Coburg
Kunstsammlungen

Neues Museum für die Veste Coburg

Die Mitarbeiter auf der Veste haben derzeit alle Hände voll zu tun - nicht nur wegen der Landesausstellung 2017.
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Klaus Weschenfelder, Direktor der Kunstsammlungen Veste Coburg, mit Tageblatt-Redakteurin Simone Bastian beim Gespräch im Burghof. Hinten wacht das Portrait von Martin Luther. Foto: Lutz Naumman
Klaus Weschenfelder, Direktor der Kunstsammlungen Veste Coburg, mit Tageblatt-Redakteurin Simone Bastian beim Gespräch im Burghof. Hinten wacht das Portrait von Martin Luther. Foto: Lutz Naumman
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Die Veste wurde nie erobert - schon gar nicht von den Bayern. Nun wird sie aber dem Haus der bayerischen Geschichte (HdbG) mit Freuden und vorübergehend überlassen: Hier wird 2017 die Landesausstellung "Ritter, Bauern, Lutheraner" stattfinden. Klaus Weschenfelder, Direktor der Kunstsammlungen auf der Veste, erläutert, welche Folgen das hat.

Coburger Tageblatt:Herr Dr. Weschenfelder, Sie räumen die Glassammlung aus. Damit beginnen die sichtbaren Vorbereitungen für die Landesausstellung im nächsten Jahr. Was passiert dann?
Klaus Weschenfelder: Wir geben Anfang Januar dem Haus der bayerischen Geschichte die Räume, die für die Landesausstellung vorgesehen sind. Dann beginnt das HdbG mit Einbauten. In den kommenden vier Monaten wird erst einmal im Carl Eduard-Bau eine neue Raumsituation geschaffen.
In freigemachten Räumen wird die spannende Ausstellungsgestaltung sehr bestimmend sein, in anderen, wie der Hofstube und den Lutherzimmern, spricht der historische Bestand stärker mit.

Was bedeutet die Landesausstellung generell für Sie und Ihr Team beziehungsweise die Arbeit auf der Veste?
Der Prozess erstreckt sich ja schon über viele Jahre: die Bewerbung, die Gespräche mit dem HdbG. Die Kollegen vom HdbG machen das Konzept, es gab während der Vorbereitung auch einen fruchtbaren Gedankenaustausch mit uns. Die Entscheidung ist ja für Coburg gefallen, weil die Veste als Exponat selbst und die Sammlungen sehr gut geeignet sind, um das Thema "Ritter, Bauern. Lutheraner" zu illustrieren. Jetzt kommt natürlich viel Organisatorisches: Wir müssen den Führungsdienst neu organisieren, weil der stärker beansprucht werden wird. Wir werden den Audioguide neu bestücken, wir werden den Eingangsbereich mit einer zweiten Kasse nachrüsten, wir müssen den Aufsichtsdienst planen. Auch da brauchen wir mehr Leute. Es gibt nach wie vor die Kunstsammlungen zu besichtigen, nur ein bestimmter Bereich wird Landesausstellung. Den Fürstenbau kann man sehen, die altdeutsche Gemäldesammlung, die ganze Abteilung Waffen und Rüstungen, den Herzoginbau. Aber dafür muss ein eigenes Entree geschaffen werden, weil es keinen Übergang aus der Landesausstellung geben wird.

Wird es auch Kombitickets geben?
Nein, nur eines, mit dem man alles besichtigen kann, was es hier zu sehen gibt. Dafür haben wir uns relativ schnell entschieden. Sonst wäre der Ticketverkauf chaotisch. Wir richten ja auch noch ein Artilleriemuseum ein, das kann man damit auch besichtigen. Man muss diese Dinge nun koordinieren.

Ein Artilleriemuseum?
Ja, im Moment arbeiten wir eigentlich auf Hochtouren an anderen Dingen. Wir räumen die Glassammlung, planen die Wiederaufstellung. Diese Arbeiten laufen parallel zur Vorbereitung der Landesausstellung. Wir richten ein Artilleriemuseum auf der gedeckten Batterie ein, und wir wollen dauerhaft den archäologischen Befund beim Bergfried sichern, den wir vor elf Jahren ergraben haben. Das provisorische Dach kommt weg. Wir realisieren unser Konzept, die Schlösserverwaltung hätte die Grabung gerne abgedeckt. Die Arbeiten müssen noch vor den Winterfrösten abgeschlossen werden, damit der Kalkmörtel aushärten kann. Es geht also richtig hoch her, wobei uns die Landesausstellung noch nicht so richtig strapaziert. Dafür gibt es eine gute Zeitplanung, und es ist eine gute Zusammenarbeit mit dem HdbG. Natürlich wird es hektisch werden, wenn dann geräumt wird und die Kuriere mit den Leihgaben anderer Museen kommen.

Klingt, als freuten Sie sich darauf.
Ja, absolut. Es geht aber nicht nur um die Landesausstellung, die nur ein vorübergehendes Ereignis ist. Wir haben die Neugestaltung der Glassammlung, die im März 2018 wieder eröffnet wird, das Artilleriemuseum, das im März 2017 eröffnet werden soll, noch vor der Landesausstellung. Die Leute fragen immer: Wo sind eure Kanonen? Es gibt auch Signale aus dem Finanzministerium, dass man sich sehr dafür interessiert. Hier entsteht ein Museum mit modernem Medieneinsatz. So wird man zum Beispiel vermittels einer Projektion auf eine Kanone sehen können, wie Geschütze geladen und abgefeuert werden. Man kommt mit der gedeckten Batterie auch an einen Ort, der sehr schön ist, weil man da hinunterschauen kann in den Burghof. Allein das ist schon eine Attraktion. Die Schlösserverwaltung hat auch die barrierefreie Erschließung vorgesehen, es wird ein Aufzug in das sogenannte Garagengebäude eingebaut.
Wenn wir das alles wie geplant abarbeiten, wenn die Landesausstellung gut besucht sein wird, wovon ich überzeugt bin, und wenn wir, wenn alles gutgeht, im Juli 2017 die Nominierung als Weltkulturerbe bekommen, dann passt das alles ganz wunderbar zusammen. Das sind Dinge, die sich gegenseitig steigern, und ich hoffe, dass das ein bisschen weiterträgt. Im Rahmen der Landesausstellung werden Informationstafeln innerhalb der Burghöfe und auf dem Wall entstehen, wo die Besonderheiten der Veste für Spaziergänger und Pokémonjäger erklärt werden. Das hat ja bisher völlig gefehlt, und das nützen wir jetzt. Welterbe und Landesausstellung, das ist eine wunderbare Koinzidenz.

Wie Sie sagen, ist die Veste inzwischen Tummelplatz von Pokémon und Pokémon Go-Spielern. Stört Sie das?
Es ist klar: Wenn jemand auf die Mauer steigt, ist das nicht gut und nicht erwünscht. Den Leuten muss klar sein: Wenn die Veste zu ist, kommen sie hier nicht rein, auch wenn sie auf die Mauer steigen. Da haben sich schon ganz andere die Zähne ausgebissen, Wallenstein zum Beispiel. Ich hoffe, dass die Pokémonspieler ein Einsehen haben und es gar nicht erst probieren.

Könnten Sie sich vorstellen, mit Hilfe einer interaktiven App auch Leute durch die Kunstsammlungen zu führen?
Das ist denkbar, aber wir haben technische Probleme. GPS-gestützte Lösungen funktionieren nicht, weil man in der Veste kein Internet hat. Wir haben so etwas aber mit Papier und Bleistift: Die Kinder können sich ein Suchspiel an der Kasse geben lassen mit Fragen drauf. Wenn sie mit ihren Eltern durchs Museum gehen, können sie etwas finden, schreiben, abmalen. Das ist die analoge Version.

Denn ohne Multimedia scheint es ja auch in den Museen nicht mehr zu gehen.
Es gab vor etwa einem Jahr einen Zeitungsartikel zum Thema QR-Code. Da gibt es Spaziergänge zu München im Dritten Reich rund um das dortige Informationszentrum. Auf den Infotafeln befinden sich QR-Codes, über die kommt man an weitere Informationen. Man hat ermittelt, dass über Monate hinweg kein einziger Aufruf erfolgt ist. Bei Werbung ist das anders, da funktionieren solche Dinge. Das lässt sich nicht eins zu eins auf solche Informationsaktivitäten übertragen. Das muss man akzeptieren.

Also bleiben Sie lieber bei der klassischen Ausstellung?
Wir bieten zur klassischen Ausstellung Audioguides an. Wir haben Deutsch und Englisch für Erwachsene, einen für Kinder, einen für Jugendliche, von einem P-Seminar des Alexandrinums. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Wir haben einen Videoguide für Gehörlose. Wir haben Klassiker wie Suchspiele. Wir haben Touchscreens an verschiedenen Stellen der Ausstellung. In der Waffensammlung können Sie sich kleine Filmchen abrufen, zum Beispiel über Wundversorgung im Dreißigjährigen Krieg. Das wurde mit einer Re-Enactmentgruppe gefilmt. Man muss aufpassen, dass man niemanden überfordert. Der Besucher soll ja dem Original begegnen, das ist das Besondere am Museum.
Das Gespräch führte
Simone Bastian.
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