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Coburg
Tarifpolitik

Metaller warnen: Geld fließt ins Ausland

Wenn die Entscheidung über eine neue Investition anstehe, falle diese immer häufiger zu Gunsten des Auslands, mahnt der bayerische Arbeitgeberverband VBM. Er fordert flexiblere Tarifverträge. Die IG Metall bleibt zurückhaltend.
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Bis zum ersten Warnstreik wird noch viel Zeit vergehen, aber die Vorbereitungen für die nächste Metaller-Tarifrunde beginnen allmählich - auch in Franken. Symbol-Foto (aus Berlin): Peer Grimm, dpa, Archiv
Bis zum ersten Warnstreik wird noch viel Zeit vergehen, aber die Vorbereitungen für die nächste Metaller-Tarifrunde beginnen allmählich - auch in Franken. Symbol-Foto (aus Berlin): Peer Grimm, dpa, Archiv
Bis zur nächsten Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie vergehen zwar noch fünf Monate, aber schon jetzt bringen sich die Parteien langsam in Stellung.

Gestern haben Vertreter des Arbeitgeberverbands VBM (Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie) in Coburg ihre Forderungen "für eine zukunftsgerechte Tarifpolitik" vorgestellt. "Unserem moderaten Produktivitätswachstum steht ein stetiger Anstieg der Arbeitskosten gegenüber", monierte der Coburger Unternehmer Thomas Kaeser, VBM-Vorstandsvorsitzender der Region Oberfranken-West. Im vergangenen Jahr habe die Produktivität in der Branche gerade einmal um gut eineinhalb Prozent über dem Vorkrisenniveau von 2007 gelegen. Die Tarifentgelte hingegen seien kontinuierlich um 20 Prozent gestiegen.


China schwächelt

Ulrich Schaarschmidt, Geschäftsführer der Firma Wieland Electric in Bamberg und VBM-Vorstandsmitglied, verwies auf die sinkenden Exporte der M+E-Industrie in die Schwellenländer und die Konjukturabkühlung in China, Bayerns zweitgrößtem Exportmarkt nach den USA. "Auch Nordamerika ist nicht so stark, wie wir das vor einiger Zeit noch eingeschätzt haben", berichtete Schaarschmidt. Er bemängelte, dass der Anstieg der Arbeitskosten zuletzt immer deutlich über dem Inflationswert gelegen habe. "Das kann aus meiner Sicht nicht so weitergehen."

Die "deutlich abgekühlte Konjunktur" griff auch Kaeser auf. Die Kapazitätsauslastung sei schlechter geworden, Ausdruck "einer insgesamt unsicheren Lage für die Unternehmen".

Besonders gefährlich ist laut Kaeser, dass sich die Verlagerung von Wertschöpfung ins Ausland als schleichender Prozess fortsetze. "In die Tarifverträge müssen vermehrt Öffnungsklauseln und flexible Elemente eingebaut werden", forderte Kaeser. Nur so könne die Tarifbindung in der Branche gestärkt werden. Auch Beschränkungen von Werk- und Dienstverträgen seien kontraproduktiv.

"Wir stehen zum Flächentarifvertrag, aber wir dürfen ihn nicht mit qualitativen Themen überfrachten", sagte Kaeser.


IG Metall gegen Missbrauch

"Bei uns ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen, ob in der nächsten Tarifrunde ein qualitatives Thema mit aufgenommen wird", sagte Matthias Gebhardt, Erster Bevollmächtigter der IG Metall im Raum Bamberg, Ebern, Forchheim und Höchstadt, auf Anfrage. "Wir bekämpfen keine Werkverträge, sondern nur den Missbrauch von Werkverträgen", stellte Gebhardt klar. Und gegen diesen Missbrauch werde man weiter vorgehen.
Was die Produktivität angeht, so räumte Gebhardt ein, dass die Zuwachsraten nicht so hoch wie in Vorkrisenzeiten seien. "Aber das ist nur ein Teil, der in die Betrachtung mit einfließt." Eine entscheidende Rolle spiele der wirtschaftliche Erfolg der Unternehmen. "Und da hatten wir eine hervorragende Situation zuletzt."

Der IG-Metall-Bevollmächtigte zeigte sich wenig verwundert über die Arbeitgeber-Argumente: "Vor jeder Tarifrunde sprechen die Arbeitgeber immer wieder von einer Eintrübung der Konjuktur. Das gehört dazu."

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