Coburg
Existenzgründer (1)

"Lasst euch nicht entmutigen"

Am 18. November findet die Existenzgründermesse CO:Existenz statt. Im Vorfeld stellen wir Existenzgründer vor.
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Sebastian Höhn bei der Arbeit Foto: pr
Sebastian Höhn bei der Arbeit Foto: pr
Sebastian Höhn ist gelernter Steinmetz und hat gerade seine eigene Firma gegründet. Im Interview erzählt er, worauf man achten muss.

infranken: Was machen Sie und wo sind Sie zu finden?
Sebastian Höhn: Mein Name ist Sebastian Höhn, 32 Jahre alt, Gründer und Inhaber der Firma Rock-Design, gelernter Steinmetz, Steinbildhauer und staatlich geprüfter Steintechniker. Mein Steinmetzbetrieb entsteht gerade in Unterlauter.
Im Prinzip kann ich alle Bereiche des Steinmetzhandwerks bedienen, will mich aber speziell auf den Möbel- und Accessoirebereich spezialisieren. Sprich Tische, Waschbecken, Lampen, exklusive Küchenarbeitsplatten, Duschtassen (und das dazugehörige Bad) selbst entwerfen und herstellen. Aber auch kleine Sachen wie Mörser, Kerzenhalter oder Hochzeitsgeschenke sind denkbar - denn selbst aus dem kleinsten Abschnitt kann man noch ein kleines Kunstwerk zaubern. Das Ziel ist, möglichst abfallfrei zu arbeiten.
Natürlich bearbeite ich auch Kundenaufträge nach Wunsch. Am Liebsten wären mir natürlich Aufträge die absolut abgefahren sind, mit denen man sich tagelang auseinandersetzen muss, um auf eine kreative Lösung zu kommen. Dabei arbeite ich auch gern mit LEDs oder in Verbindung mit anderen Werkstoffen wie Metall, Holz oder Glas. Für diese kreativen Prozesse könnte ich mir auch sehr gut eine Zusammenarbeit mit Design- und Innenarchitekturstudenten der Hochschule Coburg vorstellen. Ich spiele mit dem Gedanken, Workshops zu veranstalten, um den angehenden Designern und Innenarchitekten den Werkstoff Naturstein etwas näher zu bringen, um gemeinsame Projekte zu entwickeln und umzusetzen. Hier kann für beide Seiten etwas sehr interessantes entstehen.

Wie passt Ihre Ausbildung zum gegründeten Geschäft?
Nachdem ich in einem zulassungspflichtigen Handwerk tätig bin, musste ich erst für zwei Jahre auf die Technikerschule in Wunsiedel. Durch meinen Abschluss als staatlich geprüfter Steintechniker in Verbindung mit dem Ablegen der Ausbildereignungsprüfung der HWK bin ich auf dem gleichen Stand wie ein Meister und somit berechtigt, einen Betrieb zu eröffnen und Lehrlinge auszubilden.
Wann haben Sie gegründet?
Momentan bin ich noch mitten im Gründungsprozess. Eigentlich habe ich mich kurz nach dem Abschluss der Technikerschule im September letzten Jahres bereits mit dem Thema Selbstständigkeit befasst und arbeite seitdem an meinem großen Ziel. Der Prozess hat dann allerdings doch länger gedauert als gedacht.

Was waren die Gründe für die Existenzgründung? Wie kam es zur Gründung? Wie lange hat gedauert?
Der Wunsch, mich selbstständig zu machen, entstand bereits am Anfang der Technikerausbildung. Mit dem Gedanken gespielt habe ich also schon länger. Während meiner zweijährigen Ausbildung hatte immer mehr Ideen für neue Produkte, die den Leuten gefallen könnten. Dazu hatte ich stets den bohrenden Gedanken im Hinterkopf, dass ich den Schritt in die Selbstständigkeit wohl nie wagen werde, wenn ich es nicht direkt nach der Ausbildung in Angriff nehme. Ich konnte mich mit dem Gedanken nicht anfreunden, mir irgendwann vorzuwerfen, es nicht wenigstens versucht zu haben, mein eigener Chef zu sein.

War oder ist Coburg ein guter Standort zum Gründen?
Als ich angefangen habe, mich intensiv mit der Gründung zu beschäftigen, wollte ich es erstmal auf eigene Faust versuchen, sprich Businessplan usw. komplett selbst schreiben. Leider bin ich, was die Zahlen also Liquiditätsplanung und Rentabilitätsplanung angeht, recht schnell an meine Grenzen gestoßen. Ohne externe Hilfe fällt es eben doch schwer, plausible Planungen zu erstellen - besonders wenn es die Geschäftsidee in dieser Form noch nicht gibt.
Aber bei der Handwerkskammer Coburg habe ich Hilfe gefunden. Herr Herrmann, Berater für Existenzgründungen, hat mir diesbezüglich extrem weitergeholfen. Auch die Zusammenarbeit mit meiner Hausbank hat super funktioniert.
Aus meiner Sicht ist Coburg der perfekte Standort für mein Vorhaben. Zum einen bin ich gebürtiger Coburger, es ist also meine Heimat und ich hatte nie Ambitionen, meiner Stadt den Rücken zu kehren. Zudem sind die Coburger offen für neue Produkte. Abgesehen davon kann man dank der Digitalisierung seine Produkte heute weltweit verkaufen. In Sachen Vertrieb spielt der Standort demnach keine große Rolle mehr.

Was macht eine erfolgreiche Gründung aus?
Planung, Vorbereitung, Flexibilität, Improvisation, genau das. Und vor allem ausreichend Vorbereitungszeit. Die eigene Geschäftsidee kann man nicht von heute auf morgen umsetzen, man sollte sie genau planen und unbedingt mit den vielen Experten vor Ort besprechen. So erhält man viele nützliche Tipps, die einem bei der Gründung weiterhelfen, damit man das Risiko des Scheiterns minimieren kann.

Welche Dinge sollte man unbedingt beachten? Welche Dinge vergisst man am Anfang gerne mal?
Definitiv die Vorlaufzeit. Es dauert auf jeden Fall länger als geplant. Man sollte sich vorher informieren, was Maschinen, Werkzeug, Büromöbel, usw. kosten. Aber diese Einmalkosten sind gar nicht das größte Problem. Hinzu kommen ja noch laufende Kosten wie Miete für die Geschäftsräume und Nebenkosten, die Kosten für Berufsgenossenschaften, Krankenkassen, Versicherungen, usw. All diese Kosten sollte man im Blick haben, wenn man die Rentabilität des eigenen Geschäftsmodells überprüft.
Mein größtes Problem war jedoch das fehlende Eigenkapital. Aus diesem Grund musste ich auf ein Darlehen der KfW zurückgreifen. Durch die eingebaute Haftungsfreistellung wird das Ausfallrisiko für die Hausbank, bei der man ein solches Darlehen beantragen muss, reduziert. Dafür sollte man genügend Zeit einplanen. Trotz tatkräftiger Unterstützung der Hausbank wartete ich mehr als drei Monate auf eine Finanzierungsbestätigung. Das zehrt dann schon an den Nerven, wenn man jeden Tag auf den erlösenden Anruf wartet, der einem den Traum von der Selbstständigkeit erst ermöglicht.

Welche Fehler haben Sie bei der Gründung gemacht? Was sollten künftige Gründer auf keinen Fall tun?
Das wird erst die Zeit zeigen. Ich habe bestimmt so einige Fehler gemacht, die sind mir aber wahrscheinlich zum momentanen Zeitpunkt noch gar nicht bewusst.
Mein größter Fehler war sicherlich der Versuch, die Gründung auf eigene Faust zu starten. Da habe ich viel Zeit verschenkt. Nach einem wirklich aufschlussreichen Gespräch mit der Handwerkskammer ging es dann endlich vorwärts.
Wichtig ist auch ein kompetenter Steuerberater, der letztendlich auch die Buchhaltung übernehmen kann. Man hat das zwar mal gelernt, aber Theorie und Praxis sind dann doch verschiedene Welten.

Welche Eigenschaften sollte ein Gründer mitbringen?
Geduld, Zielstrebigkeit, von dem eigenen Projekt absolut überzeugt sein, nicht durch Rückschläge, die es definitiv geben wird, abschrecken lassen.
Wichtig ist es auch Meinungen von Experten einzuholen, die sich mit dem Thema Existenzgründung beschäftigen. Wenn drei oder vier Sachkundige sagen, dass die Idee nicht funktionieren wird, dann wird das schon der Wahrheit entsprechen. Bei allem Enthusiasmus für die eigene Geschäftsidee sollte man das Projekt nicht auf Biegen und Brechen durchziehen. Vielmehr ist es wichtig, eine realistische Einschätzung von Chancen und Risiken der eigenen Selbstständigkeit im Blick zu haben.

Wie ist der Status Quo? War die Gründung für die richtige Entscheidung?
Ich stehe momentan noch ganz am Anfang meiner Selbstständigkeit und erhalte die ersten Aufträge. Sobald meine Werkstatt fertig eingerichtet ist, werde ich damit beginnen, meine Projekte umzusetzen. Das kann jedoch noch ein paar Wochen dauern. Dann gilt es natürlich durch tolle Produkte und hochwertige Arbeit meine Kunden von meinen Qualitäten zu überzeugen.
In der Vorbereitungszeit meiner Existenzgründung habe ich unheimlich viel gelernt. Allein aus diesem Grund bereue ich es keine Sekunde, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Ob der Weg, den ich eingeschlagen habe, erfolgreich sein wird, kann aber erst die Zeit zeigen. Ich freue mich unendlich auf die Zeit, mein eigener Chef zu sein. Nachdem ich vor kurzem Vater geworden bin und in dieser Zeit noch nicht arbeiten konnte, ist das momentan für mich wie Elternzeit. Ich kann die ersten Monate meines Kindes voll miterleben, das kann mir keiner mehr nehmen.

Welchen Tipp haben Sie für künftige Gründer?
Bleibt locker! Geht das Ganze nicht zu verbissen an. Man darf den Spaß an der Sache nicht verlieren. Verbiegt euch nicht, bleibt wie ihr seid und seid ehrlich zu den Leuten, mit denen ihr in Kontakt kommt und vor allem zu euch selbst. Lasst euch von Rückschlägen nicht entmutigen. Setzt euch mit den Wirtschaftsförderungen von Stadt und Landkreis Coburg in Verbindung. Dort entsteht mit dem Gründer:Salon gerade ein Netzwerk von Gründungswilligen und Existenzgründern, die diesen Weg bereits bestritten haben. Allein durch den Austausch mit Gleichgesinnten kann man schon viel lernen. Und natürlich sind die geknüpften Kontakte nicht zu verachten. Je größer das eigene Netzwerk, desto wahrscheinlicher ist es, jemanden zu finden, der euch bei der Umsetzung der eigenen Geschäftsidee unterstützen kann.

Gibt es ein Fazit?
Was kostet es eigentlich Träume wahr werden zu lassen? Mut!


CO:Existenz

Wann? Am 18. November von 9 bis 19 Uhr
Wo? Bildungszentrum St. Augustin, Festungsstraße 2, 96450 Coburg

Informationen Mehr über die Messe und das aktuelle Programm gibt es unter existenzgruendung-in-coburg.de red


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