuscht fühlt: Otto Waldrich muss mit einem Totalverlust seines Anlagekapitals rechnen. Der Beitrag kann in der Mediathek der ARD angeschaut werden.  Screenshot: Christiane Lehmann
Schilderte im Fernsehen, wie er sich von der Commerzbank getäuscht fühlt: Otto Waldrich muss mit einem Totalverlust seines Anlagekapitals rechnen. Der Beitrag kann in der Mediathek der ARD angeschaut werden. Screenshot: Christiane Lehmann
Was ist dran an dem Slogan der Commerzbank, der die Zufriedenheit seiner Kunden garantiert - nicht nur verspricht? Dieser Frage gingen die Journalisten der ARD-Sendung Report auf den Grund. Und in dem Coburger Unternehmer Otto Waldrich fanden sie einen, der von Zufriedenheit mit der Bank so weit entfernt ist wie von der Auszahlung seines Fonds.
Doch der Reihe nach: Otto Waldrich hat im hohen Alter von 80 Jahren bei der Commerzbank einen Fonds abgeschlossen und 40 000 Euro in ein Mietobjekt am Stadtrand von Frankfurt gesteckt. Das war vor mittlerweile elf Jahren. Was er damals nicht wusste, ist, dass der Fonds eine Laufzeit von 21 Jahren hat. Und er 101 Jahre alt werden müsste, um das Geld ausgezahlt zu bekommen.
Der Ärger sitzt tief, wie in dem Beitrag, der am Dienstagabend ausgestrahlt wurde, zu sehen war. "Ich habe nichts von der Laufzeit gelesen und gesagt hat's auch keiner", schimpft der 91-Jährige.
"Ich bin auf das Vertrauen angewiesen", sagt er , der unter starker Sehschwäche leidet und selbst nicht mehr lesen kann. Die Reporter haben bei der Commerzbank um eine Stellungnahme angefragt. Und zur Antwort bekommen: Als vermögender Unternehmer müsse Herr Waldrich das Risiko einschätzen können.

Totalverlust?

"Ich halte das Ganze für einen Schwindel", sagt Waldrich und macht seinem Herzen Luft. Denn nicht nur die Laufzeit ist das Problem bei dieser Geldanlage - auch die Rendite. So wie es sich nämlich in dem Bericht darstellt, muss der Coburger Unternehmer mit einem Totalverlust seines Anlagekapitals rechnen, da das Mietobjekt in Frankfurt nicht den Gewinn abwirft, den sich die Anleger versprochen haben. "Wenn mir einer gesagt hätte, dass mit einem Totalverlust zu rechnen ist, hätte ich ihn sofort der Tür verwiesen." Otto Waldrich ist mit seinem Frust nicht alleine. Report Mainz hat Opfer und Verbraucheranwälte getroffen. Sie können unisono von keinen positiven Veränderungen seit der aufwändigen und teuren Werbekampagne der Commerzbank - "die Bank an Ihrer Seite" - berichten. Im Gegenteil: Die Opfer müssen vor Gericht klagen, oft durch alle Instanzen, selbst wenn der Prozess für die Großbank aussichtslos ist. Und das betrifft oft betagte Menschen.
Eine 81 Jahre alte Zahnärztin hat es allerdings geschafft, die Großbank vor Gericht in die Knie zu zwingen, wie in der Sendung zu sehen war. Auch Otto Waldrich hat einen Rechtsbeistand. Rechtsanwalt Lothar Härer aus Coburg vertritt ihn in dieser Angelegenheit und war auch bei den Interviews zum Filmbeitrag dabei. Sein Kommentar: "Gut recherchiert, zielgerichtet gefragt." Das Filmteam ist auf den Coburger zugekommen und hatte gefragt, ob er seinen Fall auch im Fernsehen darlegen würde.
Obwohl der 91-Jährige keinen Wert darauf legt, groß in der Öffentlichkeit zu stehen, ist er immer noch ein couragierter Mann: "Ich bin getäuscht worden. Ich wusste gar nicht genau, um welche Bank es sich handelte. Man hätte mir das Kleingedruckte vorlesen müssen."

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