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LKR Coburg
Energiewende

Landkreis Coburg könnte beim Strom autark sein

Eine Studie zeigt: Der Landkreis Coburg ist rechnerisch dazu in der Lage, seinen Bedarf an elektrischer Energie im Alleingang zu decken.
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Ein Stück dezentrale Energieversorgung: die Windräder bei Welsberg in der Gemeinde Itzgrund. Welche Möglichkeiten es noch für die Energieerzeugung gibt, hat der Landkreis jetzt über eine Potenzialanalyse im Rahmen einer Masterarbeit ermitteln lassen. Foto: Berthold Köhler
Ein Stück dezentrale Energieversorgung: die Windräder bei Welsberg in der Gemeinde Itzgrund. Welche Möglichkeiten es noch für die Energieerzeugung gibt, hat der Landkreis jetzt über eine Potenzialanalyse im Rahmen einer Masterarbeit ermitteln lassen. Foto: Berthold Köhler
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Der Landkreis wäre in der Lage, seinen gesamten Strombedarf über lokal erzeugte erneuerbare Energieformen zu decken. Das ist das Ergebnis einer Potenzialanalyse, die der Student Maximilian Seyfferth im Rahmen seiner Masterarbeit erstellt hat. Präsentiert wurde die Analyse gestern im Landratsamt den Bürgermeistern des Landkreises. Landrat Michael Busch (SPD) nahm das Ergebnis zum Anlass, um symbolisch die Ärmel hochkrempeln: "Wir sollten das Ziel, den Energiebedarf alleine zu decken, ganz klar vor Augen haben."
Allerdings zeigt die Studie auch: Zwischen dem theoretischen Potenzial (163 Prozent Überdeckung bei elektrischer Energie) und dem, was wirklich machbar ist, liegen Welten. Seyfferth verwies auf große Photovoltaik- und Windparkanlagen, deren Potenziale man aufgrund der strengen gesetzlichen Vorschriften mit Vorsicht genießen müsse. So gibt es insbesondere im nördlichen Landkreis (Bad Rodach, Meeder) nutzbare Flächen für 55 neue Windenergieanlagen, doch 20 von diesen stünden schon jetzt in geschützten Landschaftsbestandteilen - ohne dabei die weitere Entwicklung des Naturschutzprojektes "Grünes Band" berücksichtigt zu haben.


Beim Wasser geht was

Regionalmanager Stefan Hinterleitner, der mit der "Coburg Stadt und Land aktiv GmbH" die Potenzialanalyse unterstützte, hat sein Herz ein bisschen an der Wasserkraft verloren. Warum? "Weil Wasserkraft als Grundlastträger ein wichtiger Beitrag im Sinne des Energiewandels wäre." Viel nicht, aber ein bisschen was ginge da schon, erklärte Seyfferth: "Es gibt 30 Anlagen im Landkreis, die man wieder aktivieren könnte." Diese wären in der Lage, rund 1,3 Gigawatt elektrische Energie pro Jahr zu erzeugen. Neue Projekte entlang der Gewässer im Itz-, Lauter- und Rodachtal schloss der Verfasser der Analyse hingegen nahezu aus.
Den Bürgermeistern aus dem Coburg Land riet Stefan Hinterleitner, sich einmal ihre vor dem Jahr 2010 ausgewiesenen und seitdem nicht bebauten Gewerbeflächen anzusehen. Dort ist es laut Gesetz möglich, auch größere Photovoltaikanlagen zu errichten. "Aus Sicht der pragmatischen Gesichtspunkte bietet sich hier das größte Potenzial", sagte der Regionalmanager. Verlockend: Nach 20 Jahren Nutzung zur Energieerzeugung könnten die Grundstücke sogar wieder als Gewerbefläche genutzt werden. Größere Projekte aus der bundesweiten Ausschreibung, wie sie jüngst von IBC Solar (Bad Staffelstein) in Neustadt und Seßlach verwirklicht wurden, dürfte es nach Ansicht Hinterleitners wohl so schnell im Coburger Land kaum mehr geben.
Nicht zu unterschätzen ist die wirtschaftliche Seite dezentraler Energieproduktion. Wie Maximilian Seyfferth ausgerechnet hat, wurde im Jahr 2015 im Landkreis Coburg Energie im Wert von 33 Millionen Euro produziert. Fünf Mal so hoch könnte dieser Betrag bei optimaler Ausnutzung aller Ressourcen liegen.
Auf eine Aussage zu idealen Standorten für spezielle Energieformen wollte sich der Verfasser der Studie nicht festnageln lassen. Lisa Güntner, Klimaschutzmanagerin des Landkreises, fiel beim Blick auf die Landkreiskarte aber schon etwas auf: Entlang der Autobahn und der Bahnlinien dürfen entsprechend gesetzlicher Vorschriften auf 110 Meter breiten Streifen Freiflächen-Photovoltaikanlagen gebaut werden. "Da ist noch viel Luft nach oben, die wir nutzen könnten", meinte Güntner.


Und was ist mit Geothermie?

Die gestern vorgestellte Potenzialanalyse könnte vielleicht sogar nur der Anfang für eine Offensive zur Nutzung erneuerbarer Energien in der Region sein. Stefan Hinterleitner konnte es sich jedenfalls gut vorstellen, eine zweite Analyse ausschließlich für das Coburger Stadtgebiet erstellen zu lassen.
Maximilian Seyfferth ging sogar noch einen Schritt weiter und riet dazu, im Landkreis nach weiteren Möglichkeiten zu suchen. Die Geothermie sei zum Beispiel eine Energieform, zu der es im Landkreis überhaupt noch keine tiefgreifenden Untersuchungen gegeben habe.

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