Coburg
Kinderbeauftragte

Lautsprecher für Kinder gesucht

Die Stelle Kinderbeauftragter ist in Coburg neu ausgeschrieben. Es gibt keine Altersbegrenzung mehr. Der Stadtrat entscheidet im Juli über die Neubesetzung.
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Foto: tan4ikk/fotolia.com
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Das Ehrenamt eines kommunalen Kinderbeauftragten ist seit knapp einem Jahr unbesetzt. Nach dem Rücktritt von Miriam Kranjec im Juni hat sich die Stadtverwaltung überlegt, die Ausschreibungskriterien zu überarbeiten. Unter anderem hatten die Jungen Coburger im Herbst beantragt, die Altersgrenzen aufzuheben. Jetzt wurde die neue Stellenbeschreibung veröffentlicht. Noch bis 15. Mai läuft die Bewerbungsfrist.
Dritter Bürgermeister Thomas Nowak und Amtsleiter Reinhold Ehl erläutern im Gespräch Hintergründe und das Anforderungsprofil.

Die neue Stellenbeschreibung für die/den Kinderbeauftragte/-n ist jetzt ausgearbeitet. Was hat sich geändert?
Thomas Nowak: Neu ist, dass es künftig keine Altersbegrenzung mehr gibt. Bisher hatten wir die Einschränkung, dass der oder die Kinderbeauftragte zwischen 25 und 50 Jahren alt sein sollte. Das wurde aufgehoben.

Was waren die konkreten Beweggründe dafür?
Reinhold Ehl: Es gibt eine neue gesetzliche Grundlage, nach der keine bestimmte Personengruppe ausgeschlossen sein darf. Wichtig ist, dass der Bewerber volljährig ist.
Nowak: (schmunzelnd): Im Hinblick darauf, dass die heute 60-Jährigen als die neuen 40-Jährigen bezeichnet werden ... Der Beschluss wurde im Stadtrat einstimmig gefasst. Den Antrag dazu stellten die Jungen Coburger.

Im Hinblick auf die Finanzsituation der Stadt und die Tatsache, dass Coburg jetzt auch ein Jahr lang ohne Kinderbeauftragte ausgekommen ist, wäre hier nicht Sparpotenzial gewesen?
Nowak: Nein. Die Aufwandsentschädigung ist relativ gering und liegt weit unter der der Stadträte. Wenn diese Kosten über die Zukunft der Stadt entscheiden würden, wäre das schlimm. Übrigens stand das auch nie zur Debatte und wurde in keiner der Sparrunden je diskutiert.

Was steht auf Ihrer Agenda ganz oben, wenn es um die Aufgaben der oder des Kinderbeauftragten geht?
Ehl: Uns ist eine gewisse Begeisterungsfähigkeit wichtig. Sich begeistern lassen und andere überzeugend mitreißen. Der oder die Neue sollte ein Lautsprecher, ein Anwalt der Kinder sein. Sich den Interessen der Jüngsten annehmen, ist eine der wichtigsten Aufgaben. Es geht darum, nicht nur den Gaul zu reiten, der einem selbst gefällt.
Die Kinder sollten immer eingebunden sein.

Aber der Kinderstadtrat liegt ja seit einiger Zeit auf Eis. Können Sie sich vorstellen, dass dieses Gremium wieder aktiviert wird? Oder ist das eher eine Kostenfrage?
Nowak: Es kommt immer darauf an. Der Kinderstadtrat ist eine Möglichkeit, sich die Sorgen, Nöte und Wünsche der Kinder anzuhören. Es ist ein Gremium, in dem Kinder ernst genommen werden und ihre Ideen einbringen können. Das finde ich wichtig. Ähnlich wie beim Runden Tisch Jugend müssen wir versuchen, die nachwachsende Generation in Entscheidungsprozesse einzubinden - davon lebt die Demokratie.
Aber Kinder müssen auch verstehen, dass sich nicht alles verwirklichen oder umsetzen lässt. Deshalb muss man ihnen erklären, dass bestimmte Kosten, aber auch gesetzliche Regeln nicht überschritten werden können.

Welche Eigenschaften sollte ein/eine Kinderbeauftragte/-r auf alle Fälle mitbringen?
Ehl: Kommunikativ sollte er oder sie sein - und gut zuhören können. Auch Selbstbewusstsein gehört natürlich dazu und ein gutes Gespür für Kinder. Die Begeisterungsfähigkeit habe ich ja schon genannt. Offen sein für die Belange der Kinder ist wichtig. Das kann nicht irgendjemand von der Straße sein.

Wie muss man sich die Zusammenarbeit mit der Verwaltung und Politik vorstellen? Sehen Sie die Person eher in der Vermittlerrolle oder in der des Anwalts der Kinder?
Ehl: Grundsätzlich ist die Funktion völlig autonom und weisungsunabhängig. Jeder darf eigene Schwerpunkte setzen. Die Verwaltung hat anfangs noch eine gewisse Lotsenfunktion. Also wie helfen weiter, wenn der richtige Ansprechpartner gesucht wird.
Aber natürlich darf man uns auch auf die Füße treten. Auch wir können manches noch besser machen. Ein Dienstweg muss nicht eingehalten werden.
Im Jugendhilfesenat hat der Kinderbeauftragte eine beratende Funktion. Ihm gegenüber muss er auch einmal im Jahr berichten.

Wann rechnen Sie damit, dass die Stelle neu besetzt wird? Und wie lange dauert die Amtszeit - bis zum Ende der Wahlperiode oder wird das Amt für die Dauer von sechs Jahren begleitet?
Nowak: Ich gehe davon aus, dass die Stelle zum 1. September wieder besetzt sein wird. Am 6. Juli trifft der Jugendhilfesenat eine Vorauswahl. Am 27. Juli entscheidet sich der Stadtrat - so jedenfalls ist es geplant. Im Amt bleibt der oder die Neue bis zum Ende der Wahlperiode, also Mai 2020. Bis dann ein Nachfolger gewählt ist, bleibt er jedoch kommissarisch tätig, und grundsätzlich gilt, dass er oder sie sich wieder neu bewerben kann.

Die Fragen stellte
Christiane Lehmann.


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