Um es medizinisch zu sagen: Als am Dienstagnachmittag die Mitteilung kam, dass das Neustadter Krankenhaus Antrag auf Insolvenz gestellt hat, dürfte der Puls bei so manchem in der Puppenstadt böse nach oben geschnellt sein. Doch Oberbürgermeister Frank Rebhan (SPD) und der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte Thomas Linse konnten zum Glück sofort jede Menge Beruhigungspillen verteilen.

Die erste "Pille" ist die Tatsache, dass sich für Patienten überhaupt nichts ändert. "Die Klinik steht den Patienten auch weiterhin mit allen ihren medizinischen Leistungen zur Versorgung uneingeschränkt zur Verfügung", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Thomas Linse und Krankenhaus-Eigentümer Heinz Drogula.

Alle Gehälter sind abgesichert


Zweite "Pille": Auch die Mitarbeiter müssen sich nicht sorgen. Sämtliche Löhne und Gehälter sind aktuell bezahlt. Und selbst wenn der Dr.-Drogula-GmbH-Krankenhausbetriebe in den nächsten Wochen wohl die Zahlungsunfähigkeit gedroht hätte: Dank des Insolvenzgeldes, das fließen wird, ist die Bezahlung aller Arbeitnehmer am Krankenhaus für weitere drei Monate abgesichert.

Dritte "Pille": Frank Rebhan ist froh, dass der Coburger Rechtsanwalt Thomas Linse zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden ist; Linse gilt als sehr renommiert, hat zuletzt etwa die Firma Leuwico in Wiesenfeld gerettet.

Vierte "Pille": Thomas Linse sieht das Krankenhaus Neustadt in einer "guten Ausgangslage". So nennt er es als "beispielhaft", dass der Antrag auf Insolvenz zu einem relativ frühen Zeitpunkt gestellt worden sei. "Das ist taktisch gut, denn wir haben einen voll funktionsfähigen Betrieb." Außerdem sei es von Vorteil, dass es bereits einen Interessenten gibt. Den Namen Regiomed-Kliniken GmbH nannte Thomas Linse am Dienstag im Gespräch mit dem Tageblatt zwar nicht. Doch es gilt als offenes Geheimnis, dass der Klinikverbund, zu dem auch das Klinikum Coburg gehört, ein Auge auf das Neustadter Krankenhaus geworfen hat. Im Januar 2012 war bekannt geworden, dass Drogula das Krankenhaus gerne verkaufen möchte. Inwieweit es in den vergangenen Monaten bereits Verhandlungen zwischen Drogula und Regiomed gab, ist nicht bekannt. Thomas Linse kündigte gestern aber an, dass man sich "sehr bald" mit dem besagten Interessenten zusammensetzen werde.

Ob es ein Nachteil ist, dass in die vielleicht schon seit längerem laufenden Verhandlungen nun durch den Insolvenzantrag ein gewisser Zeitdruck kommt? "Das sehe ich anders", sagte da Thomas Linse am Dienstag ganz spontan mitsamt seiner Erfahrung: "Ich betrachte den Antrag auf Insolvenz eher als einen Katalysator, dass man nun zu einer Entscheidung kommt." Oder noch konkreter: "Jetzt kommt bald die Stunde der Wahrheit!" Klingt dramatisch - aber zum Glück gibt's Beruhigungspillen.

HINTERGRUND

Ausstattung Das im Seilers gründchen in Neustadt bei Coburg gelegene Krankenhaus verfügt über 92 Betten. Es hat eine chirurgische Abteilung, eine Innere Medizin sowie eine physiotherapeutische Abteilung. Zudem gibt es eine Notfallambulanz, einen OP-Bereich, eine Pflege- sowie auch eine Intensivstation.

Besitzverhältnisse Das Krankenhaus in Neustadt gehört - anders als die meisten anderen Kliniken in der Region - nicht zum Regiomed-Verbund, sondern ist (noch) im Privateigentum, und zwar von Heinz Drogula. Dieser hat zuletzt aber keinen Hehl daraus gemacht, dass er das Krankenhaus gerne verkaufen würde. Als mögliche Käufer gelten sowohl das Klinikum Coburg, das wiederum Mitglied im Regiomed-Verbund ist, als auch Regiomed selbst.

Verbund Zur Regiomed-Kliniken GmbH gehören das Klinikum Coburg, die Henneberg-Kliniken Hildburghausen und Schleusingen, das Klinikum Lichtenfels und die Medinos-Kliniken in Sonneberg. Gesellschafter sind der Krankenhausverband Coburg, die Landkreise Lichtenfels, Sonneberg und Hildburghausen und die Stadt Schleusingen. Aufsichtsratsvorsitzender ist Coburgs Landrat Michael Busch (SPD). Mitglieder sind die Landräte und Stadtoberhäupter der beteiligten Kreise und Kommunen. ct