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Coburg
Gericht

Linda-Prozess: Jerry fühlte sich provoziert

Am Montag hat der Angeklagte im Mordfall Linda neue Angaben zum Tathergang gemacht. Demnach kam es noch beim Sex zum Streit - und dann zum Totschlag.
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Der Angeklagte und mutmaßliche Mörder Linds, Jerry J. Foto: dpa
Auch nach dem sechsten Verhandlungstag im "Linda-Prozess" bleiben offene Fragen. Der wegen Totschlags angeklagte Jerry J. korrigierte vor dem Landgericht Coburg allerdings ein paar seiner bisherigen Angaben, was den genauen Tathergang betrifft.

Karsten Schieseck, der Rechtsanwalt von Jerry J. verlas eine mehrere Seiten lange Erklärung seines Mandanten. Demnach habe der heute 21-Jährige im April 2011 noch während des Geschlechtsverkehrs mit der 16-jährigen Linda H. ein "schlechtes Gewissen" bekommen, und zwar gegenüber seiner damaligen Freundin. Sein Glied sei daraufhin erschlafft und er habe - noch ehe es zu einem Samenerguss kam - den Geschlechtsverkehr abgebrochen.

Linda H., so die Schilderung von Jerry J. in seiner Erklärung, habe ihm daraufhin "Vorhaltungen" gemacht und versucht, ihn doch noch zum Weitermachen zu animieren. Dann sei es zu "Beleidigungen sexuellen Inhalts" gekommen. Sie habe ihn provoziert und unter anderem auch als "Schlappschwanz" beschimpft. Er, so habe ihm Linda vorgeworfen, sei "nicht in der Lage, mit einem Mädchen zu schlafen".


Gutachter: Täter leidet unter sexuellen Problemen



Jerry, der laut Bericht eines Gutachters ohnehin unter sexuellen Problemen leidet, sei daraufhin zornig geworden. Er wollte, so teilte er in der Erklärung mit, dass Linda sofort seine Wohnung verlässt. Denn seine Wohnung, das wurde im späteren Verhandlungsverlauf nochmals bestätigt, sei für Jerry J. stets ein ganz besonders wichtiger Rückzugsort gewesen.

Offenbar muss es an jenem Abend im April 2011 sehr schnell gegangen sein: Linda H. schaffte es nicht mehr, sich ihre Hose wieder richtig anzuziehen, da wurde sie bereits von Jerry J. in Richtung Ausgang geschubst. Auf dem Weg dorthin gelang es dem Mädchen, nach einem Hammer zu greifen. Jerry wiederum schaffte es aber, ihr den Hammer wegzunehmen. Die beiden stürzten dann zu Boden, und Jerry schlug mit dem Hammer auf Lindas Kopf. Dann griff Jerry noch zu einem Klappmesser und stach "planlos und ohne Ziel" auf sein Opfer ein. Jerry J. schloss seine Erklärung mit der Bitte um pädagogische und therapeutische Hilfe.

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 8. März, 8.30 Uhr, mit den Plädoyers fortgesetzt. Das Urteil soll am Donnerstag, 15. März, 16 Uhr, verkündet werden.

Mehr dazu lesen Sie am Dienstag im Coburger Tageblatt (Printausgabe) und im Laufe des Abends auf infranken.de
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