Coburg
Musica Mauritiana

Lebendiger Blick auf Max Reger in St. Moriz

So setzte Matthias Neumann in Coburg die Musik des aus der Oberpfalz stammenden Komponisten in Bezug zu Johann Sebastian Bach und Arnold Schönberg.
Artikel drucken Artikel einbetten
Matthias Neumann gastierte an der Schuke-Orgel der Coburger Morizkirche. Foto: Jochen Berger
Matthias Neumann gastierte an der Schuke-Orgel der Coburger Morizkirche. Foto: Jochen Berger
+3 Bilder
Von Kennern geschätzt und bewundert, von der breiten Masse der Musikfans aber bis heute nicht übermäßig geliebt - so lässt sich das Schicksal der Musik Max Regers beschreiben. Wird sich daran durch jene Konzerte, Veranstaltungen und CD-Veröffentlichungen etwas ändern, die im 100. Todesjahr an Reger erinnern? Reichlich Gelegenheit, Max Regers Werke zu hören und zugleich über ihre Rezeptionsgeschichte zu sinnieren, bietet derzeit der Coburger Reger-Herbst in der Morizkirche.


Virtuoser Interpret

Für das zweite Konzert der Reihe hatte der in Hamburg und Bayreuth lehrende junge Orgelprofessor Matthias Neumann ein sehr interessantes Programm zusammen gestellt, das den Reichtum und die Probleme von Regers Musik hörbar machte und zugleich sehr aufschlussreich einbettete in eine klug konzipierte Vortragsfolge. Variationen - das war das verbindende formale Thema von Neumanns Werkauswahl.


Zum Auftakt: Johann Sebastian Bachs Passacaglia und Fuge c-Moll. Schon hier erwies sich Neumann bei seinem Coburg-Gastspiel im Rahmen der Musica Mauritiana als technisch jederzeit mühelos souverän agierender Organist, der seine Virtuosität freilich nie als Selbstzweck vorführte, sondern stets als Mittel eines klaren und durchdachten gestalterischen Konzepts einsetzte.


Klar in den Konturen

Bei Bachs Passacaglia samt zugehöriger Fuge setzte Neumann bewusst auf Einheit in der Vielfalt, achtete auf großbögige Gestaltung und band die einzelnen Variation immer in den großen formalen Zusammenhang ein. Kraftvoll und klar in den Konturen - so klang Neumanns Bachs.


Während der Organist bei Bach auf eine einheitliche Registrierung setzte, fächerte er Max Regers Introduktion, Variationen und Fuge in fis-Moll klanglich bis in die feinsten Verästelungen auf. Beeindruckend, wie Matthias Neumann in Regers üppig wucherndem Stimmengeflecht stets die Übersicht bewahrte und trotz aller Vielfalt im Detail auch die großen formalen Zusammenhänge des etwa halbstündigen Werkes im Blick behielt bis hin zum wuchtig registrierten triumphalen Ausklang.


Spannend dann der Abschluss mit Arnold Schönbergs Variationen über ein Rezitativ. Schönberg und Reger - wenig scheint beide Komponisten zu verbinden, obwohl sie doch Zeitgenossen waren: Reger wurde 1873 in Brand in der Oberpfalz, Schönberg 1874 in Wien geboren.


Motivisch verdichtet

Während die Orgel in Regers Schaffen eine ganz zentrale Rolle spielt, kommt sie bei Schönberg nur am Rande vor. Dennoch sind Schönbergs Variationen von 1940 sehr instrumentengerecht geschrieben. Wo bei Reger wuchernde Fülle hörbar wird, setzt Schönberg auf Konzentration und motivische Verdichtung ohne rankendes Beiwerk.


Spannende Interpretation

Matthias Neumann gelang mit bemerkenswerter Gestaltungskraft eine überaus spannungsvolle, in den Konturen prägnante Deutung des anspruchsvollen Werkes.
Sein verdienter Lohn: bemerkenswert ausdauernder Beifall der Zuhörer in der Coburger Morizkirche.



Der Coburger Reger-Herbst und seine Interpreten


Matthias Neumann, 1984 in Hamburg geboren, studierte Orgel in Hamburg, Wien und Berlin sowie Dirigieren in Hamburg. Neumann ist Bach-Preisträger der Stadt Leipzig 2012. Von Oktober 2009 bis September 2016 wirkte er als Kantor an St. Marien Fuhlsbüttel/Ohlsdorf. Seit Wintersemester 2012 ist er Professor für Orgel an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth. Seit dem Wintersemester 2016 lehrt er zusätzlich als Professor für Orgel an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Mittwoch, 26. Oktober Lankwitzer Vokalensemble - 19.30 Uhr, St. Moriz

Sonntag, 30. Oktober Peter Stenglein (Orgel) - 17 Uhr

Sonntag, 20. November
Reger "Hebbel-Requiem", Brahms "Ein deutsches Requiem" - Coburger Bachchor, Leitung: Peter Stenglein; 16 Uhr
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren