Coburg
Preisverleihung

Leicht lernen mit viel Gewicht

Grund zum Feiern im Kinderhaus: 1000 Euro Preisgeld erhielt das Caritas-Kinderhaus Leo gestern von der Initiative "Energie für Bildung" aus Stuttgart.
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Ganz konzentriert experimentieren die Kinder an der Akustik-Station mit den Instrumenten.  Fotos: Nelly Ritz
Ganz konzentriert experimentieren die Kinder an der Akustik-Station mit den Instrumenten. Fotos: Nelly Ritz
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"Erzähle mir etwas und ich vergesse es. Zeige mir etwas und ich erinnere mich. Beziehe mich mit ein und ich verstehe es", erklärt Angela Grether, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit bei Gasversorgung Süddeutschland, das Prinzip des nun ausgezeichneten Projekts "Abenteuer Physik - erleben & verstehen" des Caritas-Kinderhauses Leo.
Das Prinzip macht es vor, die Kinder machen es nach. Voller Begeisterung und Neugier verteilen sich die Kleinen auf die verschiedenen Stationen, die im Rahmen des Projekts vom Kinderhaus aufgebaut wurden und betreut werden. "Ich mag den Flaschenzug am liebsten", ruft ein Junge und eilt zur Betreuerin an die Station.


Flaschenzug und Kugelbahn

Dort steht gerade die kleine Maja mit verbundenen Augen, die nur anhand des Ziehens am Flaschenzug schätzen muss, was sich in dem daran hängenden Beutel befindet. "Das geht ganz leicht ziehen.
Das sind bestimmt die Tierfiguren", rätselt sie. Dann die Erkenntnis, staunende Augen in Majas Gesicht: Es ist der Sack voller Sand, der normalerweise viel schwerer ist. "Mit einem Flaschenzug kann man selbst Dinge ziehen, die ganz viel wiegen", meldet sich der kleine Jakob zu Wort. Stolz ist aus seiner Stimme herauszuhören, er hat heute schon viel gelernt.
Doch nicht nur am Flaschenzug können die Kinder ausprobieren und forschen. Eine Kugelbahn soll den Kleinen das Prinzip der Schwerkraft und Energie näher bringen, im "Dunkelzimmer" erfahren sie, wie Licht, Schatten und Optik funktionieren, und an der Akustik-Station werden sie selbst zu Musikproduzenten. "Es ist wirklich spannend zu sehen, wie die Kinder experimentieren und Sachverhalte selbst feststellen", sagt Erzieherin Julia Stüllein.
So werde Physik für die Heranwachsenden ein Spiel, in dem zugleich der Grundstein für ein späteres potenzielles Interesse und Verständnis für Naturwissenschaften und Technik gelegt werde, versichert Leo-Einrichtungsleiterin Stephy Beck. "Dabei geht es nicht nur um feinmotorische Erfahrungen. Der ganze Körper soll mit einbezogen werden, wie zum Beispiel auf der Kugelbahn oder beim Flaschenzug."
Erst frisch eingeweiht wurde dieser am gestrigen Donnerstag, direkt nach der Preisverleihung von 1000 Euro, die von der Gasversorgung Süddeutschland im Rahmen der Initiative "Energie für Bildung" gesponsert wurden.


Anerkennung für Frühförderung

Mit den Auszeichnungen, die einmal im Monat in Form eines Preisgeldes vergeben werden, will der Gaskonzern fortschrittliche und nachhaltige Projekte zur Nachwuchsförderung im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich anerkennen. "Natürlich hoffen wir damit auch auf guten Nachwuchs, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen", gibt Angela Grether zu.
Und die Weichen dafür würden eben schon im Kleinkindalter gestellt. Daher wurde die Altersangabe der Initiative vor einigen Jahren vom Schulkind- auf das Kindergartenalter heruntergesetzt. Umso mehr freuen sich die Vorsitzenden des Caritasverbandes Hermann Beckering und Dekan Roland Huth, dass das Projekt des Kinderhauses Leo nun von "Energie für Bildung" gewürdigt wurde und sich gegen zirka 100 eingereichte Bewerbungen durchsetzen konnte. "Das ist eine tolle Anerkennung, vielen Dank dafür", sagt der Vorsitzende.
Angela Grether weiß, dass es für die Jury keine leichte Entscheidung war. "Uns ist unter anderem der nachhaltige Ansatz, aber auch die Mädchenförderung wichtig." Besonders überzeugt habe die Jury aber an diesem Projekt, dass die Kinder selbst Interesse zeigen und erfahren und verstehen wollen. "Das lernende Forschen und das forschende Lernen", bringt die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des Gaskonzerns es auf den Punkt.
"Und wer will als nächstes den Flaschenzug ausprobieren?", fragt die Erzieherin ihre Schützlinge. Fünf Finger schnellen nach oben, einer höher als der andere. Jakob ist der Auserwählte, der nun die Augen verbunden bekommt und am Seil ziehend das Prinzip der Mechanik erfahren darf. "Das ist Sand", vermutet er und blinzelt schließlich neugierig unter der Augenbinde hervor. Ob er wohl richtig lag?

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