Rödental
Integration

Nezha Maghraoui erklärt in Rödental die arabische Kultur

Die gebürtige Marokkanerin Nezha Maghraoui erklärt Helfern, wie muslimische Araber ticken.
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Nezha Maghraoui erklärt, wie Araber ticken. Foto: privat
Nezha Maghraoui erklärt, wie Araber ticken. Foto: privat
Die Religion spielt eine bedeutende Rolle im Leben arabischer Muslime. Das sollte im Hinterkopf haben, wer mit ihnen zu tun hat. Haupt- und nebenamtlich in der Flüchtlingsarbeit Tätige waren in die Stadtbücherei im Keller des Rödentaler Rathauses gekommen, um zu erfahren, "wie Araber ticken".

Diesen Titel hatte die Referentin Nezha Maghraoui gewählt. Die gebürtige Marokkanerin lebt seit 16 Jahren in Deutschland, hat hier studiert und Wurzeln geschlagen. Für die Connect Neustadt GmbH, die darauf spezialisiert ist, Menschen und Arbeit zusammenzubringen, ist sie gewissermaßen als Mittlerin zwischen den Kulturen unterwegs. Ihre Vorträge, in denen sie Arabern erklärt wie wir Deutschen ticken - und umgekehrt - erfreuen sich größter Nachfrage.

Dabei vermeidet sie in beide Richtungen ein verklärtes oder beschönigendes Bild. Das wäre auch keine Hilfe für die Zuhörer. So erfahren die interessiert lauschenden Gäste, wie wichtig Arabern das Essen ist. Wobei sie sich nicht wundern sollen, dass etwa Couscous mit den Fingern gegessen wird. Das soll nicht heißen, dass Araber nicht wüssten, wie sie mit Messer und Gabel essen sollen. Ach ja, das Essen. Die Religion macht Vorschriften. Kein Schwein, kein Alkohol, Fleisch nur von geschächteten Tieren ... Wer Araber einladen möchte, sollte wissen, dass viele Supermärkte inzwischen Abteilungen haben, wo es solche Lebensmittel gibt. Sie sind an dem Vermerk "Halal" zu erkennen.

Weil es aber auch Muslime gebe, die schon mal Schweinefleisch essen oder Alkohol trinken, rät Nezha Maghraoui, einfach vorher zu fragen. Kommunikation sei überhaupt wichtig. Reden könne so manches Missverständnis vermeiden.Dass andere in seiner Gegenwart ihren Schweinebraten mit einem Glas Bier genießen, müsse der muslimische Gast in Deutschland akzeptieren, aber: "Es wird schon welche geben, die sich dann nicht zu Ihnen an den Tisch setzen", stellt sie klar.


Religion und Gesellschaft

Genau trennt Nezha Maghraoui religiöse Regeln, deren Einhaltung respektiert werden sollte, und gesellschaftliche Gepflogenheiten, die umgekehrt die Gäste im fremden Land akzeptieren müssten - etwa, wenn es um die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in der deutschen Gesellschaft geht. Sie verschweigt nicht, dass es hier für manchen Araber schwer sein mag, anzuerkennen, dass Frauen ihm etwas zu sagen haben. Damit müsse er sich aber abfinden - Frauen müssten deswegen wohl oft etwas autoritärer auftreten, als vielleicht Männer. Und sie weiß wohl, dass deutsche Vorstellungen von Pünktlichkeit Arabern oft nicht leicht zu vermitteln sind.


Feste im Islam

Der Islam kennt auch für seine Feste strenge Regeln. Im Fastenmonat Ramadan dürfen Gläubige von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht essen, trinken oder Geschlechtsverkehr haben. Das Fest wandert im Kalender. Heuer wird der Ramadan im Juni sein, wenn die Tage sehr lang sind. Das heißt nicht, dass Muslime dann nicht arbeiten können. "Arbeit hat für uns einen so hohen Stellenwert wie ein Gebet", erklärt Nezha Maghraoui. Sie hat aber auch eine passende Antwort auf den Einwand, dass eine Teilnehmerin Erfahrungen mit arabischen Männern gemacht hat, die so gar nicht arbeiten wollen: "Das gibt es auch, das nennt man Faulheit." Eine Faulheit, die befeuert wird durch Schlepper und Medien in den Herkunftsländern, die nach Maghraouis Beobachtung verbreiten: "In Deutschland bekommst du alles, aber tun musst du nichts." Enttäuschungen sind damit programmiert.

Doch zurück zum Ramadan mit seinen Regeln. Frauen, die stillen, Kranke und Leute, deren Arbeit unter der Einhaltung der Regeln leiden würde - dürfen gar nicht fasten, betont sie. Endet das Fasten, wird gefeiert. Das Zuckerfest kommt mit vielen Süßigkeiten vor allem den Kindern zu Gute. Zum Opferfest soll jeder, der sich das leisten kann, ein Schaf schlachten (oder eben schlachten lassen) und Fleisch an Bedürftige geben. "Dabei spielt Religion keine Rolle", sagt die Dozentin. Jeder, der sich sonst kein Fleisch leisten kann, darf sich nehmen, ohne zu fragen - das werde etwa in der arabischen Moschee in Coburg genau so praktiziert.

Fünf Gebete sind Muslimen täglich vorgeschrieben, das erste ganz früh am Morgen. Wer wegen seiner Arbeit die drei Gebete während des Tages nicht verrichten kann, der darf sie auch mit dem Abendgebet nachholen. Viele Arbeitgeber, auch in Coburg, böten muslimischen Mitarbeitern aber auch die Möglichkeit, in den Pausen zu beten.


Die Sache mit den Hunden

Muslime lieben Tiere, versichert Nezha Maghraoui. Das gelte auch für Hunde. Aber, dass Hunde mit in der Wohnung leben, das gehe für einen gläubigen Muslim gar nicht. Katzen oder andere Tiere seien dagegen bedenkenlos zu halten. Wer also Muslime zu sich einlädt, sollte sich nicht wundern, wenn sie um seinen Hund einen Bogen machen.
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