Coburg
Nachruf

Lothar Westermeier ist tot: Ein Leben für Coburg und für die Musik

Lothar Westermeier war ein Original. Der ehemalige Tageblatt-Redakteur verehrte Elvis, mit dem er jetzt im Himmel rockt.
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So kannte man ihn und sah er sich auch selbst gerne: Lothar Westermeier auf den Spuren von Elvis. Der Vollblut-Musiker und langjährige Tageblatt-Redakteur ist im Alter von 69 Jahren gestorben. Foto: Hagen Lehmann
So kannte man ihn und sah er sich auch selbst gerne: Lothar Westermeier auf den Spuren von Elvis. Der Vollblut-Musiker und langjährige Tageblatt-Redakteur ist im Alter von 69 Jahren gestorben. Foto: Hagen Lehmann
Musik war sein Leben. Und zwar Musik in ihrer ganzen Bandbreite. So konnte sich Lothar Westermeier für Kirchenmusik - bevorzugt von Bach, gerne mit Posaunenbegleitung und am liebsten natürlich in "seiner" Morizkirche - genauso begeistern wie für handgemachten Rock'n'Roll. Er selbst sang und musizierte über fünf Jahrzehnte in verschiedenen Bands, allen voran bei "Route 66", aber auch bei den "Rohmann Rockabilly Boys" oder den "Serenaders". Seine allererste Band waren die "Toxi's", später mischte er mit der "Combo C5", der zum Beispiel auch Horst Bauer angehörte, die Tanzsäle im Coburger Land auf. "Combo C5" spielte auch bei der Wiedereröffnung des Kongresshauses - zusammen übrigens mit Ted Herold, den Lothar Westermeier ebenso gut fand wie Johnny Cash.

Am meisten aber bewunderte er natürlich Elvis Presley, ja, Lothar Westermeier verehrte geradezu den "King of Rock'n'Roll". Aus dessen Liedern konnte er auch Kraft und Lebensmut schöpfen. Einmal erzählte Lothar Westermeier (Künstlername: "Loth Tennessee West") diese Anekdote: "Neulich ging es mir schlecht - aber dann habe ich eine Platte von Elvis aufgelegt und schon ging es mir wieder gut!"

Casi und "Rock'n'Roll-House"

Lothar Westermeier, das war aber nicht nur ein Leben voller Musik, sondern auch ein Leben voller Liebe zu Coburg. Von seiner Wohnung aus, an deren Tür ein Schild seit jeher verkündete, dass es sich hier um ein "Rock'n'Roll-House" handelt, hatte er gleich zwei Bauwerke im Blick, die ihm sehr am Herzen lagen: besagte Morizkirche und das Casimirianum. In St. Moriz sang er lange im Bachchor und spielte bis zuletzt im Posaunenchor; am Casimirianum hatte er sein Abitur gemacht, ehe er ein Lehramtsstudium begann (und der Schule als treues Mitglied der Casimiriana verbunden blieb). Den Dienst des Grundschullehrers quittierte er dann jedoch auf eigenen Wunsch und schlug eine andere Laufbahn ein: Er wechselte zum Tageblatt!

Fachsimpeln mit dem Verleger

1980 begann er ein Volontariat, anschließend arbeitete er fast 30 Jahre lang als Redakteur in der Stadtredaktion. Für das Tageblatt war es ein Glücksfall, mit Lothar Westermeier einen so profunden Kenner der lokalen Gegebenheiten als Mitarbeiter zu haben. Als er in den Ruhestand verabschiedet wurde, bezeichnete ihn der damalige Verleger Helmuth Jungbauer als "Ur-Coburger", der dem traditionsreichen Tageblatt "gut getan" habe. Nach dem offiziellen Teil dieser Feierstunde hat Lothar Westermeier übrigens noch intensiv mit Helmuth Jungbauer über das Gesamtwerk von Elvis Presley gefachsimpelt...

Aber auch im Ruhestand riss der Kontakt zwischen Lothar Westermeier und dem Tageblatt nicht ab. Als etwa 2011 das 125-jährige Bestehen unserer Zeitung gefeiert wurde und in einer großen Jubiläumsausgabe mehrere Zeitzeugen und Wegbegleiter zu Wort kamen, durfte Lothar Westermeier nicht fehlen. Er erinnerte sich in seinem Artikel daran, wie das Tageblatt noch in der Löwenstraße seinen Sitz hatte, wie alles ohne Computer ging und wie viel Spaß es ihm gemacht hat, über "sein" Coburg zu berichten. Das dazugehörige Foto zeigte Lothar Westermeier in Elvis-Manier, ganz lässig mit Gitarre und Cowboystiefeln. Keine vier Jahre später haben wir uns erneut für dieses schöne Foto entschieden, das Lothar so treffend charakterisiert.

Aber es schmerzt uns, dass das Foto zu seinem Nachruf gestellt werden muss. Wir haben einen langjährigen Kollegen und guten Freund verloren, der uns mit vielen schönen Geschichten für immer in Erinnerung bleiben wird.

Lothar Westermeier ist vergangenen Sonntag - oder wie er selbst es augenzwinkernd sagen würde: 242 Tage vor Weihnachten - im Alter von 69 Jahren gestorben. Die Trauerfeier findet am Mittwoch, 6. Mai, 11 Uhr, auf dem Friedhof am Glockenberg statt.
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