Coburg
Landestheater Coburg

Landestheater Coburg: Neue Stücke, höhere Kartenpreise

In der nächsten Saison soll mit neuen Stücken der Aufwärtstrend fortgesetzt werden. Derzeit sind Großes Haus und Reithalle zu 81 Prozent ausgelastet. Allerdings müssen die Eintrittspreise erhöht werden, hat der Bayerische Rechnungshof befohlen.
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"Der nackte Wahnsinn" im Landestheater Coburg? Michael Frayns Komödie, die kommende Woche Premiere hat, wird auch in die Spielzeit 20015/2016 übernommen.  Foto: Andrea Kremper
"Der nackte Wahnsinn" im Landestheater Coburg? Michael Frayns Komödie, die kommende Woche Premiere hat, wird auch in die Spielzeit 20015/2016 übernommen. Foto: Andrea Kremper
Mit neuen oder wiederentdeckten Stücken und mutigen Akzentsetzungen das eigene Profil zu schärfen und so die Anziehungskraft des Landestheaters Coburg zu erhöhen, ist das Anliegen des Spielplanes für die nächste Saison 2015/2016. Überschattet wurde die gestrige Präsentation allerdings durch die vom Bayerischen Rechnungshof erzwungene Erhöhung der Eintrittspreise um etwa 14 Prozent. Die Preise waren zuletzt 2010 angehoben worden.
Auch hier allerdings haben Intendanz und Verwaltung versucht, mit Raffinesse und Einfallsreichtum vorzugehen, um das Preis- und Abosystem differenzierter und am Ende womöglich sogar gerechter und flexibler zu gestalten. So zumindest die tapfere Interpretation von Intendant Bodo Busse und Verwaltungsdirektorin Judith Wollstädter. Beide betonten, dass man mit den neuen Preisen noch immer am untersten Rand aller vergleichbaren Stadt- und Staatstheater Bayerns liege.
Ein neues Bewertungssystem stuft in Zukunft jede Veranstaltung nach Aufführungstag und Kategorie ein. So kann man beispielsweise eine aufwendige Oper oder ein Musical dienstags für 21,5o Euro in der teuersten Preisgruppe, am Wochenende für höchstens 35 Euro sehen und an bestimmten Tagen sogar zum bisherigen Preis ins Theater gehen.

Coburg bleibt im Vergleich günstig

Gemessen an den Eintrittspreisen vieler anderer Veranstalter und an Aufwand und Niveau der Produktionen klingt das tatsächlich nach wie vor moderat. "Es gibt bei uns immer noch Theater zu Kinopreisen", betont der Intendant. Die günstigste Karte ist für 9 Euro zu haben.
Doch für Busse und Wollstädter wäre es schmerzlich, würde die unpopuläre Maßnahme den sich in dieser Spielzeit bereits abzeichnenden weiteren Besucheranstieg gefährden. Im Moment kann man sich nämlich über eine - vor Jahren kaum mehr für möglich gehaltene - durchschnittliche Auslastung von 81 Prozent freuen, die bisherige Spielzeit von September bis Ende Februar betrachtet.
Auch das Preissystem für die gegenwärtig 2025 Abonnenten wurde entsprechend überarbeitet. Das bisherige Wahlabo wird durch ein flexibles Gutscheinsystem abgelöst. Inhaber termingebundener Abos dürfen sich in Zukunft jeden Monat über Exklusivangebote freuen, Theaterführungen, Zugang zu den Proben etwa.

Ein Samba-Musical

Eine große Bandbreite bieten, das Repertoire an den Rändern ausweiten und dabei den Strategien der letzten Jahre treu bleiben, nennt Intendant Bodo Busse als Gestaltungskriterien für das Programm der nächsten Spielzeit. Mit Ur- und Erstaufführungen will sich das Landestheater dabei noch stärker als spannender Ort des Zeitgenössischen profilieren.
So will Tankred Dorst sein bisher nur in Skizzenform vorliegende "Motivsuche" für Coburg ausarbeiten. Das Schauspiel soll humorvoll der Frage nachgehen, wie man mit der Geschichte, speziell dem Nationalsozialismus umgehen kann, soll, darf. Uraufführung am 23. Ja nuar in der Regie von Johannes Zametzer. Dem am 19. Dezember 1925 in Oberlind geborenen, eng mit Coburg verbundenen Autor wird anlässlich seines 90. Geburtstages im Januar zudem eine Festwoche gewidmet.
Zu einer Wiederentdeckung auf der Theaterbühne soll im Musicalbereich Paul Abrahams "Ball im Savoy" werden. Mit dem 1932 in Berlin uraufgeführten Werk, damals "Jazzoperette"genannt, zeichnete sich eine deutsche Entwicklung zum modernen Musical ab, die von den Nationalsozialisten allerdings abgebrochen wurde.
Als erstes deutsches Profithe ater wird in Coburg zudem Barry Manilows Musical "Copacabana" aufgeführt. "Manilow hat den weltweiten Hit mit vielen packenden Rocksongs, Balladen und Sambastücken zu einer großen Geschichte um eine New Yorker Sambatruppe ausgebaut", kündigt Busse an: "Damit kriegt Coburg endlich sein Samba-Musical."

Belcanto und der Hotzenplotz

Durchaus ungewöhnlich auch die Ballettproduktion "Aschenbrödel" - nach der Originalpartitur von Johann Strauss-Sohn, als kleiner Knicks vor der "Johann-Strauss-Stadt" Coburg. Zudem will sich Ballettchef Mark McClain mit der Musik der Rockgruppe "Queen" auseinander setzen, während sich Tara Yipp Anthony Burgess herausfordernden Roman "Clockwork Orange" vornimmt.
Im Musiktheater generell wird in der nächsten Spielzeit zudem "das Thema Belcanto ganz groß geschrieben", so Busse. "Wir haben jetzt ein sehr leistungsstarkes Belcanto-Ensemble. Der Schöngesang ist mir sehr wichtig." Von Bellinis "Norma" über Leo Délibes "Lakmé" bis zur erneut die Opernzeiten übergreifenden Produktion reicht die Bandbreite; Henry Purcells "Dido und Aeneas" wird mit Ralph Vaughan Williams "Riders to the Sea" korrespondieren.
Brisanz zeichnet das Schauspiel aus: Michael Götz wird "Andorra", Max Frischs fast schon zum Klassiker gewordenes Rassismus-Drama, inszenieren. Schauspielchef Matthias Straub will seine "Räuber" gedanklich mit Büchners "Dantons Tod" weiterführen. Neil LaButes "Bash" bezeichnet er als radikales, brutales Stück. Frederik Leberle darf nach seinem Bravourdebüt als Regisseur von "Tschick" nun die Gesellschaftssatire "Das Interview" des von Islamisten ermordeten Theo van Gogh inszenieren.
Als so genanntes Weihnachtsmärchen bleibt es bei der Umsetzung großer Kinderbuchliteratur: Heuer kommt Otfried Preußlers "Räuber Hotzenplotz", wo "wir doch selbst einen Hotzenplotz am Haus haben, lacht Matthias Straub. Richtig, alle denken sofort an Stephan Mertl.


GROSSES HAUS

18. September: "Der nackte Wahnsinn" (Wiederaufnahme).

Komödie von Michael Frayn
19. September: "Norma".

Oper von Vincenzo Bellini
26. September: "Der Vogelhändler" (WA). Operette von Carl Zeller

2. Oktober. "Wie im Himmel" Schauspiel mit Musik von Kay Pollack

24. Oktober: "Ball im Savoy", Operette von Paul Abraham

29.Oktober: "La Bohème" (WA). Oper von Giacomo Puccini

30. Oktober: "Eisenstein" (WA). Christoph Nuß' Familiensaga

14. November: "Räuber Hotzenplotz". Von Otfried Preußler für Menschen ab 5 Jahren

28. November: "Hommage an Queen". Ballettabend von Mark McClain mit Musik von "Queen"

19. Dezember: "Die lustigen Weiber von Windsor". Komische Oper von Otto Nicolai

16. Januar: "Die Winterreise". Komponierte Interpretation von Hans Zender nach Schubert

23. Januar: "Die Motivsuche". Uraufführung. Schauspiel von Tankred Dorst

13. Februar: "Copacabana". Musical von Barry Manilow

6. März: "Der Rosenkavalier". Musikkomödie von Hugo von Hoffmannsthal und Richard Strauss

26. März: "Dantons Tod". Schauspiel von Georg Büchner
16. April: "Aschenbrödel". Tanztheater nach der Ballettmusik von Johann Strauss (Sohn)

8. Mai: "Lakmé". Oper von Leo Délibes

28. Mai: "Die Grönholm-Methode". Schauspiel von Jordi Galceran

18. Juni: "Dido und Aeneas / Riders to the Sea". Oper von Henry Purcell / Oper von Ralph Vaughan Williams

2. Juli: "Construct: Versunken". Ein generationen-übergreifendes TanzTheater-Projekt für Coburger Bürger

REITHALLE

19. September: "Tschick" (WA). nach Wolfgang Herrndorf

26. September "Das Interview". Schauspiel von Theo van Gogh
16. Oktober: "Noch'n Gedicht". Eine Hommage an Heinz Ehrhardt, Produktion im Münchner Hofbräu

18. Oktober: "Gold". Musiktheater für junge Menschen von Leo nard Evers

7. November: "Novecento - Die Legende vom Ozeanpianisten". Monolog von Alessandro Baricco

5. Dezember: "Andorra". Drama von Max Frisch

12. Februar: "Bash - Stücke der letzten Tage". Schauspiel von Neil LaBute

12. März: "Die zweite Prinzessin". Stück von Gertrud Pigor für Kinder ab 4 Jahren

9. April: "Alte Scheiße Liebe". Liederabend von Thorsten Köhler
7. Mai: "Frau Müller muss weg". Schauspiel von Lutz Hübner

22. Mai: "First Steps". Choreografische Miniaturen von und mit dem Ballett Coburg

11. Juni: "Clockwork Orange". Tanztheater nach Anthony Burgess

Bisher ohne Termin: "Pettersson und Findus". (WA) Für Menschen ab 3 Jahren. Und: "Der Vorname". Komödie von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière

KLASSENZIMMERSTÜCKE

"Über die Grenze ist es nur ein Schritt". Von Michael Müller.

"Babo". Von Luca Pauer.

"Ritter Odilo und der strenge Herr Winter". Von Mareike Zimmermann




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