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Coburg
Vor der Premiere

Mit neuen Stücken von Johann Strauß: "Aschenbrödel" in Coburg

Am Landestheater kommt "Aschenbrödel" in der Choreografie von Mark McClain auf die Bühne.
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Da führt der Chef selbst vor, wie die Schuh-Szene laufen soll. Mark McClain (Mitte) mit Federico Frigo als Prinz und Statisten im Hintergrund.Foto: Jochen Berger
Da führt der Chef selbst vor, wie die Schuh-Szene laufen soll. Mark McClain (Mitte) mit Federico Frigo als Prinz und Statisten im Hintergrund.Foto: Jochen Berger
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Armes Waisenmädchen erhebt sich aus der Asche und wird zur Braut des Prinzen. Aschenbrödel-Träume stecken wohl in jedem - etwas abgewandelt, gibt es ja auch diverse Varianten für die Jungs. Und Träume zu tanzen - na, gibt es denn etwas Schöneres? Klassische Märchen zu tanzen jedenfalls ist etwas im Besonderen für den früheren klassischen Tänzer des Stuttgarter Balletts, den jetzigen Coburger Chefchoreografen Mark McClain. Sein "Aschenbrödel" kommt am Samstag nächster Woche auf die große Bühne des Landestheaters - mit großem Orchester unter Leitung von Alexander Merzyn und im Bühnenbild von Andreas Becker. Der frühere Puppenbauer der Augsburger Puppenkiste hat uns schon einige Male mit wunderbaren Raum-, Masken- und Kostümfantasien entzückt.

Und noch ein Grund zum Freuen: Johann Strauß Sohn - der "Coburger" Johann Strauß, Sie wissen schon - war viele Jahre lang von vielen Seiten gedrängt worden, aus seinen Walzerträumen endlich eine Ballettmusik zu schreiben. Als er den ersten und die Hälfte des dritten Aktes hatte, starb er 1899, dann doch wieder nach Wien gezogen, aber immer noch Coburger Staatsbürger. Aus allerlei Skizzenmaterial und sonstiger Musik von Strauß fertigte der Ballettdirektor der Wiener Hofoper, Joseph Bayer, eine aufführbare Fassung.

Und nun kommt noch ein Coburger Sahnehäubchen dazu. 2004 wurde bekannt, dass aus der Wiener Stadt- und Landesbibliothek über Jahre hinweg Autographen entwendet worden waren. 2008 wurden dem Vorsitzenden der "Johann Strauss-Gesellschaft", dem Coburger Cellisten Ralph Braun, Originalpartituren, darunter Skizzen zu "Aschenbrödel", von Johann Strauß Sohn angeboten. Er ließ sich Kopien schicken. Braun forschte nach, setzte die Kriminalpolizei in Bewegung, welche die Originale dann 2010 bei einem Kölner Auktionshaus beschlagnahmen konnte. Die Kopien hat Braun für McClains "Aschenbrödel"-Choreografie zur Verfügung gestellt, weshalb die Premiere nächste Woche zum Teil Uraufführungscharakter hat.

Für seine "Aschenbrödel"-Variante ging Mark McClain im eigenen Libretto wieder stärker zurück zur Grimmschen Version, während sich die Geschichte im Entwurf von Strauß in einem mondänen Wiener Modehaus der Jahrhundertwende bewegen sollte. Aus der Wiener Fassung übernimmt McClain aber die Traumszene, in der Aschenbrödel schon eine Vorstellung von ihrer großen Zukunft gewinnt.


Ein Fuchs und eine Ratte

Nathalie Holzinger wird das Coburger Aschenbrödel darstellen, ein Mädchen, dass sich von der Tyrannei ihrer Stiefschwestern nicht unterkriegen lässt und trotz schwieriger Umstände ihre eigene, befreite Persönlichkeit entwickelt.

In den weltweit über 400 kursierenden Aschenbrödel-Varianten tauchen ja stets zauberhafte Hilfskräfte auf, die es dem armen Menschlein ermöglichen, sich über alle gesellschaftlich gesetzten Schranken hinweg zu befreien. Bei Mark McClain schickt die gute Fee einen Fuchs und eine Ratte, die Aschenbrödel achtsam begleiten. Der Coburger Prinz wird Federico Frigo sein. Kinderballett und tanzende Statisterie kommen zum Einsatz, soweit die Bühne des Landestheaters reicht.




Kostüm-Quadrillen, Masken-Polkas und ein ägyptischer Sklaventanz





Die Produktion "Aschenbrödel", Ballett von Mark McClain zur Musik von Johann Strauß Sohn. Musikalische Leitung Alexander Merzyn, Bühnenbild und Kostüme Andreas Becker, Dramaturgie Renate Liedtke.
Darsteller: Natalie Holzinger (Aschenbrödel ), Federico Frigo (Prinz), Po-Sheng Yeh (Tante), Mireia Martinez Pineda, Yuriya Nakahata (Schwestern), Eun Kyung Chung (Fee), Mariusz Czochrowski (Fuchs), Chih-Lin Chan (Ratte), Takashi Yamamoto (Freund des Prinzen), Jaume Costa i Guerrero (König), Kinderballett, Statisterie. Es spielt das Philharmonische Orchester Landestheater Coburg.

Premiere Samstag, 16. April, 19.30 Uhr , im Großen Haus

Hintergrund "Aschenbrödel" ist ein fragmentarisch hinterlassenes Ballett (1899) von Johann Strauß (Sohn), das durch Josef Bayer auf der Grundlage der von Strauss hinterlassenen Fragmente ergänzt, instrumentiert und zur Bühnenreife gebracht wurde. Bayer vollendete den Klavierauszug des Balletts, doch Gustav Mahler war der Ansicht, dass das Werk so nichts mehr mit Johann Strauß zu tun habe und weigerte sich, es aufzuführen. Am 11. Februar 1901 kam im Wiener Sophien-Saal beim Concordia-Ball mit großem Erfolg Bayers Arrangement von Walzern aus dem Aschenbrödel heraus. Mit Vertrag zwischen Adele Strauß im Jahr 1901 wurde das Ballett von Heinrich Regel überarbeitet. Am 2. Mai 1901 fand die Uraufführung von "Aschenbrödel" dann aber nicht in Wien, sondern in Anwesenheit Kaiser Wilhelms II. im Königlichen Opernhaus zu Berlin statt, Emil Graeb übernahm die Choreografie. wp





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