Ebersdorf
Energiewende

Noch eine Trasse im Landkreis Coburg? "Schilda pur"!

Die Bürgermeister des Landkreises machen bei Staatskanzlei-Chef Marcel Huber Stimmung gegen die Pläne für eine weitere Höchstspannungsleitung.
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Da ist noch Platz für mehr: Die Überlegungen des Netzbetreibers Tennet, die Trasse zwischen Schalkau und Redwitz (hier: bei Neuensorg) wieder abzureißen und mit höheren Mast neu aufzubauen, stößt im Coburger Land auf massiven Widerstand. Diese Botschaft hat der Chef der Münchner Staatskanzlei, von einem Gespräch mit den Bürgermeistern des Landkreises mit nach Hause genommen. Foto: Berthold Köhler
Da ist noch Platz für mehr: Die Überlegungen des Netzbetreibers Tennet, die Trasse zwischen Schalkau und Redwitz (hier: bei Neuensorg) wieder abzureißen und mit höheren Mast neu aufzubauen, stößt im Coburger Land auf massiven Widerstand. Diese Botschaft hat der Chef der Münchner Staatskanzlei, von einem Gespräch mit den Bürgermeistern des Landkreises mit nach Hause genommen. Foto: Berthold Köhler
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Er hat genau zugehört, immer wieder nachgefragt, vieles aufgeschrieben und am Ende dann doch nur auf seine Kabinettskollegin Ilse Aigner und das Wirtschaftsministerium verwiesen: Marcel Huber (CSU) war nicht der Mann, der dem Coburger Land den erhofften Befreiungsschlag im Kampf gegen eine weitere Starkstromtrasse bescherte. Diese zu erwartende Erkenntnis haben die Bürgermeister des Landkreises gestern beim Besuch des Leiters der bayerischen Staatskanzlei gemacht. Aber immerhin: Verständnis für den Ärger, den die Überlegungen der Bundesnetzagentur in der Region ausgelöst haben, signalisierte Huber schon.


Forderung: Ertüchtigung der bestehenden Leitung zwischen Remptendorf und Redwitz prüfen lassen


Bernd Reisenweber (BG) als Ebersdorfer Bürgermeister sowie der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach (CSU) machten sich gemeinsam dafür stark, eine Ertüchtigung der bestehenden Leitung zwischen Remptendorf und Redwitz bei der derzeit laufenden Fortschreibung des Netzentwicklungsplan doch wenigstens noch einmal prüfen zu lassen. Alles andere - wie eine Aufstockung der bestehenden Leitung oder gar der Bau einer zweiten direkt neben der bestehenden Trasse - wäre "Schilda pur", schimpfte Reisenweber. Ohne in das "schwebende Verfahren" eingreifen zu wollen, zeigte auch Huber zumindest wenig Verständnis für den Bau einer zweiten Trasse durch das Coburger Land: "Es ist schlauer, da zu bauen, wo schon etwas ist."


Als Vorsitzender des Kreisverbandes Coburg im Bayerischen Gemeindetag stellte sich Reisenweber ausdrücklich hinter Hans Michelbach, der für seinen Vorstoß zur Trasse Redwitz-Remptendorf heftigen Gegenwind aus dem Lichtenfelser Raum erntete: "Er hat damit die Meinung von uns Bürgermeistern weitergegeben." Die Prüfung dieser Alternative sei auch kein Affront gegen die Gemeinden aus dem Landkreis Lichtenfels.


Aus den Statements der Coburger Politiker wurde auch deutlich, dass für sie der Widerstand gegen eine weitere Stromtrasse auch zu einer Frage der Glaubwürdigkeit geworden ist. "Wir können es den Bürgern schwer erklären, dass binnen eines Jahres eine Trasse abgebaut und dann wieder neu gebaut wird", bekräftigte der Bundestagsabgeordnete. Marco Steiner (Freie Wähler), Bürgermeister der Stadt Rödental, verwies darauf, dass die Leidensfähigkeit der Menschen aus dem Coburger Land inzwischen am Ende angelangt ist. Freilich, hier gebe es keinen Menschenschlag, "der auf Zoff und Terror aus ist" - aber die Beteiligung von über 4000 Menschen an der Demo gegen die Höchstspannungsleitung sei schon ein Zeichen an die große Politik, betonte Steiner.


Bernd Reisenweber fühlt sich bei der Diskussion um den Verlauf einer weiteren Trassen zwischen Bayern und Thüringen ohnehin ziemlich gelinkt. Denn selbst der Netzbetreiber Tennet sehe es so, dass eine direkte Linie von Altenfeld zum ehemaligen Kraftwerk bei Grafenrheinfeld die sinnvollste Lösung wäre. Doch da habe der Regionale Planungsverband Thüringen Süd derart großen Druck hinter den Kulissen ausgeübt, dass diese Trasse schnell gestrichen wurde. "Wir haben erst am 30. Oktober von den neuen Plänen erfahren", zeigte sich der Ebersdorfer Bürgermeister verwundert über die Trassenschieberei hinter den Kulissen. Hans Michelbach ergänzte zu diesem Punkt, dass Tennet ihm gegenüber die Variante P 44 (sie würde über Rödental, Lautertal, Meeder und Bad Rodach laufen) aus "elektrotechnischer Sicht" am sinnvollsten erachtet habe.


ICE: So schlecht ist das nicht!

Nicht ganz in die Klagen der Coburger Politik mit einstimmen wollte Huber dagegen beim ICE-Halt Coburg. Dass der Hochgeschwindigkeitszug ab Dezember mit je drei Zugpaaren in Coburg halten wird, sei "mehr als die Bahn jemals für Coburg vorgesehen hatte", betonte der Leiter der Staatskanzlei. Dazu komme noch die Anbindung in Richtung Nürnberg mit einem Regionalexpress. Für Huber sagte deshalb deutlich: "Der Einsatz der Politik war durchaus erfolgreich." Der größte Teil der Bahn-Nutzer in der Region werde künftig "nicht so schlecht bedient".
Dennoch bat Hans Michelbach seinen Parteifreund, den Wunsch des Coburger Landes nach einem Lückenschluss Richtung Südthüringen mit in die Gespräche auf Regierungsebene mitzunehmen. Das will Marcel Huber tun, wobei die Gespräche zu diesem Thema nach Aussage Hubers "nicht immer leicht" seien.


Bernd Reisenweber hat es sowieso schon aufgegeben, bei Gesprächen mit der Bahn immer wenig nach den jeweils richtigen Ansprechpartnern zu suchen. Der Kanzlei-Chef empfahl ihm, da auf Landesebene gleich ganz oben anzuklopfen: Beim Konzernbeauftragten für Bayern, Klaus-Dieter Josel - "mit dem kann man ganz vernünftig reden". Dass wiederum die Landesregierung in Thüringen bei der Verbesserung der Bahnverbindungen nicht so recht mit zieht, konnte MdB Hans Michelbach sowieso nicht verstehen. In Nord-West-Oberfranken und dem südlichen Thüringen habe sich schließlich ein starkes wirtschaftliches Zentrum entwickelt, das auf jeden Fall besser erschlossen gehöre.

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