Coburg

Nida-Rümelin spricht in Coburg auf Einladung der Sparkasse

Julian Nida-Rümelin setzte sich beim Wirtschaftstag der Sparkasse Coburg-Lichtenfels mit dem Turbokapitalismus auseinander und sprach über Donald Trump.
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Prominenter Referent beim 11. Wirtschaftstag der Sparkasse Coburg-Lichtenfels: der Philosophie-Professor und frühere Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin. Foto: Helke Renner
Prominenter Referent beim 11. Wirtschaftstag der Sparkasse Coburg-Lichtenfels: der Philosophie-Professor und frühere Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin. Foto: Helke Renner
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Dass Julian Nida-Rümelin, der als einer der bedeutendsten deutschen Philosophen gilt, am Tag der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten über "Ökonomie & Ethik" spricht, hat etwas Prophetisches. Beim 11. Wirtschaftstag der Sparkasse Coburg-Lichtenfels im Kongresshaus Rosengarten beschäftigt er sich mit dem entfesselten Kapitalismus, der Jagd nach Profit und den daraus folgenden Auswirkungen auf die Gesellschaft.
Der Ausgang der US-Wahl gibt irgendwie der Theorie Nida-Rümelins recht: "Der ökonomische Markt ist nicht moralfrei." Das heißt, Ökonomie darf nicht isoliert von den Menschen gesehen werden, weil das in die Krise führt. "Ein großer Teil der Bevölkerung in den USA fühlt sich abgehängt.
Es gab seit den 70er Jahren keine Reallohnsteigerung mehr", erläutert der frühere Kulturstaatsminister.

In den Vereinigten Staaten seien die Ressentiments gegenüber den Mächtigen, die gerade mal drei Prozent der Bevölkerung ausmachen, gewachsen. "Das Kooperationsgefüge ist kaputt, das hat sich Trump zunutze gemacht." Und dass er damit die Wahl gewinnen konnte, basiere auf der Illusion, er werde daran etwas ändern, ist sich Julian Nida-Rümelin sicher. Doch das werde nicht funktionieren.

Mit dem neuen Präsidenten sei auch das Freihandelsabkommen TTIP begraben worden, stellt der Philosoph auf Anfrage aus dem Publikum fest. Was für ihn offenbar keine Katastrophe ist, denn: "Wir brauchen freien Handel, aber nicht in dem Modus von TTIP und Ceta." Beide Vertragsentwürfe seien nicht zu Ende gedacht.


Was ist humaner Kapitalismus?

Wie aber stellt sich der Philosophie-Professor mit großem Interesse an Wirtschaftsfragen eine humane Ökonomie vor? Ist das nur eine Utopie? Nicht für Nida-Rümelin. Seiner Ansicht nach führt ein verantwortungsloser, nur auf Profit und Optimierung bedachter Kapitalismus direkt in die Krise. Ein Beispiel gefällig? Der VW-Konzern, der über den Abgasskandal die Existenz des Unternehmens aufs Spiel gesetzt hat. "Vieles ist in den letzten Jahren in den Unternehmen falsch gelaufen. Menschen wurden wie Hunde behandelt, denen man nur einen Knochen hinwirft." Das müsse sich ändern. Der Philosoph stellt dem Turbo-Kapitalismus klassische Tugenden wie Verantwortung, Verlässlichkeit, Achtung der Menschenwürde, Integrität und Besonnenheit entgegen und verweist in diesem Zusammenhang auf die bayerische Verfassung. Darin seien unter anderem Herzens- und Charakterbildung enthalten. "Für mich die beste Verfassung der Welt, besser als das Grundgesetz. Wo aber kommt das in den Schulen vor?"

Dennoch ist Julian Nida-Rümelin nicht der Ansicht, dass der Staat regulierend in das Wirtschaftsgefüge eingreifen soll. Das führe zu Totalitarismus. Was es bringe, Märkte durch zentrale Verteilungsagenturen zu ersetzen, habe das Beispiel der DDR gezeigt. "Ohne Märkte, Vernetzung, Konkurrenz, verlässliche Verträge und ein funktionierendes Rechtssystem ist keine Erfolgsgeschichte möglich." Deshalb seien auch Monopole schlecht für die Wirtschaft.


Ein Lob für den Gastgeber

Dass Ökonomie und Ethik durchaus zusammengehen könnten, bewiesen viele familiengeführte mittelständische Unternehmen in Deutschland. Und auch nicht alle Banken gingen verantwortungslos mit dem Geld ihrer Kunden um. Bei den Genossenschaftsbanken zum Beispiel seien die Kunden auch Eigentümer. Und an dieser Stelle gab es schließlich ein Lob an den Gastgeber, die Sparkasse Coburg-Lichtenfels. "Die Sparkassen sind öffentlich-rechtlich und müssen ihre Gewinne verteilen. Sie sind deshalb ein Stabilitätsfaktor in der Wirtschaftskrise." Es sei darum fatal, sie durch Überregulierung zu lähmen, wie in der Finanzkrise geschehen. "Einige Banken haben anständig gewirtschaftet und waren dann die Gelackmeierten, während die Großen ihre Fachleute haben, die das regeln", stellt Nida-Rümelin fest.

Ein gutes Beispiel für die sinnvolle Verteilung des Geldes liefert die Sparkasse Coburg-Lichtenfels denn auch gleich an diesem Abend. Das ist schon Tradition bei den Wirtschaftstagen. 59.000 Euro sind so bereits an gemeinnützige Projekte in der Region geflossen, wie Vorstandsvorsitzender Martin Faber betont. 3500 Euro gehen diesmal an die Stiftung Lebenspfad. Vor sechs Jahren startete Elke Gillardon mit dem Verein "Wirtschaftsjunioren Coburg" diese Initiative zur Berufsorientierung, bei der Jugendliche ihre Talente entdecken können und mit Geschäftsführern, Ausbildern und Vertretern der Fach- und Hochschulen zusammengebracht werden.

Im Gespräch mit dem Publikum bringt Stadtrat Wolfgang Weiß (Grüne) schließlich noch die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz ins Spiel, die seiner Ansicht nach ebenfalls ethische Größen in der Wirtschaft sind. Julian Nida-Rümelin gibt ihm recht. "Wir brauchen dafür legitimierte internationale Institutionen mit Regeln, die verbindlich sind."

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