Coburg
Stadtrat

Mehrheit für die Brose-Resolution steht

Bis auf die Grünen und voraussichtlich einige SPD-Mitglieder werden wohl alle Stadträte am Donnerstag einer Erklärung zustimmen, die das Bedauern darüber ausdrückt, dass 2004 vom Coburger Stadtrat keine Max-Brose-Straße beschlossen wurde.
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Eine Büste erinnert im Coburger Stammwerk an den Firmengründer Max Brose. Foto: Brose
Eine Büste erinnert im Coburger Stammwerk an den Firmengründer Max Brose. Foto: Brose
Es handelt sich um Punkt 15 einer umfangreichen Tagesordnung: "Rehabilitierung Max Brose; Stadtratsbeschluss zur Umbenennung der Von-Schultes-Straße in Max-Brose-Straße aus dem Jahr 2004" ist dieser Punkt überschrieben. Der Stadtrat soll eine Erklärung verabschieden, in deren Kern es vermutlich darum gehen wird, das Bedauern darüber auszudrücken, unter welchen Umständen eine Umbenennung der Von-Schultes-Straße 2004 nicht zustande kam. Damals sei der geschichtliche Hintergrund nicht gewürdigt worden, sagte Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) bei einem Pressegespräch am vergangenen Freitag. Denn für einen Teil der damaligen Stadtratsmitglieder muss es bei der Abstimmung eine Rolle gespielt haben, dass Max Brose von 1933 bis 1945 der NSDAP angehörte.


Doch, wie Tessmer am Freitag sagte: Damals hätten nicht genug Informationen vorgelegen, um Broses tatsächliches Verhalten in der Zeit des Dritten Reichs bewerten zu können. Für Tessmer und die große Mehrheit des Stadtrats steht inzwischen offenbar fest, dass dem Industriellen und langjährigen IHK-Präsidenten (1933 bis 1943) kein Fehlverhalten vorzuwerfen ist.

Beschlusstext noch geheim
Der Beschlusstext ist noch nicht veröffentlicht, sondern lag bislang nur den Fraktionen zur Vorberatung vor. Insgesamt sei der Text kurz und "sehr allgemein gehalten", wie René Hähnlein sagt, Vorsitzender der neuen Fraktion "Sozial und bürgernah für Coburg", SBC.

Die Fraktion der Grünen wird nicht zustimmen, wie sie am Dienstag mitteilte. "Zum einen sind wir nicht bereit, einen Stadtratsbeschluss zurückzunehmen und uns dafür zu entschuldigen, obwohl bei dem im Jahr 2004 zur Entscheidung stehenden Beschluss drei Viertel unserer jetzigen Grünen Fraktion noch nicht einmal dabei waren", heißt es in der Mitteilung.

"Darüber hinaus ist es Fakt, dass die damaligen Grünen-Stadträte nach bestem Wissen und Gewissen entschieden haben und dass auch damals dem Beschluss seitens der Grünen eine gründliche Vorbereitung vorausging. Zum anderen ist es unseres Erachtens nicht die Aufgabe eines Stadtrates, einen ,Mitläufer des NS-Regimes‘ (Urteilsspruch der Spruchkammer vom Juli 1949) zu rehabilitieren. Die Entscheidung der Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen wird durch den Grünen Parteivorstand Coburgs vorbehaltlos unterstützt."

Die Grünen sind nach Sachlage am Dienstag die einzige Fraktion, die den Beschlusstext geschlossen abzulehnen gedenkt. Bei der SPD rechnet deren Vorsitzende Bettina Lesch-Lasaridis damit, dass die Mehrzahl der elf Fraktionsmitglieder zustimmen wird. Michael Stoschek, der Enkel des Firmengründers, war im Vorfeld auch in der SPD-Fraktion zu Gast. Es war Stoschek, der durch die Nicht-Entscheidung des Stadtrats im Jahr 2004 das Ansehen seines Großvaters beschädigt sah. Weil der damalige geschäftsführende Gesellschafter von Brose dem Stadtrat und namentlich dem damaligen Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) die Entscheidung verübelte, gewährt das Unternehmen Brose seither keine Spenden an Coburger Einrichtungen und Vereine mehr.

Allerdings machte Stoschek persönlich immer wieder große Beträge locker, so für ein "Sprungbrett" für arbeitslose Jugendliche oder nach dem Großbrand in der Herrngasse 2012. Als die Süddeutsche Zeitung im Januar den andauernden Brose-Spendenboykott aufspießte, kam das Thema wieder ins Gespräch. Stoschek selbst warb in den vergangenen Wochen intensiv um eine "Rehabilitierung" seines Großvaters durch den Stadtrat.

Bei fast allen Fraktionen scheint er Erfolg gehabt zu haben: Sie signalisieren Zustimmung zu der Resolution. "Bei uns wird es eindeutig sein", sagt Jürgen Oehm, der Vorsitzende der CSU-Fraktion. Auch Jürgen Heeb von der Wählervereinigung Pro Coburg (WPC) sagt, dass seine Fraktion "den Vorschlag mitgehen" könne, "weil auch die Bürger das Thema endlich mal abschließen wollen".

"Wir tragen den Beschlussvorschlag des Oberbürgermeisters mit", meldet auch Christian Müller, Sprecher der CSB. Ähnlich äußert sich René Hähnlein von der SBC: "Die Resolution ist derart allgemeingültig formuliert, dass die Fraktion da kein Problem hat, zuzustimmen."
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