Sonnefeld
Bürgerversammlung

Lob gab es nicht in der Bürgerversammlung in Sonnefeld

Sonnefelds Einwohnerzahl sinkt beständig, dennoch muss die Gemeinde teure Infrastruktur- und Versorgungsprojekte bezahlen. Hinzu kommen Zukunftssorgen wie die geplanten Stromtrassen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Andreas Bauersachs hatte fragen zur neuen Nutzung des früheren Baywa-Areals. Foto: Klaus Oelzner
Andreas Bauersachs hatte fragen zur neuen Nutzung des früheren Baywa-Areals. Foto: Klaus Oelzner
Sehr zurückhaltend waren die Besucher der ersten Bürgerversammlung in der Schulturnhalle, als Bürgermeister Michael Keilich (CSU) zur Diskussion mit Fragerunde, Wunschäußerungen und möglichem Lob aufrief. Während Lob nicht zum Ausdruck kam, waren lediglich drei Wortmeldungen zu verzeichnen.


Finanzen sind geordnet

Die Finanzlage Sonnefelds präsentiert sich trotz Millionenaufwand für das Großprojekt Umbau der früheren Staatsdomäne in eine Veranstaltungshalle in gesunder Verfassung. Im laufenden Haushaltsjahr 2015 hat die Gemeinde Aufwendungen in Höhe von 2,37 Millionen Euro vorgesehen. Den Betrag will Sonnefeld aus ordentlichen Haushaltsmitteln schultern, ohne Fremdmittel in Anspruch zu nehmen. 1,46 Millionen sind bislang als Zuwendungen aus überregionalen Finanztöpfen zugesagt. Erst nach Abrechnung aller Maßnahmen und Inbetriebnahme des Hallenprojektes ist eine Schlussabrechnung über den Gesamtaufwand möglich.
Diese Zahlen legte Kämmerer Heiko Lech während der Bürgerversammlung in der Schulturnhalle vor. Insgesamt sind im laufenden Gemeindehaushalt 7,8 Millionen Euro zu verwalten, wobei die Gewerbesteuer mit 3,2 Millionen den größten Einnahmeposten darstellt und weitere drei Millionen aus dem Finanzausgleich erwartet werden.

Sonnefelds Pro-Kopf-Steuerkraft ist mit 945 Euro (bayerischer Landesdurchschnitt 620 Euro) errechnet. Bereits im neunten Jahr wird auf Kreditaufnahmen verzichtet, "sodass sich der Schuldenstand seit 2003 trotz Rücklagenzuführungen über dem Pflichtbetrag auf heute 4,6 Millionen nahezu halbiert präsentiert", stellte der Kämmerer erfreut fest.

Für den Fachbereich Hauptverwaltung legte Stefan Markus die Einwohnerstatistik vor. Die Einwohnerzahl sinkt. Es gab 19 Eheschließungen, und 55 Sterbefällen stehen nur 19 Geburten gegenüber. 270 Menschen sind aus der Gemeinde weggezogen und nur 250 sind zugezogen. "Immer weniger Einwohner werden immer älter", sagte Markus. Aktuell hat Sonnefeld 4875 Einwohner. Obwohl Sonnefeld für Ansiedlungsförderung in vier Jahren 560 000 Euro aufwenden musste, ist der Bevölkerungsrückgang offenbar nicht aufzuhalten.
Einen Überblick über die kommunalen Baumaßnahmen - natürlich mit dem Schwerpunkt Domäne - verschaffte Stefan Dümmlein den Bürgern. Dümmlein hatte im Jahreslauf die Leitung des Bauamts übernommen. Was ist geplant? Dazu zählen die Vorbereitung zur Erschließung des Baugebiets Dorfberg, die Restaurierung der Friedhofsmauer Sonnefeld, die Erneuerung des Dorfbrunnens Weickenbach und die Sanierung des ehemaligen Schulhauses Neuses am Brand. Für 2016 kündigte Dümmlein den Grundausbau der Thüringer-/Bieberbacher Straße, die energetische Sanierung gemeindeeigener Wohngebäude sowie die Erschließung des Neubaugebiets "Stierwiese" in Gestungshausen an.


Wasserversorgung sichern

Bürgermeister Michael Keilich ging auf die dringend erforderliche Sicherung der Trinkwasserversorgung ein. Mikrobiologische Verunreinigungen im Bereich Wörlsdorf/Hassenberg wirkten sich seit Jahresmitte negativ aus, wobei die Ursache trotz vielfältiger Maßnahmen in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Coburg nicht mit Sicherheit gefunden/beseitigt werden konnte. Als Ersatz für die "in die Jahre gekommene autarke Anlage" wurde per Krisensitzung eine vorübergehende Versorgungssicherheit der Ortsteile im Steintal über das Versorgungsgebiet Mitwitz/Steinach vereinbart. Vom Gemeinderat noch zu behandelnde alternative Planspiele sehen alternativ sowohl die Sanierung bestehender Einrichtungen als auch den Neubau eines Hochbehälters im Bereich Weinberg Gestungshausen mit kilometerlangen Verbindungsleitungen vor.
Beide Variationen sind mit Millionenaufwand verbunden. Nach Realisierung wird nicht nur mit erhöhter Versorgungssicherheit, sondern auch langfristigen Einsparungen bei Betriebskosten und möglicher Auflösung bestehender Wasserlieferungsverträge mit Ebersdorf (für Bieberbach, Weickenbach, Zedersdorf), Neustadt (für Oberwasungen) und Schneckenlohe (für Neuses am Brand) gerechnet.
Mit der Realisierung ist die Frage verbunden, wie der Millionenaufwand geschafft werden kann. Bei angenommener Nutzungsdauer von 50 Jahren und Berücksichtigung auflaufender Kreditzinsen könnte sich eine Anhebung des Wasserpreises für alle Verbraucher um zehn Cent auf 1,36 Euro pro entnommenem Kubikmeter ergeben. Alternativ steht die Belastung der Grundstückseigentümer mit Verbesserungsbeiträgen von bis zu 500 Euro im Raum. Über weitere Schritte muss der Gemeinderat in einer seiner nächsten Sitzungen entscheiden.


Keine weiteren Stromtrassen

Ausführlich informierte der Bürgermeister über kürzlich bekannt gewordene Planungen für eine weitere von der Bundesregierung für notwendig erachtete Höchstspannungsleitung durch das Coburger Land, von der der Gemeindebereich Sonnefeld betroffen wäre. Zusätzlich zur Bahnstromleitung (seit den 1920er-Jahren) und der vor ihrer Fertigstellung stehenden 380-kV-Trasse nach Redwitz würden weitere Stahlmasten das Landschaftsbild verschandeln. Dabei wären gesetzlich fixierte Abstandsflächen zu Wohngebieten nicht mehr einzuhalten.
Dagegen, so Keilich, müsste sich bei Politikern und Bevölkerung - wie beim kürzlichen Protestmarsch in Rödental - stärkster Widerstand regen. "Bitte bleibt am Ball", gab er den Besuchern mit auf den Weg und forderte sie zum Widerspruch gegen diese Pläne auf.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren