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Coburg
Prozess

Leiche am Coburger Lauter-Ufer: Schuldspruch nach spätem Geständnis

In den 90er-Jahren wird ein Obdachloser in Coburg getötet. Weil einen der Täter sein Gewissen plagt, wird der Fall doch noch aufgeklärt. Nun ist das Urteil gefallen.
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Zwischen den Bäumen unweit der Stadtautobahn hatten vier Jugendliche Mitte der 90er-Jahre den getöteten Obdachlosen vergraben. Nach dem Hinweis eines Tatbeteiligten bargen Spezialisten im Februar 2014 das Skelett des Mannes. Foto: Tageblatt-Archiv/Ulrike Nauer
Zwischen den Bäumen unweit der Stadtautobahn hatten vier Jugendliche Mitte der 90er-Jahre den getöteten Obdachlosen vergraben. Nach dem Hinweis eines Tatbeteiligten bargen Spezialisten im Februar 2014 das Skelett des Mannes. Foto: Tageblatt-Archiv/Ulrike Nauer
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Ein Obdachloser, der unterhalb einer Brücke getötet wird. Ein spätes Geständnis und ein Leichenfund knapp 20 Jahre später: Sein allerletzter Prozess war für Richter Gerhard Amend noch mal ein überaus komplizierter Fall. "Ein schwieriges Verfahren. Wir haben uns seitens der Kammer hinsichtlich des Strafmaßes sehr lange Gedanken gemacht", so der Vorsitzende Richter am Landgericht Coburg, der Ende November in den Ruhestand geht.

Letztlich verurteilte die Kammer zwei Männer aus dem Raum Coburg am Montag zu einer Jugendstrafe von jeweils zwei Jahren auf Bewährung. Mit zwei Freunden hatten die damals 15- und 16-Jährigen in den 90er-Jahren einen Obdachlosen zu Tode geprügelt und beerdigt. Nur weil einen der Täter sein Gewissen plagte, wurden die Überreste der Leiche fast 20 Jahre später ausgegraben und der Fall doch noch aufgeklärt.


Tritt in den Rücken

Woran genau der 1956 geborene Obdachlose, der laut Amend damals "zum Coburger Stadtbild" gehörte, verstarb, konnte in dem Verfahren nicht eindeutig rekonstruiert werden. Der Tathergang hingegen schon: Demnach sind vier Jugendliche zwischen November 1996 und Februar 1997 auf dem Nachhauseweg, als sie unterhalb der Bahnunterführung an der Callenberger Straße auf ihr Opfer treffen. Man kommt ins Gespräch, dann eskaliert die Situation. "Es kam zu einem Streit und zu Misshandlungen", so Amend in seiner Urteilsbegründung.

Der Streit verlagert sich unter eine Brücke, etwa 150 Meter entfernt. Dort wird das spätere Opfer unter anderem auch in den Rücken getreten. Der Mann geht zu Boden, die Jugendlichen flüchten. Eine Tag später kommt einer der Täter zurück und entdeckt den leblosen Körper. Die Teenager treffen sich erneut und vergraben die Leiche neben der Stadtautobahn zwischen den Bäumen.

Fast 20 Jahre später, im Februar 2014, erscheint einer der Täter dann bei der Polizei und berichtet von dem Verbrechen. Sein Gewissen plagt ihn. Die Staatsanwaltschaft zweifelt zunächst an der ungewöhnlichen Geschichte des Mannes. Als vor Ort aber sterbliche Überreste entdeckt werden, wird ermittelt. Eine DNA-Analyse bringt im August 2014 die Gewissheit, dass es sich bei dem Toten um einen 1956 geborenen Obdachlosen handelt.


Kein Vorsatz

Dessen Verschwinden war zum damaligen Zeitpunkt keinem aufgefallen. "Es gab keine Vermisstenmeldung", sagt Amend. Im Zuge der Ermittlungen wurde die Nichte des Toten ausfindig gemacht. Diese hatte den Verwandten zuletzt an Weihnachten 1994 gesehen.

Wer letztlich für den Tritt in den Rücken verantwortlich ist, kann in dem Verfahren nicht eindeutig geklärt werden. Fest steht für die Kammer aber, dass der Tod seitens der Jugendlichen fahrlässig herbeigeführt wurde. "Sie wussten, dass er sterben kann, wenn sie ihn dort liegen lassen." Ein Vorsatz habe man aber nicht nachweisen können. "Wir wissen, dass das Opfer aufgrund des Angriffs zu Tode gekommen ist. Viel mehr wissen wir heute über den Tatzeitpunkt nicht. Deshalb scheidet aus unserer Sicht das Motiv des versuchten Mordes aus."
Weil die beiden Männer zum Tatzeitpunkt 15 beziehungsweise 16 Jahre alt sind, werden sie nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Die zweijährige Bewährungsstrafe setzt sich laut Amend aufgrund mehrerer Umstände zusammen: das jugendliche Alter der Angeklagten und deren Alkoholisierung zum Tatzeitpunkt, der vermutlich schlechte Gesundheitszustand des Opfers und die Tathandlung an sich. Zudem spreche eine günstige Sozialprognose für die erwachsenen Männer. "Straftaten sind nicht zu erwarten."

Der gesamte Prozess fand hinter verschlossenen Türen statt, da die beiden Männer zum Tatzeitpunkt noch Jugendliche waren. Auch war nicht sicher, ob das Urteil öffentlich verkündet wird. Letztlich entschied Richter Amend, dass jeweils ein Vertreter örtlicher Medien zur Verkündung des Urteils zugelassen wird. Film- und Fotoaufnahmen waren nicht gestattet.


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