Seßlach

Mutter getötet: 47-Jähriger muss in Psychiatrie

Das Gericht befand den Seßlacher für schuldunfähig, ist aber überzeugt, dass er seine Mutter erschlagen hat und weiter eine Gefahr für die Allgemeinheit von ihm ausgeht. Die Unterbringung in der Klinik ist nicht befristet.
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"Wir müssen mit weiteren Gewalthandlungen rechnen und der Schutz der Allgemeinheit hat höchste Priorität." Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus, lautet die Entscheidung der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Coburg.

Bis zuletzt glaubte der Beschuldigte selbst an einen Freispruch. "Nein ich habe die Tat nicht begangen!", sagte der 47- Jährige am sechsten Verhandlungstag. Die Kammer sah es allerdings als erwiesen an, dass der Mann seine Mutter erschlagen hat. "Es gibt für die Kammer keinerlei Zweifel!", betonte der Vorsitzende Richter Gerhard Amend.

Im vergangenen Dezember hatte der Seßlacher nach Überzeugung des Gerichts mit einer Glasschale und einem Hammer die Frau in der Wohnung getötet. Über 30 Schläge hat der Sohn gegen den Kopf der Mutter ausgeführt. Die Frau war an ihren schweren Schädel-Hirnverletzungen sehr schnell verstorben.

Voraussetzung für eine Verurteilung sei aber, dass der Täter mit Schuld handelt. Bei dem Mann lag und liegt nach Einschätzung der Gutachter auch jetzt noch eine psychische Erkrankung vor. Diese führte dazu, dass er zum Zeitpunkt der Tat nicht einsichtsfähig war. Solange der Mann sich jedoch nicht zu seiner Krankheit bekenne und jegliche Therapie ablehne, könne auch keine Bewährung ausgesprochen werden.

Neben den Plädoyers und dem Urteil gab es gestern noch einige Turbulenzen. Dem Beschuldigten, der derzeit in Straubing in einer Psychiatrie befindet, konnten die Fesseln nicht abgenommen werden, weil er auf dem Transport einen Fluchtversuch unternommen hatte.

Erneut wurde nun der Sachverständige Detlev Blocher aus Würzburg gehört. Er bestätigte die schwere psychische Erkrankung des Beschuldigten, die aus dem schizophrenen Formenkreis stamme. "Im Moment liegt bei ihm eine zeitliche Beruhigung vor, weil alle Reize von ihm abgehalten werden. Aber Impulsausbrüche sind immer möglich", so der Psychiater. Er stellte dem Mann eine gefährliche Verhaltensprognose aus. "Ihm fehlt die Fähigkeit zur Einsicht, und er verweigert alle Medikamente. Es besteht keinerlei Kooperationsbereitschaft!"

In seinem Gutachten empfahl der Sachverständige unter anderem eine Untersuchung, um organische Schäden abzuklären, die noch nicht durchgeführt wurde und laut Gutachter für die Prognose auch nicht relevant sei. Doch der Beschuldigte bestand darauf, dieses Gutachten noch einzuholen: "Ich will, dass mein Kopf untersucht wird!". Längere Beratungszeit und einige Aufregung seitens des Beschuldigten folgten, mitsamt der Spontaneinlassung, in der er behauptete, er habe seine Mutter nicht getötet. Vorsitzender Richter Gerhard Amend lehnte den Beweisantrag ab, weil die Kammer ihn als bedeutungslos für die Entscheidung des Gerichtes erachtete: "Die Mutter ist tot! Wir sprechen hier von einer schrecklichen Tat", hielt Amend fest.

Auch wenn der Beschuldigte die Tat abstreitet: "Es gab keine Spuren und Beweise, dass es jemand anderer es getan haben könnte! ", Staatsanwältin Ursula Haderlein sah durch ein Bündel von Indizien und Beweisen zweifelsfrei bestätigt, dass der Mann seine Mutter erschlagen hat. "Wenn jemand über 30 mal mit zwei Gegenständen auf jemanden einschlägt, ist der Tatbestand des Totschlags erfüllt." Als Motiv sah Haderlein die angespannte Situation zwischen Mutter und Sohn, der von Zeugen als geldgierig und rechthaberisch beschrieben wurde. Über Jahre habe sich diese Situation aufgeschaukelt und er habe an diesem Tag dem Ganzen ein Ende gesetzt.

Der 47-Jährige war zum Tatzeitpunkt nicht schuldfähig. Bestätigt sah dies Haderlein, im Nachtatverhalten des Beschuldigten, das von absoluter Teilnahmslosigkeit bis hin zu Aggressionsausbrüchen reichte. "Bestraft werden kann er deshalb nicht!" Weil von dem Mann jedoch Gefahr für die Allgemeinheit ausgehe, beantragte Haderlein die Unterbringung des Seßlachers in einem psychiatrischen Krankenhaus. Auch das Aussetzten der Unterbringung zur Bewährung sah Haderlein nicht für gegeben. Jemand der keinerlei Einsicht zeige, würde auch keine Bewährungsauflage erfüllen.

Verteidiger Matthias Lossmann beantragte den Antrag der Staatsanwältin abzulehnen und falls dies nicht geschehe, die Vollstreckung zur Bewährung auszusetzen. "Denn eine Unterbringung in einer Psychiatrie ist ein lebenslänglicheres Lebenslänglich als im Strafvollzug!". Eine Unterbringung gilt ohne zeitliche Begrenzung. Lossmann fehlten zudem die Beweise und genügend Indizien für die Schuld. Doch darum gehe es im Wesentlichen nicht, sondern um die tatsächliche Gefährlichkeit des Beschuldigten. "Man kann nicht davon ausgehen, dass, wenn jemand im Zustand von Schuldunfähigkeit einen Menschen umbringt, er das wieder tun wird." Er sah die Konfliktsituation, die zwischen Mutter und Sohn herrschte, nicht unbedingt auf die Allgemeinheit übertragbar. Es sei keine hinreichenden Feststellungen möglich, dass sein Mandant eine psychische Erkrankung habe. "All diese Feststellungen können auch Ausdruck einer Schrulligkeit sein."

Verteidiger Albrecht von Imhoff schloss sich den Ausführungen seines Kollegen an. "Für meinen Mandanten geht es hier um sehr sehr viel." Der saubere Beweis, dass er die Tat begangen habe, fehlte auch von Imhoff. Er appellierte, dass das Gericht sehr behutsam mit den Indizien umgehen möge und auch nur beim leisesten Zweifel, dass sein Mandant die Tat begangen haben könnte, den Antrag der Staatsanwältin abzulehnen. Dem folgte die Kammer in ihrem Urteil jedoch nicht.

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