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Beiersdorf bei Coburg
Mordprozess

Liebevoller Vater und Ehemann

Die Tochter und die Ex-Frau von Wolfgang R. beschreiben den 66-Jährigen als besonnenen und sanften Menschen. In der Zeit vor seinem Tod habe er sich aber stark verändert.
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Laut der Aussage der Tochter des Getöteten soll sich Wolfgang R. stark verändert haben, nachdem er mit Maria S. (Mitte) zusammenkam. Die 42-Jährige ist des Mordes angeklagt.  Foto: Ronald Rinklef
Laut der Aussage der Tochter des Getöteten soll sich Wolfgang R. stark verändert haben, nachdem er mit Maria S. (Mitte) zusammenkam. Die 42-Jährige ist des Mordes angeklagt. Foto: Ronald Rinklef
Am vierten Prozesstag um den mutmaßlichen Auftragsmord an Wolfgang R. haben Zeugen aus dem direkten Umfeld des Opfers den 66-Jährigen als liebevollen Menschen beschrieben. Die Tochter des Getöteten sagte, ihr Vater sei nie aggressiv oder aufbrausend gewesen. "Nur ab und zu gab es mal eine zynische Bemerkung." Das Verhältnis zu ihrem leiblichen Vater, den sie erst mit 15 Jahren kennen gelernt hatte, beschrieb die Zeugin als "super". Man sei auch zusammen in den Urlaub gefahren.


Foto von der neuen Freundin
Im Laufe der Zeit habe sie auch einiges über das Liebesleben ihres Vaters erfahren. "Ich kannte alle seine Frauen. Er hat sie unterstützt und geliebt." Über die Angeklagte Maria S. könne sie aber nicht allzu viel sagen. "Als er mal bei mir zu Hause war, hat er mir ein Foto von ihr gezeigt."

Im Laufe der Zeit soll sich Wolfgang R. aber stark verändert haben.
"Vor ihr war er anders. Auch optisch habe ich ihn nicht wiedererkannt." Auch Freunde hätten sie gefragt, was denn mit ihrem Vater los sei. "Das war nicht mehr mein Papa", sagte die Coburgerin, die vor Gericht anfangs ihre Adresse nicht preisgeben wollte, weil sie sich bedroht fühlt. Vorsitzender Richter Gerhard Amend beharrte aber darauf. "Das müssen sie hier vor Gericht. Ihre Angst ist absolut unbegründet."

Die Zeugin berichtete zudem, dass sie knapp eineinhalb Wochen vor der Tat das letzte Mal mit ihrem Vater telefoniert hatte. "Er sagte zu mir: Deinem Papa geht es gar nicht gut. Ich bin froh, wenn sie endlich aus dem Haus ist." Er habe ihr gegenüber zudem geäußert, dass er gerne verreisen würde, aber kein Geld mehr habe. "Ich hatte den Eindruck, dass er Angst hat, dass ihm etwas passiert."

Die Ex-Frau des Getöteten beschrieb den 66-Jährigen ebenfalls als liebevollen Menschen. "Er war meine große Jugendliebe. Wir hatten eine harmonische Ehe. Als er sich von mir getrennt hat, war das sehr schmerzhaft." Im Orchester des Landestheaters habe er immer "mit Herzblut" Tuba und Bass gespielt. Von der Angeklagten habe auch sie wenig erfahren. Nur ein Mal habe sie Maria S. in deren Kneipe "Clou" in der Coburger Innenstadt getroffen. "Ich habe mich da auch nicht eingemischt", so die Zeugin, die ihren Mann das letzte Mal im September 2013 bei einem gemeinsamen Zahnarztbesuch gesehen hatte.


Angeklagte haben Schulden
Am vierten Verhandlungstag kam außerdem ein Kriminalhauptkommissar zu Wort, der die Kontobewegungen und Vermögensverhältnisse des Opfers und der Angeklagten ausgewertet hatte. Demnach hatte Wolfgang R. zum Zeitpunkt seines Todes einen hohen Darlehensbetrag zu bedienen gehabt. Sein Privatkonto stand mit 5000 Euro im Soll.

Aus Tagebuch-Einträgen gehe darüber hinaus hervor, dass Wolfgang R. seiner damaligen Lebensgefährtin Maria S. etwa 20 000 Euro geliehen hatte. "Er hat die Angeklagte immer unterstützt. So lange bis er kein Geld mehr hatte", so der Zeuge.

Für die Kneipe, die die Angeklagte Maria S. betrieben hatte, existierten zwei Geschäftskonten mit wenig Guthaben. Aus Aufzeichnungen geht hervor, dass die Kneipe im Oktober 2013 ein Defizit von 12 000 Euro erwirtschaftet hatte.

Die beiden mutmaßlichen Täter haben Schulden. Peter G. hat ein Minus von 38 000 Euro angehäuft, bei seinem mutmaßlichen Komplizen Paul K. steht ein fünfstelliger Betrag für einen Gebrauchtwagen aus. Zudem, so der Polizeibeamte, habe der 23-Jährige seinen Dispo immer komplett ausgeschöpft.

Die ehemalige Lebensgefährtin von Wolfgang R., die 42-jährige Maria S., soll zwei Männer aus der Rockerszene engagiert haben, um ihren Lebensgefährten zu töten. Ihr Noch-Ehemann, der 57-jährige Erhard S., soll die Tat mit geplant haben. Die Tatverdächtigen, Peter G. und Paul K., sollen Wolfgang R. in seinem Wohnhaus in Coburg-Beiersdorf in der Nacht zum 12. Dezember 2013 mit massiven Schlägen und Tritten gegen Kopf und Oberkörper traktiert haben. Unter anderem wurden Kehlkopf und Zungenbein zertrümmert. Das Opfer erstickte an seinem eigenen Blut.

Der Mordprozess wird am Donnerstag, 11. Dezember, um 9 Uhr fortgesetzt. Dann werden die restlichen der insgesamt über 100 Zeugen und die Sachverständigen gehört. Die Plädoyers und das Urteil sind für Donnerstag, 18. Dezember, geplant.
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