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Der Neustadter Walter Langer ist mit dem Motorradvirus infiziert

Walter Langer war jahrzehntelang Anlaufstelle für Motorradfahrer, wenn andere schon lange nicht mehr weiterwussten. Er erinnert sich gerne an diese Zeit.
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Walter Langer bestritt früher Motorradrennen für den Motorradclub Neustadt. Foto: privat
Walter Langer bestritt früher Motorradrennen für den Motorradclub Neustadt. Foto: privat
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"Walter, nun schau doch mal!" Diesen Satz hat Walter Langer in seinem Leben schon oft gehört. Auch wenn er jetzt oft sagen muss: "Ihr wisst doch, ich mach' doch nichts mehr." Aber jahrzehntelang war er Anlaufstelle für Motorradfahrer, wenn andere schon lang nicht mehr weiterwussten. Dabei spielte keine Rolle, welche Motorradmarke oder Hubraumklasse ein Problem hatte, Walter wusste fast immer Rat.
Dieses Wissen kommt nicht von ungefähr, hat er doch sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Begonnen hat seine Lebensgeschichte 1935 in Haida im Sudetenland, von wo er nach Kriegsende - wie viele andere auch - mit seiner ganzen Familie vertrieben wurde. 1946 kam er im Flüchtlingslager in Neustadt an. Aufgeben gab es für die Familie Langer nicht. So begann Walter 1949 eine Lehre als Automechaniker bei der Firma Ehrlicher in Neustadt, in der auch sein Vater als Meister arbeitete.

Da fast jede Werkstatt neben Autos auch Motorräder reparierte, wurde Walter hier vermutlich mit dem Motorradvirus infiziert. Nach der Ausbildung arbeite er unter anderem bei der Firma Zweirad Martin, wo er nach eigener Aussage zeitweise "von früh um 7 bis abends um 10" schraubte. "Die Motorräder müssen doch fertig werden, die Leute brauchen sie doch", so begründete er seinen Eifer.


"Eigentlich wollte ich ja zum Porsche"

Wie viele junge Menschen in der damaligen Zeit zog es ihn dann auch in die Ferne und er fand schnell eine Anstellung als Mechaniker bei der damals weltkannten Zweiradfirma Kreidler in Zuffenhausen. Dort war er in der Versuchsabteilung beschäftigt und an der Entwicklung und Erprobung von Kreidler-Motorrädern beteiligt. Nebenbei bereitete Walter Langer auch die Motorräder für die Werksfahrer vor.

" Eigentlich wollte ich ja zum Porsche", erklärt Walter Langer, "aber wie das Leben so spielt, kommt alles meistens anders." Ein schwerer Arbeitsunfall seines Vaters zwang ihn, nach Neustadt zurückzukehren, um die Familie zu unterstützen. In Neustadt wieder angekommen, machte er wenig später seine Meisterprüfung als Kraftfahrzeugmechaniker. Langer ist auch Werkzeugmachermeister. Letzteren Titel hat er bei der Firma Dressel erworben, wo er 17 Jahre gearbeitet und viele Lehrlinge ausgebildet hat. Danach veränderte er sich beruflich und 1977 wurde die Stadt Neustadt sein Arbeitgeber, wo er bis zur Rente 1998 tätig war. Als Meister leitete er die Werkstatt des Bauhofes und bestritt als Personalrat so manchen Kampf für seine Arbeitskollegen.
"Der war gefährlich", zitiert er verschiedene Leute, die gewusst hätten, dass er keine Angst vor ihnen habe. "Aber mit mir kann man reden, und da haben wir immer eine Lösung gefunden."

Sportlich bestritt er natürlich Motorradrennen für den Motorradclub Neustadt (MCN) zu einer Zeit, als Endurorennen noch Zuverlässigkeitsfahrten hießen und die Anreise zum Rennen schon zur Veranstaltung zählte. Da man sich auf den damals örtlichen Polizeistationen, die es noch in jedem größeren Ort gab, bestätigen lassen musste, dass man da ist, habe er manchmal schon vor den Rennen 200 Kilometer zurückgelegt. Bequem waren die damaligen Geländemotorräder mit groben Reifen wirklich nicht. Schmunzelnd erzählt Walter Langer: "Nach so einem Rennen bist du manchmal gelaufen wie der Gary Cooper."

Er brachte es in seiner Sportlaufbahn zum Lizenzfahrer und erkämpfte einige Medaillen für den MCN. Zu dieser Zeit wurde nach und vor den Rennen stundenlang an den Motorrädern geschraubt und gebastelt, um mehr PS herauszuholen oder das Fahrwerk zu verbessern. Spätesten zu dieser Zeit war Walter Langer die Anlaufstelle für viele Motorradfahrer, denn er konnte immer helfen.


Er nimmt ein Teil in die Hand und erinnert sich an alles

Zu jedem Motorradteil in seiner Werkstatt, das er in die Hand nimmt, kann Langer eine kleine Geschichte erzählen und bei vielen Teilen fügt er hinzu: "Das habe ich nur etwas angepasst."
Nachdem Walter Langer seine sportliche Laufbahn beendet hatte, engagierte er sich stark beim MCN, unter anderem jahrelang als Fahrtleiter bei der deutschlandweit bekannten Geländefahrt "Rund um Neustadt". Langer nahm sich vor und nach der Veranstaltung immer Urlaub, um alles regeln und organisieren zu können.
Lösungen für Probleme zu finden, ist für ihn wichtig, menschlich und technisch gesehen. Auch knobelt er so lange, bis er versteht, warum was wie funktioniert oder auch nicht. "Reparieren können viele", sagt Walter Langer, "aber die Ursache des Fehlers zu finden, ist wichtiger."

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