Coburg
Premiere

"La Bohème" in Coburg: Ein Fest der schönen Stimmen

Debüts, Comebacks und tolle Stimmen: So zieht Giacomo Puccinis "La Bohème" das Publikum in Coburg in Bann. Für Gast-Regisseurin Brigitte Fassbaender steht die Neuinszenierung am Landestheater unter ganz besonderen Vorzeichen.
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"La Bohème" in Coburg: Betsy Horne als Mimi und Milen Bozhkov als Rodolfo.Foto: Henning Rosenburg
"La Bohème" in Coburg: Betsy Horne als Mimi und Milen Bozhkov als Rodolfo.Foto: Henning Rosenburg
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Am Ende triumphiert die Musik. Dieses Fazit ist sicher nicht die schlechteste Bilanz für einen Opernabend - und muss kein schales Lob für die Regie sein. Das beweist die Neuinszenierung von Giacomo Puccinis "La Bohème" am Landestheater Coburg. Denn der uneingeschränkte und ungetrübte Triumph der Musik ist in diesem Fall auch ein Verdienst der Regie von Brigitte Fassbaender.


Regie-Karriere begann in Coburg


Hier, wo die Künstlerin vor genau einem Vierteljahrhundert ihre erfolgreiche Regiekarriere begann, präsentiert sie dem restlos begeisterten Premieren-Publikum eine Inszenierung, die in jedem Takt, in jeder Szene das Etikett sängerfreundlich verdient. Das hat nicht nur damit zu tun, dass der größte Teil dieses Opernabends auf der Vorderbühne spielt und auf diese Weise beste Sichtbarkeit und Hörbarkeit garantiert ist. Sängerfreundlich ist diese Regie auch in der sorgfältigen und einfühlsamen Personenführung.


Gemeinsam mit ihrer Ausstatterin Bettina Munzer hat Brigitte Fassbaender Puccinis "Bohème" in das Paris der unmittelbaren Nachkriegszeit verlegt - eine Lösung, die dramaturgisch weitgehend stimmig umgesetzt wird. Munzer hat dazu eine graue Trümmerlandschaft auf die Drehbühne gestellt, die mit wenigen Versatzstücken spannungsvolle Räume schafft.


In dieser Welt, die in Trümmern liegt, feiern die Freunde Rodolfo und Schaunard, Marcello und Colline ihre kleinen Feste und träumen vom großen Glück der Liebe. Fassbaender erzählt Puccinis "Bohème" als die Geschichte einer unerschütterlich krisenfesten Freundschaft unter Männern, während die Liebe zwischen Mimi und Rodolfo und zwischen Musetta und Marcello ein gar zerbrechliches, gefährdetes Glück bleibt.

Einfühlsam lässt Fassbaenders Regie die feinen psychologischen Verästelungen dieser Geschichte lebendig werden. Damit schafft sie die Voraussetzung, dass sich Gesang und Spiel der Darsteller wunderbar wechselseitig beflügeln.


Das durch einige Gäste ergänzte Coburger Ensemble beeindruckt gleichermaßen durch sein überaus spielfreudiges Agieren wie durch seinen Gesang. Das gilt zunächst für die tiefen Männerstimmen. Jiri Rajnis als Schaunard, Thomas de Vries als Marcello, Tapani Plathan als Colline und Michael Lion in der Doppelrolle als Benoit und Alcindoro - sie ziehen das Publikum als singende Darsteller vom ersten Moment an in Bann. Ihr packendes Rollendebüt als Musetta gibt Anna Gütter mit wohl dosierter Koketterie und lyrischer Ausdruckskraft.

Milen Bozhkovs beeindruckendes Rollen-Debüt als Rodolfo

Zur umjubelten Rückkehr wird für Milen Bozhkov sein Rollendebüt als Rodolfo. Bozhkov, der viele Jahr als Ensemblemitglied des Landestheaters Erfolge auf der Coburger Bühne feierte, bewährt sich als Puccini-Tenor mit intensiver Gestaltungskraft und stilsicherer Diktion.

Coburger Publikum bejubelt Betsy Horne

Noch eine Spur lauter ist der Premierenbeifall nur bei Betsy Horne. Sie gehörte der Coburger Haus drei Spielzeiten als Ensemblemitglied an und wird vom Publikum bei ihrer Rückkehr als Gast bejubelt. Sie fasziniert mit der lyrischen Ausdruckskraft ihres jederzeit sicher souverän geführten Soprans.
Jederzeit präsent und klangvoll: Chor und Extrachor des Landestheaters (Einstudierung: Lorenzo Da Rio) sowie der Kinderchor (Einstudierung: Daniela Pfaff-Lapins).


Coburgs Generalmusikdirektor Roland Kluttig, gerade noch rechtzeitig zur Premiere genesen, beweist sein besonderes Gespür für Puccini. Nach dem großen Erfolg mit "Madama Butterfly" vor gut zwei Jahren gelingt Kluttig erneut eine beeindruckend differenzierte wie ausdrucksstarke Puccini-Interpretation. Purer Wohlklang und fein nuancierte Details, weit ausschwingende melodische Bögen und rhythmisch pointierte Passagen - alles ist scheinbar selbstverständlich da in Kluttigs Deutung. Unter seiner jederzeit umsichtigen Leitung entfaltet das Philharmonische Orchester einen bemerkenswerten Farbenreichtum und gerät dabei nie in Gefahr, die Sänger zu übertönen.

Kein Wunder, dass der Premieren-Applaus ebenso lautstark wie ausdauernd gerät. Und bei seiner Premieren-Ansprache im Spiegelsaal deutet Intendant Bodo Busse an, dass die dritte Inszenierung Brigitte Fassbaenders am Landestheaters nicht die letzte gewesen sein könnte: "Ich freue mich, dass wir die Zusammenarbeit vielleicht fortsetzen können. Erste zarte Fäden haben wir schon gesponnen."




Rund um die Neuinszenierung von "La Boheme"



Produktionsteam Musikalische Leitung: Roland Kluttig; Inszenierung: Ks. Brigitte Fassbaender; Bühnenbild und Kostüme: Bettina Munzer; Dramaturgie: Renate Liedtke; Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio

Besetzung Mimi: Betsy Horne
Musetta: Ana Cvetkovic-Stojnic/Anna Gütter
Rodolfo: Milen Bozhkov/José Manuel
Marcello: Thomas de Vries
Schaunard: Jirí Rajniš
Colline: Tapani Plathan
Monsieur Benoît/Alcindoro: Michael Lion
Parpignol: Marino Polanco
Sergeant bei der Zollwache: Marcello Mejia-Mejia

Termine Matinee: 7. Juni, 11 Uhr, Reithalle; Premiere Puccini "La Bohème", 13. Juni, 19.30 Uhr, Landestheater Coburg; Aufführungen: 19. Juni, 19.30 Uhr, 21. Juni, 18 Uhr, 26. Juni, 2., 15. Juli, 19.30 Uhr

Brigitte Fassbaender und Coburg Als Regisseurin hat Brigitte Fassbaender ihre Karriere 1990 mit einer Inszenierung von Rossinis "La Cenerentola" begonnen. Mit Mozarts "Zauberflöte" kehrte sie drei Jahre später ans Landestheater zurück. Bereits im Januar 1968 gastierte die Künstlerin erstmals in Coburg - im Januar mit einem Liederabend bei der "Gesellschaft der Musikfreunde". Die junge Sängerin, die damals am Anfang ihrer internationalen Opern- und Konzertkarriere stand, beeindruckte mit Liedern von Schumann, Schubert und Brahms.
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