Dörfles-Esbach
Angriff

Nach dem brutalen Überfall in Dörfles-Esbach: die Frage nach dem Warum

Eine 26-Jährige wird im Juli von einem Unbekannten schwer verletzt. Ihre Zeugensuche im Internet löst eine Welle der Betroffenheit aus.
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Der Tatort: Nach der Attacke sicherte die Polizei jede Menge Spuren, die noch nicht komplett ausgewertet sind. Die Suche nach dem Täter geht also weiter. Foto: privat
Der Tatort: Nach der Attacke sicherte die Polizei jede Menge Spuren, die noch nicht komplett ausgewertet sind. Die Suche nach dem Täter geht also weiter. Foto: privat
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Es war eine Tat, die haufenweise Fragen hinterlassen hat: In der Nacht auf 12. Juli - es war noch Sonntag - ist eine 26-Jährige vor ihrer Haustüre in der Sonneberger Straße von einem Unbekannten angegriffen und schwer verletzt worden. Vom Täter fehlt jede Spur, auch wenn die Polizei noch ermittelt.

Auf die Suche nach Zeugen und, mehr noch, Hintergründen der Tat, hat sich jetzt das Opfer mit einer ungewöhnlichen Aktion öffentlich gemacht: Die 26-jährige hat Fotos, die direkt nach der Attacke im Krankenhaus gemacht wurden, im sozialen Netzwerk "Facebook" veröffentlicht. Das Feedback ist enorm, fast 2000 Menschen haben die Bilder schon geteilt.

Die 26-Jährige spricht leise, wenn sie von der verhängnisvollen Juli-Nacht erzählt. Was aber nicht heißt, dass sie nicht entschlossen ist. "Ich habe das nicht ohne Grund getan", sagt die 26-Jährige über ihren Vorstoß. Sie hofft darauf, dass sie mit ihrem "Facebook"-Post "die Herzen erreicht". Die Herzen von Menschen, die etwas von der Attacke wissen oder den Angreifer kennen. Angst, dass sie damit - es wäre nicht das erste Mal in sozialen Netzwerken - eine Lawine von zuweilen bedenklichen Reaktionen auslöst, hat die junge Frau aus Dörfles-Esbach nicht: "Ich bin ein mutiger Mensch."


Platzwunden und ein Jochbeinbruch


Vier stark blutende Platzwunden am Kopf und einen Jochbeinbruch hat die 26-Jährige beim Angriff - der Täter ging laut Polizeibericht mit einem "länglichen Gegenstand" auf die Frau los - davon getragen. Die Bilder, die kurz nach der Tat entstanden sind, sagen mehr als Worte. Dabei hatte das Opfer noch Glück: Weil der Jochbeinbruch ohne Operation behandelt werden konnte, blieb ihm ein längerer Krankenhausaufenthalt erspart. "Ich durfte nach drei Tagen wieder nach Hause", erzählt die 26-Jährige.

Geblieben sind aber nicht nur die körperlichen Schmerzen - sondern auch die immer wiederkehrende Frage nach dem Warum. "Ich möchte wissen, warum mit das angetan wurde", sagt die junge Frau. Deshalb habe sie den offensiven Weg gewählt, um am Ende wieder Ruhe zu haben. Dann, wenn alles geklärt ist. Einen konkreten Anhaltspunkt, wer da auf sie losgegangen ist, hat die Dörfleserin nicht. Klar spricht sie von "Vermutungen und Überlegungen", die ihr immer wieder durch den Kopf gehen. Aber wer hätte diese nicht, sechs Wochen nach so einer brutalen Tat und immer noch keiner griffigen Spur.


Welle der Betroffenheit


Mit ihrem "Facebook"-Post hat die junge Frau eine Welle der Betroffenheit ausgelöst. Neben allerlei guten Wünschen haben zwei "Facebook"-Nutzer die ohnehin schon ausgelobte Prämie für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, noch einmal mit je 500 Euro aufgestockt. "Das hat mich wirklich überrascht", sagt die 26-Jährige, der man in diesem Fall die Rührung anmerkt. "Als ich davon erfahren habe, standen mir die Tränen in den Augen", ergänzt sie. Vielleicht könne das Geld ja helfen, um dem Angreifer auf die Spur zu kommen.


Aber, so ist halt "Facebook", es gibt im Internet nicht nur Aufmunterung, Genesungswünsche und die Menschen, die die Belohnung aufgestockt haben... Manch Post ("Der arsch wird gekillt.") geht auch in Richtung Selbstjustiz. Anne Höfer, die Pressesprecherin am Polizeipräsidium von Oberfranken in Bayreuth, kennt genügend solche Fälle. Auch den Fall aus Dörfles-Esbach und die folgende Offensive im sozialen Netzwerk hat Höfer schon gesehen. Dass dort von privater Seite Geld zur Belohnung ausgesetzt wird, ist für die Polizeisprecherin ausdrücklich "kein Problem", aber auch "eine private Angelegenheit".


Spuren bleiben immer

Wenn in sozialen Netzwerken aber zu Straftaten aufgerufen wird, dann schaltet sich die Polizei auch ein. Wo da die Grenze liegt, kann Anne Höfer pauschal nicht beschreiben. Da sei jeder Einzelfall anders und werde auch dementsprechend von der Staatsanwaltschaft behandelt. Grundsätzlich jedoch rät die Polizeisprecherin, sich - bei aller Wut oder Betroffenheit, die oft im Spiel sei - es gut zu überlegen, was man da hinterlässt. Höfer nennt als Beispiel die derzeit enorm aufgeheizte Flüchtlings-Diskussion. Hier gehe manch "Facebook"-Eintrag klar Richtung Volksverhetzung und werde auch dementsprechend verfolgt. Darauf setzen, sich nach rechtswidrigen Posts in den Weiten des Internets verdrücken zu können, sollte man dabei lieber nicht. "Wir können die Spuren immer zurück verfolgen", versichert Höfer.



Was war los in der Nacht auf 12. Juli?

Die Attacke Gegen 23 Uhr wird die 26-Jährige vor ihrer Haustüre in der Sonneberger Straße angegriffen. Durch Hilferufe werden Nachbarn aufgeschreckt und kommen der Frau zur Hilfe.

Der Angreifer Der Tatverdächtige war 175 bis 180 Zentimeter groß, dunkel gekleidet und hatte sein Gesicht mit einer Sturmhaube oder einem Tuch verdeckt. Er flüchtete mit einem in der Jenaer Straße abgestellten dunklen Motorrad, das schwarze Satteltaschen hatte.
Die Ermittlungen Anne Höfer, Sprecherin des Polizeipräsidiums von Oberfranken, bestätigte auf Anfrage, dass "sehr viele Spuren" am Tatort gesichert wurden. Die Ermittlungen laufen deshalb noch.

Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Coburg unter Telefon 09561/6450 entgegen. "Wir gehen auch im Nachhinein noch jedem Hinweis sofort nach", versichert Anne Höfer. Das Opfer und seine Unterstützer haben 2000 Euro Belohnung ausgesetzt.
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