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Coburg
Denkmäler

Medaille für Rückerts Stube und ein Café

Häuser, die das Coburger Stadtbild aufwerten, erhalten eine Plakette. Nun hat Hans-Heinrich Eidt von der Gemeinschaft Stadtbild Coburg wieder drei vorbildliche Bauherren auszeichnen können - und Geld gab es für die Sanierungsprojekte auch.
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Dieses Haus in der Coburger Judengasse beherbergt das Café Babbel.
Dieses Haus in der Coburger Judengasse beherbergt das Café Babbel.
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Die Gemeinschaft Stadtbild Coburg würdigt den Erhalt alter Baudenkmäler auf zweierlei Weise: Zum einen gibt es Auszeichnungen für gelungene Sanierungen, zum anderen kann die Gemeinschaft die Bauherren mit Zuschüssen unterstützen.

Möglich ist dies durch eine Spende des Coburger Unternehmers Michael Stoschek und seiner Schwester Christine Volkmann, beide Gesellschafter von Brose. Die beiden stellten für die brandgeschädigten Häuser in der Herrngasse Geld zur Verfügung. Weil das nicht verbraucht wurde, erhielt die Gemeinschaft Stadtbild Coburg zwei Millionen Euro. Mit dem Geld werden denkmalgerechte Sanierungen bezuschusst, und die Hauseigentümer erhalten eine Plakette, die das dokumentiert. Nun hat Hans-Heinrich Eidt, Vorsitzender von "Stadtbild", wieder drei solche Plaketten überreicht.

Das erste so gewürdigte Objekt befindet sich in der Friedrich-Rückert-Straße 11 bis 13.
Im Jahr 1992 haben Klaus und Christel Rückert das ehemalige Gut geerbt und in den folgenden Jahren mit viel Fingerspitzengefühl und Liebe saniert.

Vier Jahre, erzählt Christel Rückert, haben die Renovierungsarbeiten gedauert. Ein ganz wesentliches Anliegen der Eigentümer war es, im Obergeschoss des Hauses ein Museum einzurichten. Dort befindet sich die Dichterstube von Friedrich Rückert (1788 bis 1866). Ururenkel Klaus Rückert und seine Frau Christel haben dem Poeten zu Ehren eine Gedenkstätte eingerichtet, die nach Absprache besichtigt werden kann. Das Ehepaar bewohnt einen Teil des Ensembles, ein Abschnitt und die ehemalige alte Schulhaus sind vermietet.

Der Garten an der Rückseite ist nach dem historischen Vorbild angelegt. Für die vorbildliche Sanierung des Hauses ist das Ehepaar bereits im Jahr 1997 ausgezeichnet worden. Nun haben die Rückerts die gesamte Fassade und die Fensterläden überarbeiten lassen, und dies war eine Sanierungsmedaille wert. Die Bausubstanz des Hauses sei mit dem Goethehaus in Weimar gleich zu setzen, sagt Architekt Michael Müller.

Weiter ging es in die Lange Gasse 23, wo Erika Leis eine wunderschöne Jugendstilvilla bewohnt. Die Eigentümerin erhielt die Auszeichnung für den gelungenen Dachvorbau, der die Denkmalschutzkriterien erfüllt. Die um die um das Jahr 1910 erbaute Villa erwarb die Familie Leis im Jahr 1974. "Wir haben es als alte Bude gekauft und gar nicht gewusst, dass das Haus unter Denkmalschutz steht", erinnert sich Erika Leis. Beim Denkmalschutz müssen bei der Sanierungen strenge Auflagen erfüllt werden, und so musste aktuell auch das Glasdach des Vorbaus exakt die Riffelung nach dem alten Vorbild aufweisen. Betritt man das Haus, so ist dies wie ein Zeitsprung in eine andere Epoche. Vieles ist im Original erhalten, wie die Parkettböden, die Stuckdecken oder der Kamin im Eingangsbereich und die Jugendstilfenster. Die obere Empore des Hauses ist vermietet."Wenn man der oberen Etage steht, schwebt die Veste Coburg wie ein Gemälde vor dem Fenster", sagt Eidt, der sich mit Herzblut und Leidenschaft für Coburgs alte schöne Häuser einsetzt.

Ein ganz anderes Objekt steht in der Judengasse 50. Das Haus beherbergt im Parterre das Eltern-Kind Café Babbel. Der Eigentümer Heiko Dietz lebt in Frankfurt am Main und kam zur Medaillenübergabe nach Coburg. Dietz hat das Haus aus dem Jahr 1896 von seinem Großvater Gottfried Dietz geerbt. Im Rückgebäude befand sich einst eine Gerberei. Die Fassade des denkmalgeschützten Hauses wurde den vergangenen Monaten saniert, die Wohnungen werden gerade renoviert und sollen im kommenden Jahr vermietet werden.

Alle drei Hauseigentümer nahmen die Sanierungsmedaillen sehr gern an. Was den Zuschuss von Stadtbild zu den Sanierungen angeht, so gebe es keinen festen Betrag, informierte Eidt. "Dies wird von Objekt zu Objekt entschieden." Die Gemeinschaft Stadtbild besteht seit dem Jahr 1973. Sie hat sich die Pflege des Stadtbildes und den Denkmalschutzes auf die Fahnen geschrieben. Seit dem Jahr 2012 läuft das jetzige Sanierungsprogramm. Noch in diesem Jahr rechnet Eidt mit der Fertigstellung zwei weiterer Objekte im Steintor und in der Creidlitzer Straße.