Der zweite Verhandlungstag im "Linda-Prozess" begann mit einer kräftigen Medienschelte durch den Vorsitzenden Richter Gerhard Amend: Eine Boulevardzeitung hatte - entgegen aller Absprachen sowie Gepflogenheiten - ein Foto des Angeklagten veröffentlicht, auf dem dessen Gesicht nicht unkenntlich gemacht worden ist.

Im weiteren Verlauf der Sitzung gab es dann gleich mehrere Unterbrechungen: Jerry J. wirkt gesundheitlich stark angeschlagen. Aus der Justizvollzugsanstalt in Kronach, in der er seit den Vorkommnissen im April 2011 einsitzt, müssen Medikamente herbeigeholt werden. Es bleibt abzuwarten, ob der 21-Jährige erneut eine solche Mammutsitzung wie am Mittwoch durchsteht oder seine Verteidigung auf "Verhandlungsunfähigkeit" plädiert. Am Mittwoch wurde elf Stunden lang im Coburger Landgericht getagt.

Mit Spannung werden am heutigen zweiten Verhandlungstag eigentlich vor allem die Aussagen von zwei weiteren Zeugen erwartet. So soll am Vormittag die Freundin des Angeklagten gehört werden. Jerry war mit ihr seit Sommer 2010 zusammen. Trotzdem nahm der damals 20-Jährige dann im April 2011 Kontakt zur 16-jährigen Linda auf. Bereits wenige Stunden nach einem ersten Treffen schliefen die beiden miteinander.

Nachdem es zum Streit gekommen war, tötete Jerry das Mädchen. Nachdem er die Leiche im Kofferraum seines Autos versteckt hatte, fuhr er noch am selben Abend mit dem Auto seiner Mutter zu seiner eigentlichen Freundin, die nun heute im Prozess gehört wird.

Ebenfalls aussagen soll eine Freundin von Linda, die beim ersten Treffen von Linda und Jerry am späten Nachmittag des 8. April 2011 mit dabei war. Am Abend desselben Tages folgte dann noch ein zweites Treffen nur von Linda und Jerry, bei dem es nach dem Geschlechtsverkehr zum Tötungsdelikt kam.

Insgesamt sind im "Linda-Prozess" 55 Zeugen geladen. Doch der ehrgeizige Zeitplan, der eine Urteilsverkündung bereits für den morgigen Freitag vorsah, ist bereits am ersten Verhandlungstag gehörig durcheinander geraten. Auch durch die mehreren Unterbrechungen am Donnerstagvormittag waren natürlich nicht einkalkuliert. Derzeit sieht es so aus, als ob es in der nächsten Woche mindestens noch zwei weitere Verhandlungstage geben könnte.

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