Tambach
Interview

Mit drei Akkorden um die Welt: Albert Hammond im Interview

Weltstar Albert Hammond, der am 26. Juli erstmals beim "Tambacher Sommer" auftritt, erzählt im Gespräch von seiner ersten Tournee nach fast 30 Jahren und wie er ohne Notenkenntnisse seine Karriere starten konnte.
Artikel drucken Artikel einbetten
Albert Hammond legte Anfang der 80er Jahren für seine Kinder eine lange Bühnenpause ein. Jetzt, da seine Kinder erwachsen sind, zieht es ihn zurück zu seinem Publikum. Foto: CT-Archiv/Albrecht Schmidt
Albert Hammond legte Anfang der 80er Jahren für seine Kinder eine lange Bühnenpause ein. Jetzt, da seine Kinder erwachsen sind, zieht es ihn zurück zu seinem Publikum. Foto: CT-Archiv/Albrecht Schmidt
Albert Hammond gehört seit Langem zur Spitze im Musikgeschäft: 360 Millionen verkaufte Tonträger, 30 Top-40-Hits - nur wenige Musiker können eine ähnliche Bilanz vorweisen. Aber Hammond ist auch aktuell wieder da: Der 69-Jährige geht mit seiner vierköpfigen Band nach mehr als 30 Jahren Bühnenabstinenz wieder auf Tour. Am 26. Juli spielt sich Hammond beim Tambacher Sommer durch vier Jahrzehnte Musikgeschichte: mit Liedern, die er für sich selbst geschrieben hat, aber auch für andere Weltstars wie Tina Turner, Art Garfunkel oder Whitney Houston.

Sie sind wieder auf Tour. Wie fühlt sich das an?
Albert Hammond: Es ist einfach großartig. Ich habe Anfang der 80er Jahre aufgehört auf der Bühne zu spielen, um für meine Familie da zu sein.
Als meine beiden Töchter geboren wurden, habe ich den Fehler begangen, auf Tour und Promotion zu gehen, das heißt, ich konnte nicht viel Zeit mit ihnen verbringen. Als Albert jr. geboren wurde, habe ich begonnen, dies zu verändern und wirklich als Vater da zu sein und es hat unglaublich viel Spaß gemacht, ihn aufwachsen zu sehen. 30 Jahre später spielte mein Sohn mit seiner Band "The Strokes" im Madison Square Garden in New York und ich war beeindruckt - ein glücklicher Moment und ich sagte mir, da möchte ich auch wieder hin, auf die Bühne, zu meinen Fans, die Songs und das Publikum spüren. Und es ist einfach toll - ich bin sehr glücklich, wieder spielen zu dürfen und freue mich auf mein Publikum.

Auf Ihrem Tourneeplan stehen viele mittelgroße Städte. Hat das einen besonderen Grund?
Ja, gerade in diesen Städten bekommen wir ein gewaltiges Feedback von den Fans. Sie freuen sich, dass ich zu ihnen komme - in ihre kleine Stadt. Es wäre leicht, auch in Berlin, Frankfurt, München oder Hamburg zu spielen, aber gerade die mittelgroßen Städte machen einen Unterschied. Es gibt hier eine unglaubliche Herzlichkeit vom Publikum, daher habe ich meine erste Live-CD überhaupt auch der Stadt Wilhelmshaven zugeschrieben. Meine Show dort war einfach hundertprozentig, ein unvergleichbares Erlebnis. Wir freuen uns gerade in diesen Städten spielen zu dürfen.

Gibt es Unterschiede zwischen einem Konzert im den 70er Jahren und der aktuellen Show?
Ja, natürlich. Damals war ich ja ein ganz junger Kerl, hatte nahezu keine Erfahrung. Heute bin ich viel erfahrener und es fällt mir leichter, auf die Bühne zu gehen. Ich habe einen unvergleichbaren Schatz an Liedern, auf die ich zurückgreifen kann. Lampenfieber habe ich heute auch noch, aber ich denke, meine Band und ich haben eine Show, die das Publikum mitnimmt auf eine Zeitreise durch die Musik - meine Musik - und es gelingt mir, sie zwei Stunden in eine andere Welt zu entführen.

Sind Sie der Meinung, dass Musik etwas bewirken kann?
Ja, definitiv. Musik ist eine einmalige Kunst - sie lässt uns hoffen, sie bringt uns zum Träumen, ja sogar zum Lachen und das ist sehr wichtig. Wichtig ist es auch, die Füße auf dem Boden zu behalten. Sterne gibt es nur im Himmel. Ich bin nur ein normaler Typ, der gerne singt, auftritt und die Menschen unterhält. Das ist alles, was ich bin - ich bin kein Star.

Sie haben viele weltbekannte Künstler wie Tina Turner, Joe Cocker, Whitney Houston, Johnny Cash, Roy Orbison mit Hits versorgt - wie sehen Sie die aktuelle Musikszene?
Selbstverständlich habe ich einen Bezug zur aktuellen Musikszene, auch durch meinen Sohn Albert Hammond jr., viele meiner Songs werden ja auch heute wieder aufgenommen oder gespielt von jungen Interpreten. Jede Zeit hat ihre Musik und es gibt gute und nicht so gute Geschichten. Das war in den Sechzigern so, in den Siebzigern und Achtzigern. Ich denke es ist sehr wichtig, sich zu öffnen, zuzuhören - wir leben alle in der gleichen Welt und Musik ist etwas Besonderes. Musik ist ein Schatz, der uns Hoffnung gibt, und das versuche ich auch mit meinen Konzerten. Hier kommen ja auch jüngere Leute.

Sie sind musikalischer Autodidakt...
Ja, das stimmt. Ich habe keine Notenkenntnisse. Als ich neun Jahre alt war, hat mir mein Friseur drei Gitarrenakkorde beigebracht: A, D und E. Damit spielte ich dann Buddy-Holly-Songs nach. Das war der Anfang, und dann haben mich diese drei Akkorde um die Welt gebracht.

Wie schreibt man einen Hit? Haben Sie ein Erfolgsgeheimnis?
Nein, sicher nicht. Das hat wahrscheinlich keiner. Ein Song muss klar sein, er muss die Menschen berühren - ihnen etwas vermitteln. Das zeichnet einen guten Song aus und dann hat er die Chance vom Publikum gemocht zu werden. Das Publikum muss den Song lieben, dann setzt eine Art Schneeballsystem ein. Der eine erzählt es dem anderen und so weiter. Dann wird aus einem gelungen Song eventuell auch ein Hit. Aber vorhersagen kann das keiner.

Sie sind ein großer Star in Spanien und Lateinamerika - es gibt nicht viele Interpreten, die zwei so ganz unterschiedliche Karrieren haben.
Ja das stimmt, ich glaube ich bin fast der Einzige. Das ist meiner spanischen Seele zu verdanken. Ich bin in Gibraltar aufgewachsen und natürlich gibt es hier starke spanische Bezüge. Meine spanischen Songs sind in der Regel etwas romantischer, die englischen Songs verkörpern mehr Rock'n'Roll.

Sie sind jetzt fast 70. Gibt es da noch Zukunftspläne?
Natürlich! Ich habe noch viel vor. Zuerst diese Tour, auf die ich mich sehr freue und die mir die Chance gibt, mein erstes Live-Album vorzustellen. Dann arbeite ich an einem spanischen Album mit elf Boleros. Also es gibt noch viel zu tun und es macht immer noch Spaß.

Die Fragen stellte Sven Reuß.

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren