Ahorn
Oberfränkisches Schaffest

Neue Schafzüchtungen feiern Premiere in Ahorn

Wenn auch nur 0,2 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern unter den Begriff der Schafzucht fallen, so hat diese Sparte eine große Bedeutung: Was man mit und aus Schafen machen kann, sahen die Besucher beim zwölften oberfränkischen Schaffest im Gerätemuseum Ahorn.
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Sebastian Heidenreich und seine Mutter Verena machen mit ihrer Kreuzung auf ihre Zucht aufmerksam. Foto: Gabi Bertram
Sebastian Heidenreich und seine Mutter Verena machen mit ihrer Kreuzung auf ihre Zucht aufmerksam. Foto: Gabi Bertram
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Vor zwölf Jahren hoben die oberfränkischen Schäfer, das Gerätemuseum und die Fachberatung für Schafhaltung in Oberfranken das oberfränkische Schaffest "Scharf auf Schaf" aus der Taufe. Die Veranstaltung, bei der am gestrigen Sonntag die Schafzüchter ihre besten Tiere präsentierten, hat sich inzwischen zu einem echten Besuchermagneten im Coburger Land entwickelt.

Als Sebastian Heidenreich 2012 seine Ausbildung als Schäfer begann, übergab er die Tiere seiner Mutter, Verena Heidenreich. Heidenreich hat einfach weiter gemacht, hält um die 50 Schafe im Nebenerwerb und zeigte zum oberfränkischen Schaffest in der "Alten Schäferei" erstmals ihre eigene Kreation: die Kreuzung von englischen South-Down-Schafen mit dem Coburger Fuchsschaf. "Die Wolle ist einfach genial", schwärmt die aus Mellrichstadt stammende Schafzüchterin. Viel feiner als beim Coburger Fuchsschaf sei das Haar. Niedriger sind die Tiere, fleischiger und haben im Erbgut der englischen South-Down auch ein eher umgängliches Temperament. Die Lämmer vermarkten die Heidenreichs über ihren eigenen Hofladen, die Wolle auch.

Sebastian ist inzwischen Schäfergeselle, will das Fachabitur machen und Agrarwissenschaften studieren. Die Schäferei, das weiß trotzdem schon jetzt, wird ihn weiter begleiten - aber eben nur im Nebenerwerb: "Hauptberuflich lohnt sich das nicht, wenn man nicht genug eigene Flächen hat und pachten muss." Denn die Wollpreise sind noch immer eher mager. Ein Schaf, erklärt Verena Heidenreich, bringt circa vier Kilogramm Wolle, der Scherer kostet vier Euro - und für ein Kilo gibt es 30 Cent.

Waren es im vergangenen Jahr noch zehn Schafgruppen, die von den Züchtern der Jury vorgeführt wurden, so waren es heuer 19 Gruppen, davon vier von Jungzüchtern. Bewertet wurden Feinheit, Ausgeglichenheit und Kräußelung der Wolle, Bemuskelung, Gebiss und Fundament. Die Heidenreich-Kreuzung ist für Renate Baierlein vom Amt für Landwirtschaft Kitzingen/Bayreuth "sehr interessant" und in der Praxis auch für die Züchter nutzvoll. "Das Coburger Fuchsschaf gibt seine Mütterlichkeit dazu, der South Down die Fleischfülle."

Die bayerische Wollkönigin Kerstin (Aura) verlieh der Schafprämierung besonderen Glanz. Werbung nicht nur für das tolle Naturprodukt Wolle, sondern für die ganze Schäferei ist ihr immer wieder ein Herzensanliegen. So wurde nicht nur bei der Eröffnung, sondern auch in vielen Gesprächen über Schafhaltung die hervorragende Qualität der Woll- und Fleischprodukte diskutiert.


Schaf in allen Variationen

Auch wenn Bayern das schafreichste Bundesland ist, erklärte die Wollkönigin, seien nur ein verschwindend kleiner Bruchteil der landwirtschaftlichen Betriebe Schäfereien sein. Dabei liefere das Schaf Wolle, Milch und Fleisch und sei überdies für die Kulturlandschaftspflege unerlässlich.

Landrat Michael Busch (SPD), Vorsitzender des Zweckverbandes "Alte Schäferei", will die Schäferei mehr in den Mittelpunkt des Museumskonzeptes stellen. Und Bürgermeister Martin Finzel sah im Zweckverband die Zukunft des Gerätemuseums gesichert - mit dem Schwerpunkt Schafhaltung.

Natürlich konnten die Besucher Schaf auch schmecken - als Bratwurst oder Steak. Sie konnten auch Schafwolle fühlen und bewundern - als Mantel, Jacke oder Teppich.
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