Coburger Tageblatt: Ihr aktuelles Programm heißt "Paparazzo" - wen holen Sie vor die Linse?
Chris Boettcher: Ich hab den Paparazzo ausgesucht, weil er in alle Schlafzimmer schaut. Christian Wulff spielt bei mir eine Rolle, Berlusconi, Sarkozy und Stoiber, aber auch B-Promis. Irgendwie wird ja heute jeder mal prominent. Er muss dazu nicht Bundespräsident sein. Die ganzen Formate wie "Bauer sucht Frau" oder "Germany's next Topmodel" sorgen schon dafür. Das ist so absurd: Der Planet wird immer heißer, die Banken drehen immer mehr durch, und wir, was machen wir? Wir geilen uns an den Promis auf!

Eine Ihrer Lieblingsfiguren, der "Loddar", bleibt auch in Ihrem Fokus. Er bekommt ja jetzt eine eigene Show auf Vox...
Ja, es ist der Wahnsinn.

Ist das sein endgültiger Abstieg?
Wenn er das macht, ist er im Fußball überhaupt nicht mehr vermittelbar. Aber ins Dschungelcamp, da könnte er noch reinkommen.

Tut er Ihnen ein wenig leid?
Er tut mir schon leid. Der Lothar Matthäus ist ja bei "Loddar und Franz" (Boettchers Sendung auf Bayern 3, Anm. d. Red.) der bunte Clown, der es krachen lässt. Der Beckenbauer war für mich immer die undurchschaubarere Figur - aber der "Loddar" trägt das Herz auf der Zunge. Und das mochte ich...

Wobei der "Loddar" kommt bei Ihnen auch eher dümmlich weg...
Ja klar. So wie der Lothar gewachsen ist mit seiner Karriere, ist auch mein "Loddar" gewachsen. Er hat sich - wie könnte man das sagen - versimpelt (lacht). Er hat irgendwie immer mehr von seinem Status als Weltfußballer verloren und ist zur Boulevardcharge verkommen - ich kann ja gar nichts dafür. Ich kann das gar nicht toppen, wenn er in der Presse sagt, dass er der Liliana die Brüste nicht mehr bezahlt. Natürlich hat er Probleme mit mir. Er weiß ja, dass es diese Comedy gibt.

Haben Sie ihn mal getroffen?
Nein, persönlich zum Glück nie. Ich hab mal bei der FC-Bayern-Weihnachtsfeier 2009 gespielt. Die haben herzlich gelacht drüber. Auch über "Loddar", aber da war Matthäus nicht eingeladen.

Wie ist das, wenn man auf einer Weihnachtsfeier vom FC Bayern ist, sagen da manche, Mensch da hast du aber mal übertrieben?
Nein, es geht ganz locker zu. Die können auch gut über sich selbst lachen. Uli Hoeneß zeichnet sich da besonders aus. Er hat mir gesagt, ich muss keinen verschonen. Aber ich will es mir natürlich auch nicht verscherzen als Bayern-Fan.

Den Jogi Löw machen sie auch nach. Die EM steht ja in diesem Sommer vor der Tür. Wird es mehr von Löw geben?
Naja, der Matze Knop ist ja schon umfassend als Parodist vertreten. Ich sehe mich eher auch als Musiker, nicht nur als Komiker. Ich will nicht wie der Knop mit der Perücke auf dem Kopf den Leuten hinterherlaufen. Da hab ich überhaupt gar keinen Bock drauf.

Dann lieber wieder einen Wiesnhit landen?
Och, der Wiesnhit muss gar nicht sein. Ich hab 2008 das Lied "Zehn Meter geh'" über Heidi Klum geschrieben, weil mich das Modelgetue so genervt hat. Als der Song im Radio lief, kamen ganz viele Anrufe. Und dann wurde er zum Wiesnhit. Ich wurde auch eingeladen, das Lied am Ballermann und im ZDF-Fernsehgarten zu spielen. Aber vier Minuten Playback - das will ich nicht.

Zu wenig spontan?
Nein, aber ich will eben nicht nur Lieder zum Mitklatschen machen, da könnt ich auch "Humba Täterä" singen. Mir geht es eher um Pointen und nicht um den Après-Ski-Hasen-Wahnsinn. Ein Wiesnhit war nie mein Ziel, aber natürlich ist es schön, wenn die Damen vor dem Wiesnklo singen: "Zehn Meter steh'" (lacht). Das ist schon lustig. Das, find' ich, passt dann auch. Ich möchte ja nicht der Hofnarr sein, der vor Politikern am Nockherberg spielt, sondern der Volksnarr!


Hinweis
Eine Audiodatei des Gesprächs mit "Jogi Löw" finden Sie hier:
Dateiname : Chris Boettche als Jogi Löw im Gespräch
Dateigröße : 285.33 KBytes.
Datum : 17.02.2012 13:35
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