Oberwohlsbach
Advent

Oberwohlsbacher zündeten mit Syrern das Friedenslicht an

Deutsche und Syrer setzten mit dem Fackelzug auf die Lauterburg ein gemeinsames Zeichen mit dem Wunsch nach Frieden. Es war ein emotional tiefes Erlebnis für die Deutschen und für die Menschen, die sie aufgenommen haben.
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Wer mit seiner Fackel oben auf der Lauterburg angekommen war, konnte sich bei Glühwein am Lagerfeuer aufwärmen. Pfarrer Wolfgang Stefan (hinten Mitte) und Ingrid Ott (hinten rechts) vom Heimatverein Rödental wurden von 24 Flüchtlingen begleitet, die sogar mit ihren Kinderwagen den Aufstieg auf sich nahmen.Foto: Sandra Hackenberg
Wer mit seiner Fackel oben auf der Lauterburg angekommen war, konnte sich bei Glühwein am Lagerfeuer aufwärmen. Pfarrer Wolfgang Stefan (hinten Mitte) und Ingrid Ott (hinten rechts) vom Heimatverein Rödental wurden von 24 Flüchtlingen begleitet, die sogar mit ihren Kinderwagen den Aufstieg auf sich nahmen.Foto: Sandra Hackenberg
Wer Sonntagabend durch Oberwohlsbach gefahren ist, hat vielleicht die flackernden Lichter entdeckt, die sich in der Dunkelheit ihren Weg bergauf Richtung Lauterburg bahnten. Fackeln leuchteten dem Heimatverein Rödental den Weg, der traditionell am ersten Advent das Weihnachtslicht auf dem Turm der Lauterburg entzündet. Dieses Jahr schlossen sich kurzfristig 24 Flüchtlinge aus Oberwohlsbach an, die gemeinsam mit den Einwohnern den hügeligen Aufstieg auf sich nahmen.

Früher wurde das Adventslicht auf dem Turm entzündet, um ein Signal an die Brüder und Schwestern in der DDR zu senden und ihrer zu gedenken. Für den Vorsitzenden des Heimatvereins Rödental, Günther Ott, könnte der Anlass nicht passender sein. "In dieser dunklen Zeit soll das Licht uns allen Freude und Hoffnung bringen", meinte er. Seine Frau Ingrid Ott sagte: "Wir wollen zeigen, dass wir mit den Flüchtlingen fühlen und an ihre Familien denken, die sie im Krieg zurücklassen mussten."


Es dauerte eine knappe Stunde

Von der Kälte und dem matschigen Untergrund ließen sich die rund 100 Teilnehmer nicht abhalten. Nach einer knappen Stunde war die Lauterburg erreicht, wo ein Lagerfeuer, Glühwein, Plätzchen und Kuchen warteten. Die Bläsergruppe des Rödentaler Musikvereins spielte Weihnachtslieder, ehe nach dem Segen von Pfarrer Wolfgang Stefan der Kirchengemeinde "Christuskirche Rödental" das elektrische Weihnachtslicht auf dem Turm erstrahlte. "Dieses Jahr steht für uns im Zeichen der Gastfreundschaft und des Miteinanders", betonte der Rödentaler Bürgermeister Marco Steiner (FW).

Seit ein paar Wochen gibt es in Oberwohlsbach ein Flüchtlingsheim. Während in vielen Städten Ablehnung vorherrscht, scheint die Integration hier zu funktionieren. Die Flüchtlinge sind dankbar für die Hilfe der deutschen Bürger. Sie hatten sogar mit Kinderwagen die Lauterburg erklommen und für ihre deutschen Freunde syrische Kuchen gebacken. "Wir wurden hier mit viel Herz empfangen", sagte der 34 Jahre alte Mustafa Arabi, der mit seiner Frau Zainab, seinen Kindern und seinem Cousin aus Syrien geflohen war. "Wir wünschen uns, dass Assads Diktatur aufhört und wir friedlich leben können."


"Wir sind in Sicherheit, aber ich denke ständig an meine Eltern und meinen Bruder, die noch dort sind"

Seine beiden Zwillinge wurden am 1. Advent drei Jahre alt und ließen sich den Schokoweihnachtsmann schmecken, den der Nikolaus an alle Kinder auf dem Gipfel verteilt hat. "Wir sind in Sicherheit", weiß Mustafa Arabi. "Aber ich denke ständig an meine Eltern und meinen Bruder, die noch dort sind."

Die 41-jährige Rabea Aissa hatte erst kürzlich eine Herzoperation hinter sich. Trotzdem wollte sie es sich nicht nehmen lassen, am Fackellauf teilzunehmen und ihre Dankbarkeit zu zeigen. "Wir möchten allen Deutschen danken, die uns hier eine zweite Heimat geben", sagte sie, während sie sich am Lagerfeuer wärmte.
"Diese friedliche Atmosphäre zeigt, dass Christen und Moslems friedlich miteinander leben können", sagte Thekla Leutheußer, die Besitzerin des Hauses.

Mittlerweile sind zwischen Bürgern und Flüchtlingen schon Freundschaften entstanden. "Die Dankbarkeit, die uns die Flüchtlinge entgegenbringen, ist unglaublich", sagte Sabine Cretella. Das bestätigt auch ihr Freund Wolfgang Wanner: "Wir stellen trotz verschiedener Kulturen immer mehr Gemeinsamkeiten fest." Der Fackelzug auf die Lauterburg zeigte, was sich Flüchtlinge und Deutsche wünschen: Frieden.

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