Coburg
Glauben

Landesbischof: Mahnende Worte bei Predigt in Coburger Morizkirche

Coburgs Stadtkirche erstrahlt nach ihrer Sanierung schöner und heller denn je.
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Voll besetzt war die Coburger Morizkirche bei ihrer offiziellen Wiedereröffnung Anfang Mai dieses Jahres. Foto: Ronald Rinklef
Voll besetzt war die Coburger Morizkirche bei ihrer offiziellen Wiedereröffnung Anfang Mai dieses Jahres. Foto: Ronald Rinklef
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Für Heinrich Bedford-Strohm war es die Rückkehr in eine vertraute Umgebung. "Es ist schön, zu Hause zu sein", sagte der heutige Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende, der von 1997 bis 1999 und von 2001 bis 2004 Pfarrer in St. Moriz war. "Es sind die Erfahrungen mit dieser Kirche sowie mit den Menschen dieser Gemeinde, die mich stets auf meinem weiteren Weg begleitet haben", betonte er. Und während er dann seinen zufrieden lächelnden Blick durchs voll besetzte Gotteshaus schweifen lies, fügte er noch mit einem Lächeln an: "Mir kommt es vor, als ob ich erst gestern weggegangen wäre."

Eines allerdings, so schränkte Heinrich Bedford-Strohm ein, sei anders im Gegensatz zu seiner Zeit als Pfarrer von St. Moriz: "Der Innenraum der Kirche ist noch schöner, er ist wunderschön!" Es handele sich aber um mehr als nur um ein "architektonisch gelungenes Bauwerk". Es gelte, in diesem "wunderbaren Kirchenraum" die Liebe Jesu zu erkennen. Kirchen, so der Landesbischof weiter, seien "Kulturdenkmäler". Ihre Kulturwirkung hätten sie jedoch nur deshalb entfalten können, weil in ihnen gebetet und getauft wird, Buße getan und aus der Bibel vorgelesen sowie getrauert und auch mal geweint werde - "weil dort Hoffnung gegeben wird".


Missbrauch des Namen Gottes

Doch obwohl die frisch sanierte Morizkirche "so schön strahle", sparte Heinrich Bedford-Strohm auch ein dunkles Kapitel der Kirchengeschichte nicht aus. Ausgehend vom Datum am Sonntag - es war der 8. Mai und somit der 71. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs - sagte er: "In den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts mussten viele Menschen sterben - auch, weil in den christlichen Kirchen nicht für die Liebe, sondern für den Sieg gebetet wurde." Mit Blick auf die heutigen Kriegsgebiete in der Welt fügte der Landesbischof nachdenklich an: "Auch heute missbrauchen viele den Namen Gottes für Terror und Gewalt."

Heinrich Bedford-Strohm schloss seine Predigt mit den Worten: "Möge in dieser Kirche der Geist Jesu Christi seine ganze Kraft entfalten können."

In ihren Begrüßungsworten im Gottesdienst hatte Pfarrerin Gertrud Göpfert festgestellt, dass der zwischenzeitliche Umzug und nun die Rückkehr nach St. Moriz "etwas gemacht" habe mit der Gemeinde: "Sie hat sich neu verortet im Glauben." Pfarrerin Martina Schwarz-Wohlleben betonte: "Danke, Gott, dass wir wieder hier sein dürfen. Heute ist ein besonderer Tag."


RUND UM DIE WIEDERERÖFFNUNG

Gäste Zahlreiche Ehrengäste waren zur Wiedereröffnung der Morizkirche gekommen. So zum Beispiel alle drei Coburger Bürgermeister, jeweils geschmückt mit ihren Amtsketten. Außerdem wurden gesehen: Coburgs Ehrenbürger Otto Waldrich, der mit einer Spende die Sanierung des Epitaphs von St. Moriz maßgeblich unterstützt hat; Hubertus Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha, der in der Morizkirche geheiratet hat - den damaligen Traugottesdienst hielt Pfarrer Markus Merz, der mittlerweile in Wien tätig ist und am Sonntag ebenfalls in St. Moriz vorbeischaute. Ebenfalls bei der Wiedereröffnung mit dabei: der ehemalige Dekan Christoph Liebst.

Gestaltung Der Gottesdienst wurde geleitet von den Pfarrerinnen Gertrud Göpfert und Martina Schwarz-Wohlleben. Es sangen die Kantorei, die Kinderkantorei und der Posaunenchor von St. Moriz. Verantwortlich dafür zeichneten Peter Stenglein (Leitung und Orgel), Katja Heußel (Kinderkantorei) und Markus Ewald (Orgel). Lektor war Rudolf Klotz.

Grußworte "Die Sanierung war ein finanzieller Kraftakt", meinte Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD), stellte aber gleich im nächsten Moment klar: "An einem so schönen Tag wie heute sprechen wir nicht übers Geld!" Stattdessen sprach Tessmer davon, dass Kirchen nicht nur historische Gebäude seinen, sondern auch einen "emotionalen Mehrwert" besitzen. Der OB verriet außerdem, dass seine Eltern einst in St. Moriz getraut wurden. Der katholische Dekan Roland Huth gratulierte zur "wirklich gelungenen Neugestaltung", betonte aber auch: "Wir können unsere Kirchen noch so schön anstreichen und sanieren - das Wichtigste ist die Beherbergung von Menschen, gleich welcher Herkunft, Hautfarbe und religiöser Prägung." Kirchen seien "Orte der religiösen Auseinandersetzung". Auf die knapp zwei Jahre Bauzeit ging Architektin Sybille Fugmann ein, weitere Glückwünsche kamen von Pfarrer Christof Hechtel. os


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