Ahorn
Alte Schäferei

Museumsfest in der Alten Schäferei

Handwerk und kuriose Maschinen vor historischer Kulisse zogen die Menschen zum Museumsfest. Aber ein Tier mit rötlichem Fell stahl allen anderen die Show.
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Ganz schön heiß: Adolf Herr schmiedet unter den interessierten Blicken am offenen Feuer  Fotos: Gabi Arnold
Ganz schön heiß: Adolf Herr schmiedet unter den interessierten Blicken am offenen Feuer Fotos: Gabi Arnold
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Das hat selbst Museumsleiter Lothar Hofmann überrascht: Die Nachfrage für die Wolle des Coburger Fuchsschafes ist seit dem vergangenen Jahr rasant gestiegen. Produkte aus der rotschimmernden Naturfaser liegen demnach voll im Trend. "Aus einem Fachgespräch habe ich erfahren, dass mit dem Verkauf ein Euro pro Kilogramm erzielt wird", sagt Hofmann und kann es immer noch nicht so richtig glauben.

Bisher hatte die rötliche Wolle gerade mal einen Kilopreis von 30 bis 40 Cent erzielt und lange Zeit fand sie überhaupt keinen Abnehmer mehr. Das Coburger Fuchsschaf rückt langsam wieder ins Bewusstsein der Menschen und so war es auch nicht verwunderlich, dass es beim Museumsfest in der Alten Schäferei auch um dieses Tier und seine Produkte ging.

So brachte auch die Arbeitsgemeinschaft deutscher Fuchsschaf-Züchter am Wochenende ihre besten Tiere mit nach Ahorn, um diese den Preisrichtern vorzuführen.
Bewertet werden Bemuskelung, Fundament, die Wolle und eben auch die Färbung des Felles. "Die Unterwolle und der Kopf sollen bei den Tieren rotfüchsig sein", betont Hofmann. Die ungewöhnlichen Paarhufer interessieren nicht nur die Preisrichter, sondern auch die Besucher des Museumsfestes. Darunter der siebenjährige Jakob aus dem Coburger Stadtteil Lützelbuch. Er ist hellauf begeistert von einem Schafsbocks namens Enrico.

"Die Tiere sind bei Kindern sehr zutraulich", erklärt Monika Sellerer. Die Schäferin aus Neumarkt hält 50 Muttertiere im Nebenerwerb, die sieben besten Exemplare hat sie zur Schäferei mitgebracht.

Vom Sammel-Virus infiziert

Neben den wolligen Attraktionen zeigt die Alte Schäferei jedes Jahr, wenn sich der Sommer dem Ende neigt, ihre historischen Schätze und lädt die Besucher ein, an handwerklichen Tätigkeiten teilzunehmen. Für den Föderverein, unter dem Vorsitz von Wolfgang Dultz, ist das Museumsfest der Höhepunkt des Jahres und ein wichtiges Ereignis, um etwas Geld in die klammen Kassen zu bekommen. Etwa 1000 Besucher kamen, um sich sich Krauthobeln, Apfelpressen oder das Kordeldrehen anzusehen.

Handwerk, dass etwas erschafft auf der einen und ein zerstörerische Maschine auf der anderen Seite. Einen Steinbrecher, ein Koloss aus Stahl, der große Felsbrocken zerkleinert, gab es beim Museumsfest auch zu sehen. Die alte, fast archaisch anmutende Maschine gehört Walter Lehnert, der seit 15 Jahren beim Museumsfest mit dabei ist.

Aber Lehnert nennt nicht nur das steinbrechende Monster sein eigen, sondern auch, eine Dampfkolonne, eine Apfelpresse oder Oldtimer-Traktoren. Den Steinbrecher hat er aus einem ehemaligen Steinbruch in der fränkischen Schweiz ergattert. "Ich habe dieses Virus, wenn ich eine alte Scheunentür oder so sehe, dann denke ich, dass da noch was Tolles drin sein könnte", sagt Lehnert.

Der 62-jährige ist gelernter Schlosser, arbeitet als Betonmischer und betreibt im Nebenerwerb mit Sohn Matthias Landwirtschaft. Das Sammeln und Restaurieren alter landwirtschaftlicher Maschinen ist seine große Leidenschaft. "Der Steinbrecher heißt im fränkischen auch Steinquetscher", erklärt er, während er den Motor des Gerätes anwirft.

Mit der Oma unterwegs

Gleich daneben schmiedet Adolf Herr am offenen Feuer, Bernd Ramster schnitzt und Ernst Kienel hobelt Krautköpfe - hier lebt das alte Handwerk wieder auf. In der Scheune des Museums sind die Kinder gut aufgehoben. Mia, Lilith und Stella Buron, acht, fünf und sieben Jahre alt, zerkleinern mit Steinen aromatische Kräuter, um Kräutersalz herstellen. Unterwegs sind die drei mit der Oma Waltraud Buron.

"Wir kommen regelmäßig zu den Festen, diese Handwerkstechniken erinnern mich an meine Kindheit und meine Enkelkinder sind immer wieder begeistert", sagt Buron. Insgesamt 15 Händler hatten ihre Stände in und um das historische Ensemble aufgebaut: Regionale Spezialitäten, Schmuck, Hüte, Jacken gab es zu kaufen. Auch Troyer, Socken, Pantoffeln mit dem besonderen rötlichen Schimmer, den nur das Coburger Fuchsschaf hat, fanden zahlreiche Abnehmer.







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