Märchen helfen träumen, sie können ein wenig dazu beitragen, dass Kinder Ängste abbauen und die Zukunft hoffnungsvoller angehen. Das ist die Philosophie von Oliver Machander aus Regensburg, einer von wenigen hauptberuflichen deutschen Märchenerzählern, den sich der Kindergarten "Löwenzahn" eingeladen hatte.
Der "Clown Gottes", eine Weihnachtsgeschichte, die Gott zum Lachen brachte, und aus Norwegen ein Märchen von "Trolln und dem Bär" ließen die ansonsten aktiven Kinder fast in Ruhe auf ihren Bänken erstarren. Nur hie und da gab es einen lauten Zwischenruf, den Oliver dankbar aufnahm, ihn sofort in das Märchen einbaute, aber ansonsten gestenreich, gekonnt, einfühlsam und spannend seine Storys preisgab.

Aufzeigen von Lösungen

Für die Erzieherin Martina Beyer brauchen Kinder Märchen, denn dann könnten sie zwischen Gut und Böse unterscheiden. Es würden Berührungsängste abgebaut, etwa vom Wolf oder der Hexe. "Märchen bieten aber auch Heldenfiguren, mit denen sich die Kinder identifizieren können. Das macht stark", erläuterte die Erzieherin. Märchen regten auch die Fantasie an, zeigten Lösungen auf und erweiterten den Wortschatz. Leider, so Beyer, würden heutzutage nur noch in wenigen Fällen Märchen vorgelesen oder erzählt.

Gut für die Spracherziehung

Oliver Machander, Vater dreier Kinder, kam aufs Märchenerzählen über seinen ältesten Sohn Felix. "Wer Märchen erzählt, kann Lebensweisheiten und Halt mit auf den Weg geben", erklärte er im Gespräch mit unserer Zeitung. "Und die zweite Funktion ist die Spracherziehung, da habe ich in Bezug auf die deutsche Sprache nur positive Erfahrungen gemacht."

Wärme ausstrahlen ist wichtig

Auch der "böse Wolf" in Rotkäppchen sei absolut zeitgemäß, es komme nur auf die Darstellung an, meinte Machander, der nicht nur eigene Geschichten aus aller Welt preisgibt, sondern auch Klassiker aus Grimms Märchen im Repertoire hat. Aufmerksamkeit schenken, Wärme ausstrahlen, sei heutzutage besonders wertvoll bei der Überflutung aus den Medien, resümierte der hauptberufliche Märchenerzähler.