Beiersdorf bei Coburg
Auftragsmord

Mord-Prozess: Angeklagter wittert ein Komplott

Helmut S. und nicht seine Noch-Ehefrau Maria sollen den Tod von Wolfgang R. beauftragt haben. So zumindest stellen es die Hauptangeklagten Peter G. und Paul K. dar. Helmut S. befürchtet, man wolle ihm die Tat in die Schuhe schieben.
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Helmut S. (links) mit seinem Verteidiger Felix Leyde gestern im Gerichtssaal. Der 57-Jährige behauptet, er sei gut drei Monate vor der Tat zum letzten Mal im Haus des Opfers gewesen. Foto: Barbara Herbst
Helmut S. (links) mit seinem Verteidiger Felix Leyde gestern im Gerichtssaal. Der 57-Jährige behauptet, er sei gut drei Monate vor der Tat zum letzten Mal im Haus des Opfers gewesen. Foto: Barbara Herbst
Nein, er habe niemals den Auftrag gegeben, Wolfgang R. zu verletzen oder gar zu töten: Helmut Erhard S., einer der vier Angeklagten im Prozess um den mutmaßlichen Auftragsmord von Beiersdorf, hat gegenüber dem psychiatrischen Gutachter, Cornelis Stadtland, erneut seine Unschuld beteuert. Der 57-Jährige vermutet hinter den Anschuldigungen seiner Mitangeklagten, Peter G. und Paul K., ein Komplott.

"Die haben sich abgesprochen", hatte er gegenüber Stadtland gemutmaßt. Es solle wohl so aussehen, als seien Helmut S. und Maria S. in der Tatnacht gemeinsam in das Haus im Beiersdorfer Eichenweg gekommen, hätten das Opfer Wolfgang R. schwer verletzt, aber noch lebend vorgefunden und Helmut S. hätte den Lebensgefährten seiner Noch-Ehefrau dann zu Tode getreten. Peter G. und Paul K. wären bei diesem Tathergang zumindest vom Vorwurf des Mordes entlastet.

Eindeutige Spuren, die diese Darstellung untermauern, scheint es nicht zu geben, auch wenn Kerstin Rieger und Till Wagler, die Anwälte von Paul K. und Peter G., darauf hinwiesen, dass an der Leiche von Wolfgang R. Spuren gefunden worden seien, die nicht eindeutig ihren Mandanten zugeordnet werden konnten. Die beiden Angeklagten hatten während der Tat Turnschuhe der Marken "New Balance" und "Victory" getragen. Entsprechende Abdrücke fanden sich unter anderem im Gesicht des Opfers.

Eine der Spuren konnte aber eben nicht zweifelsfrei dem einen oder dem anderen Schuh zugeordnet werden. Für die Anwälte ist daher zumindest nicht ausgeschlossen, dass ein dritter Schuh und damit ein dritter Täter beteiligt gewesen sein könnte. Vorsitzender Richter Gerhard Amend sah dies allerdings anders. Die Gutachterin habe lediglich festgestellt, dass die fragliche Spur ein Fragment des Buchstaben "N" gewesen sein könnte, ebensogut aber auch von einem "V" stammen könnte. "Sie konnte nicht bestätigen, dass noch eine dritte Person zugetreten hat", betonte Amend - und an Wagler gerichtet: "Klar, das ist ihre Verteidigungsstrategie."

Kein Ermittlungsansatz

Auch der Einsatz von Suchhunden kam in der gestrigen Verhandlung noch einmal zur Sprache. Am Mittag des Tattages und auch am darauffolgenden Tag hatte die Polizei die Umgebung des Hauses in Beiersdorf zunächst mit einem Leichenspürhund und tags darauf mit anderen Hundeteams abgesucht. Wie der koordinierende Beamte gestern schilderte, sei die erste Suche ergebnislos verlaufen. Um den Fluchtweg des oder der Täter zu rekonstruieren, sei am 13. Dezember 2013 noch einmal mit anderen Hunden - und einer Geruchsprobe von Helmut S. - gesucht worden. Die Ermittler mussten zu diesem Zeitpunkt noch davon ausgehen, dass der Täter auf seiner Flucht auch ein mögliches Tatwerkzeug entsorgt haben könnte. Dass es gar keines gegeben hatte, stellte sich erst nach der Suche heraus.

Echte Ermittlungsansätze ergaben sich aus dem Einsatz der Hunde nicht. Dass einer der Hundeführer am Mittwoch ausgesagt hatte, die Spuren, die die Hunde gerochen hätten, könnten maximal drei Wochen alt gewesen sein, legte Anwalt Wagler zu Ungunsten von Helmut S. aus. Der hatte nämlich behauptet, er sei im September 2013, also gut drei Monate vor der Tat, zum letzten Mal im Haus des Opfers gewesen. Außerdem sei er dort niemals zu Fuß, sondern immer mit dem Auto unterwegs gewesen. Staatsanwalt Matthias Huber sieht darin jedoch keinen Widerspruch, schließlich lasse sich keine eindeutige Aussage über das Alter der Geruchsspuren treffen und damit auch nicht über die Anwesenheit von Helmut S. im Eichenweg 5.

Dass der 57-Jährige stärker an der Tat beteiligt gewesen sein soll als zunächst angenommen, war auch der Anlass für zwei neue Gutachten, die Stadtland und seine Kollegin, Karoline Pöhlmann, gestern vortrugen. Psychologin Pöhlmann hatte Helmut S. kurz vor Weihnachten in der JVA besucht. Der 57-Jährige sei "knapp durchschnittlich intelligent". Es gebe es zwar deutliche Hinweise auf geistigen Abbau, allerdings sei daran keine beginnende Demenz schuld, wie die Psychologin ausführte. "Sein Gedächtnis ist noch am besten in Schuss."

Intensiv gelebt

Helmut S. ist seit vielen Jahren Alkoholiker und leidet nach eigenen Worten an einer Leberzirrhose "im Endstadium". Gutachter Stadtland war aufgefallen, dass der Angeklagte bei seinem Besuch dieser Tage in der Haftanstalt deutlich frischer und gesünder gewirkt habe als in den ersten Tagen der Verhandlung. In den vier Wochen, die Helmut S. nun inhaftiert sei, habe er zehn Kilo abgenommen und keinen Alkohol mehr getrunken. Er verspüre auch kein Verlangen mehr danach, hatte Helmut S. dem Gutachter berichtet. Dabei, so gab er zu, hatte er an den ersten Verhandlungstagen, als er noch auf freiem Fuß war, früh und mittags immer Wodka mit Ananassaft getrunken. Sein Leben habe er Stadtland rückblickend als "intensiv" und "schön" beschrieben.

Dennoch ist Helmut S. laut Gutachter in einem "insgesamt schlechten Zustand". "Er wirkt älter als 57 Jahre." Psychiatrisch sei der Angeklagte unauffällig, Anzeichen von Gewalttätigkeit habe es bisher nicht gegeben, ebensowenig "Blackouts", nachdem er getrunken hatte.

Anwalt Leyde erhoffte sich von Stadtland auch eine Aussage über die Glaubwürdigkeit seines Mandanten, doch diese Frage ließ Amend nicht zu. "Das kann Herr Stadtland nicht beantworten!"
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