Im Angehörigenzimmer ging es meist eng zu und der Zugang war nicht barrierefrei. Die Räume zum Abschiednehmen glichen kleinen Zellen, ein enger Gang führte daran vorbei. "Trauergesellschaften mussten dort vorbeilaufen und sich durchschlängeln", sagt Bernhard Ledermann, Leiter des Grünflächenamtes. Ein unhaltbarer Zustand, wie er findet. Und nicht nur er. Im Mai gab der Finanzsenat 208  300 Euro für den ersten Teil der Sanierung des Gebäudes frei. Jetzt haben die Bauarbeiten begonnen. Ullrich Pfuhlmann, Leiter des Hochbauamts, war gestern zum Friedhof gekommen, um sich ein Bild vom Baufortschritt zu machen.
Im bisherigen Angehörigenzimmer wurde eine Wand herausgerissen und der Raum damit vergrößert. Derzeit sind die Bauarbeiter dabei, den Untergrund auszuschachten. "Das ist notwendig, damit wir den Boden absenken und so das Ganze barrierefrei gestalten können", erzählt Bernhard Ledermann.

Das Ende der engen Gänge


Vom Angehörigenzimmer führt zukünftig eine Tür zu den Toiletten und über einen kleinen Gang zum Raum für den Pfarrer. Dahinter schließt sich der Bereich an, in dem die Verstorbenen auf Wunsch der Angehörigen aufgebahrt werden, damit die Trauernden Abschied nehmen können. "Hier soll alles großzügiger gestaltet werden", erläutert der Leiter des Grünflächenamts. Wie sanierungsbedürftig besonders dieser sensible Bereich ist, ist offensichtlich. Die Wände sind porös, die Farbe blättert ab. Und im Winter ist es dort kalt, die Fenster sind nur einfach verglast, also alles andere als wärmedämmend. "Sie sind aber denkmalgeschützt. Deshalb können wir sie nicht austauschen", sagt Ullrich Pfuhlmann. Die Lösung: Es wird von innen ein Fenster dagegengesetzt. Mit der Umgestaltung entsteht auch mehr Platz für die Särge, damit sie in die Abschiedsräume geschoben werden können, ohne an der Wand entlangzuschrammen.

Die Toiletten werden auch erneuert, aber noch nicht barrierefrei gestaltet. Weil es für sie andere Pläne gibt. Nach Abschluss des ersten Bauabschnitts hofft Ullrich Pfuhlmann auf den Beginn des zweiten im nächsten Jahr. Dann soll ein Erweiterungsbau neben der Aussegnungshalle errichtet werden. Dort zieht dann die Verwaltung ein, die jetzt noch im Grünflächenamt ihr Domizil hat. Es werden Toiletten eingebaut, die auch Menschen im Rollstuhl erreichen können. Ein neuer Kühlraum kommt unter das Gebäude. Derzeit befindet er sich noch in der Aussegnungshalle. Von dort führt ein Fahrstuhl zum Krematorium. Das bedeutet, alle Särge müssen durch die Gänge der Halle geschoben werden, was mitunter sehr störend für die Trauergäste ist. Das ändert sich mit dem Erweiterungsbau. "Der neue Kühlraum wird unterirdisch mit der Einäscherungsanlage verbunden."

Verschönert wird später


In einem dritten Bauabschnitt ist schließlich die Trauerhalle dran. "Auch sie muss dringend saniert werden", betont Bernhard Ledermann. Zurzeit ist sie leer und sieht trostlos aus. Trauerfeiern finden im herzoglichen Mausoleum statt - dank der Zustimmung durch die herzogliche Verwaltung. "Dort ist das Ambiente eigentlich schöner als hier. Aber es ist beschwerlich, die Särge die Stufen davor hinaufzutragen und sie dann ins Krematorium zu bringen", erläutert Bernhard Ledermann.
Ein anderes Problem liegt ihm auch noch am Herzen. Für große Trauerfeiern ist die Aussegnungshalle einfach zu klein. Oft müssen Trauergäste im Freien stehen - bei Regen und Kälte ist das kein Vergnügen. "Da reden wir jetzt schon über einen vierten Bauabschnitt", sagt Ullrich Pfuhlmann lachend. Dann könnte in Zusammenarbeit mit der Hochschule eine Lösung geschaffen werden, die sich der Architektur der Halle, einer Mischung aus neuromanischen und Jugendstilelementen, anpasst.