Coburg
Samba-Jubiläum

Noch immer wie ein Familienfest

Das Coburger Samba-Festival findet in diesem Jahr zum 25. Mal statt.
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Im Büro von Sambaco ist für Karin und Peter Götz noch jede Menge zu erledigen, bevor am kommenden Wochenende das 25. Samba-Festival beginnt. Foto: Ulrike Nauer
Im Büro von Sambaco ist für Karin und Peter Götz noch jede Menge zu erledigen, bevor am kommenden Wochenende das 25. Samba-Festival beginnt. Foto: Ulrike Nauer
Spielt das Wetter mit? Steht jeder Verkaufsstand, wo er stehen soll? Ist alles für die prominenten Gäste bereitgestellt, jeder ihrer ganz persönlichen Wünsche erfüllt? Diese (und noch hundert weitere) Fragen beschäftigen die Mitarbeiter und Helfer des Coburger Samba-Festivals jedes Jahr aufs Neue, wenn es auf die drei heißen Tage am zweiten Juli-Wochenende zugeht. Zwei, die von Anfang an, also seit 1992 dabei sind, sind Karin und Peter Götz.

Die beiden waren sogar in der Geburtsstunde des Samba-Festivals dabei: Das Ehepaar saß damals gemütlich mit Rolf Beyersdorf in einer Coburger Pizzeria, als der ihnen eröffnete, Coburg brauche unbedingt ein Samba-Fest. "Ich hab gesagt: ,Du spinnst!‘", erinnert sich Peter Götz lachend. Die Idee war, ein paar Leute zusammenzutrommeln und mal zu schauen, was daraus wird.


Was gehört in den "Caipi"?

Eine flache Bühne, besser gesagt, eine Art Tanzfläche auf dem Marktplatz, dazu ein Getränkestand, an dem Caipirinha verkauft wurde, mehr sei das gar nicht gewesen, damals im Juli 1992, erzählt Karin Götz. Klingt einfach, doch beim Caipirinha fing es schon an. Wie macht man den? Welche Zutaten braucht man dafür? "Rolf sagte nur: Caipirinha muss her, aber wir wussten doch alle gar nicht, was das ist", sagt Karin Götz. Heute finde man im Internet tausende von Rezepten, aber das gab es damals noch nicht. "Irgendjemand hat dann trotzdem ein Rezept angeschleppt." In der Wohnung einer Bekannten wurde also gemixt und probiert. "Früh um zwei wusste keiner mehr, wie er heißt", verrät Peter Götz. Aber zumindest kam ein trinkbares Ergebnis bei der Aktion heraus. Fast scheint es, als habe der brasilianische Cocktail von Coburg aus einen Siegeszug nach ganz Deutschland gestartet.

Doch der "Caipi" brachte auch gleich Problem Nummer zwei mit sich: Man braucht dafür Eiswürfel. Viele Eiswürfel. Also wurde jeder, der zuhause eine Kühltruhe hatte, schon Tage vor dem Fest dazu verdonnert, Eiswürfel herzustellen. Heute wäre das wegen der vielen Hygienebestimmungen gar nicht mehr möglich, sagt Karin Götz.


"Der Markt war voll!"

Was den Erfolg des ersten Festivals angeht, sei sie schon sehr skeptisch gewesen, gibt die 50-Jährige zu. Aber überraschenderweise kam es so gut bei den Coburgern an, dass es nicht bei dem einen Versuch bleiben sollte. "Das Wetter war schön, die Leute hatten Spaß, der Markt war voll." Sogar einen etwa einstündigen Film gibt es von dem Spektakel. Gedreht hat ihn Peter Götz mit der Videokamera und vollem Körpereinsatz: Weil die Bühne so niedrig war, nahm er seine Frau einfach auf die Schultern und sie filmte die feiernden Coburger von oben herab.

Auch einen Umzug gab es schon beim ersten Festival: Bei sengender Hitze tanzten die gut 20 teilnehmenden Gruppen durch die Innenstadt mit Start und Ziel auf dem Schlossplatz - und einem Rolf Beyersdorf auf den Arkaden, der versuchte, mit einem Megafon in der Hand, die Teilnehmer von dort aus in ihre Positionen zu dirigieren.

Aus der improvisierten Premiere ist längst eine professionelle Veranstaltung geworden. Aber man dürfe nicht vergessen, dass auch heute noch alle Helfer ganz normale Berufe hätten und die Arbeit am Sambafest praktisch ehrenamtlich sei, sagt Peter Götz. Kaum einer der Mitarbeiter habe beispielsweise Erfahrung in der Gastronomie und jedes Jahr wachse die Bürokratie. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb fühle sich das ganze an wie ein Familientreffen. "Die Crew muss passen", sagt Karin Götz. "Man muss sich blind vertrauen können, gerade da, wo viel Geld im Spiel ist", ergänzt ihr Mann.

Apropos Familientreffen, Karin und Peter Götz sind nicht nur seit 25 Jahren Sambaprofis, sondern auch bald seit 25 Jahren verheiratet. 1992 war ihr Jahr. Die Silberhochzeit ist aber - im Gegensatz zum Jubiläums-Samba - erst im nächsten Jahr. "Mathe-Genies" werden sich jetzt fragen, wo denn dieses eine Jahr Unterschied herrührt. Peter Götz erklärt es: Das erste Samba-Festival wird zum Jubiläum gleich mitgerechnet, die Hochzeit bei den 25 Hochzeitstagen aber nicht.

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