Neustadt bei Coburg

Neustadter brechen gemeinsam das Fasten

Der "Türkisch-Islamische Verein Neustadt bei Coburg" lud deutsche Mitbürger zum gemeinsamen Fastenbrechen ein.
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Nach dem Fastenbrechen versammelten sich die Muslime des "Türkisch-Islamischen Vereins Neustadt bei Coburg" in den Gebetsräumen in den oberen Stockwerken in der Austraße zum Nachtgebet. Für Frauen und Männer gibt es getrennte Gebetsräume. Foto: Sandra Hackenberg
Nach dem Fastenbrechen versammelten sich die Muslime des "Türkisch-Islamischen Vereins Neustadt bei Coburg" in den Gebetsräumen in den oberen Stockwerken in der Austraße zum Nachtgebet. Für Frauen und Männer gibt es getrennte Gebetsräume. Foto: Sandra Hackenberg
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Für Muslime ist die Fastenzeit, in der sich die Gläubigen laut dem islamischen Kalender derzeit befinden, nicht nur eine Zeit der Enthaltsamkeit und Entbehrungen. Der Ramadan ist vor allem die Zeit, in der das höchste spirituelle Klima gelebt und die Überlieferung des Korans hinaus in die Welt getragen wird. Das Motto des diesjährigen Ramadan lautet "Lasst uns Herzen erobern".

Seine Offenheit für andere Religionen zeigte der "Türkisch-Islamische Verein Neustadt bei Coburg", der zum Dachverband der "Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion" gehört, als er am Samstagabend zum gemeinsamen Fastenbrechen in der Austraße einlud.
Die Türen standen allen offen, egal ob Muslime, Katholiken oder evangelische Christen.


"Wir halten zusammen"

"Wir feiern zusammen, wir trauern zusammen und wir brechen gemeinsam das Fasten", sagte der stellvertretende Vorsitzende Ismail Kaplan zur Begrüßung und betonte: "Wir sind alle Neustadter und halten zusammen." Der Einladung der türkisch-islamischen Gemeinde waren viele offizielle Vertreter der Stadt Neustadt gefolgt, wie Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD), der Dritte Bürgermeister Martin Stingl (SPD) und der Abgeordnete des Bayerischen Landtags Jürgen Heike (CSU).

Oberbürgermeister und Katholik Frank Rebhan dankte dem Verein für die Art und Weise, wie friedlich die verschiedenen Religionen in Neustadt zusammenleben, und zollte den muslimischen Freunden Respekt für ihr striktes Einhalten der Fastenzeit im neunten Monat des islamischen Kalenders, während dem sie in einem Zeitraum über 29 Tage nur zwischen Sonnenuntergang und Tagesanbruch essen und trinken dürfen.

Auch Jürgen Heike betonte, dass die gute Zusammenarbeit zwischen Christen und Moslems einen großen Anteil daran habe, dass es in Neustadt weniger Konflikte gibt als in anderen Städten: "Dass unsere Gemeinden mittlerweile so eng miteinander verbunden sind, macht unsere Stadt ruhiger und sicherer."


Beim Fasten in hilfsbedürftige Menschen hineinversetzen

Der Vorbeter, Iman Niyazi Cabbar, trug eine sogenannte Sure aus dem Koran vor, in der erklärt wird, dass das Fasten eine Form des Gebets ist, um sich in hilfsbedürftige Menschen hineinzuversetzen, die Hunger und Durst leiden müssen. Wer die Möglichkeiten hat, soll in der Fastenzeit besonders barmherzig sein und von seinem Reichtum abgeben. Im Koran steht geschrieben, dass es Allah den Muslimen danken wird. Der Prophet Mohammed versprach seinen Gläubigen für ihre Enthaltsamkeit Frieden und Segen.

Nach dem Gebetsruf von Iman Cabbar begannen die Muslime und ihre Gäste pünktlich zum Sonnenuntergang um 21.37 Uhr zu essen und zu trinken, ehe um 22.49 Uhr zum Nachtgebet gerufen wurde.

Mareike Motschmann vom Kindergarten Löwenzahn war mit ihrer Nichte zum gemeinsamen Fastenbrechen gekommen. "Es ist beeindruckend, was Muslime für ihren Glauben auf sich nehmen", sagte sie. Interessiert folgte sie der Einladung des türkisch-islamischen Vereins und besuchte anschließend auch das Nachtgebet.
Die pastorale Mitarbeiterin der katholischen Gemeinde, Martina Braun, ist sich sicher, dass Christen und Moslems viel voneinander lernen können. "Am schnellsten verschwinden Vorurteile, wenn sich die Anhänger verschiedener Religionen persönlich begegnen und unterhalten", sagte sie. "Es gibt Unterschiede, aber am Ende glauben wir doch alle an das Selbe." Seit zwei Jahren gibt es in Neustadt einen interreligiösen Dialog zwischen katholischer, evangelischer und muslimischer Kirche, von dem alle Seiten profitieren.


Was im Leben wirklich wertvoll ist

Am Samstag waren 19 Tage des Ramadan schon geschafft. Noch zehn weitere Tage mussten die Muslime noch enthaltsam leben. Dann darf das Fasten endgültig gebrochen werden. Neben dem Verzicht auf Speisen und Getränke folgen die Gläubigen strikten Zeiten für ihre Gebete. Schon um kurz vor 3 Uhr findet das Morgengebet statt. "Die Fastenzeit ist wirklich hart", sagt Ismail Kaplan. "Aber sie zeigt uns auch immer wieder, was im Leben wirklich wertvoll ist."
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