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Krumbach
Schlepper-Vielfalt

Kuriose und beeindruckende Fahrzeuge hatten ein Stelldichein in Krumbach

Was Motorpferde und Maulschlüssel sind,konnte man beim Besuch des Eicher- und Oldtimer-Treffens in Krumbach erfahren.
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Hoppla, hier kommt das "Motorpferd", Baujahr 1924. Matthias Lehnert steuert es und zeigt, dass es voll fahrfähig ist. Foto: Martin Rebhan
Hoppla, hier kommt das "Motorpferd", Baujahr 1924. Matthias Lehnert steuert es und zeigt, dass es voll fahrfähig ist. Foto: Martin Rebhan
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Zum Mekka für Liebhaber alter Traktoren wurde wieder einmal der kleine Seßlacher Stadtteil Krumbach. Die Eicher- und Oldtimerfreunde luden zu ihrem nunmehr 14. "Eichertreffen" ein. Wobei die beiden Vorsitzenden Thomas Billinger und Steffen Fischer ausdrücklich betonten, dass das Treffen nicht auf die Marke Eicher beschränkt sei. "Jeder, der Lust hat, einen Oldtimer auszustellen, ist gern gesehen", betonten beide. So war es auch diesmal im Krumbach. Neben den Eicher-Traktoren waren auch viele Schlepper von anderen Herstellern zu sehen. In diesem Jahr waren über 120 Fahrzeuge nach Krumbach gebracht worden. Thomas Billinger betonte, dass alle Gefährte fahrbereit und zugelassen seien.


Dieselrösser, Kabinenroller, Kettenschlepper

Was da alles zu sehen war! Natürlich Fendt-Dieselrösser, verschiedene Lanz Bulldogs, die mit einem Hubraum von über zehn Litern beeindruckten, ein Messerschmidt-Kabinenroller und sogar einen Famo-"Rübezahl", einen Kettenschlepper aus Schlesien, von dem es weltweit nur noch acht Stück gibt. Das älteste Fahrzeug präsentierten Walter und Matthias Lehnert aus Brünn bei Ebern mit ihrem "Motorpferd" aus dem Jahr 1924. Das Schmuckstück, das die beiden Oldtimerliebhaber in Krumbach zeigten, war mehr durch Zufall in ihre Hände gelangt. "Wir fanden den Schlepper in einer Scheune", erzählte Walter Lehnert. Wie viele Arbeitsstunden er und sein Sohn in das Projekt gesteckt haben, konnte er beim besten Willen nicht sagen. "Es waren unzählige", meinte Walter Lehnert. In mühevoller Kleinarbeit nahmen sie sich des Traktors an und brachten ihn tatsächlich wieder zum Laufen. Dass er fahrbereit ist, demonstrierten die Besitzer einem staunenden Publikum.

Aber einfach den Zündschlüssel rumdrehen, entsprach nicht der damaligen Technik. Es musste schon ein Maulschlüssel herangezogen werden, um eine Vorrichtung zu öffnen, in der dann ein Zündhut platziert werden musste. Erst nach dieser Prozedur konnte die Kurbel angesetzt werden, um den Motor zu starten. Gleich beim ersten Versuch sprang das Motorpferd an und konnte eine Runde durch den Ort drehen.


Ausgeklügelte Kühlung

Wenn Walter Lehnert von den technischen Details seines Gefährts erzählt, kommt er richtig ins Schwärmen. Besonders beeindruckt bei dem Schlepper das ausgeklügelte Kühlsystem, das auf einen herkömmlichen Wärmetauscher verzichtet. Beim Motorpferd sorgen gut 200 Liter Wasser dafür, dass der Zweizylindermotor nicht überhitzt. Bei der Restaurierung legte die beiden Besitzer Wert aufs Detail. So wurde unter anderem bei der Sitzbank darauf geachtet, dass altes, verwittertes Holz zum Einsatz kam.

Auch schwärmte Walter Lehnert: "Den Flachriemen, der für die Kraftübertragung vom Motor auf das Getriebe zuständig ist, haben wir selbst gefertigt." Der Oldtimer machte den Eindruck, als ob er ölverschmiert sei, in Wirklichkeit war es Leinölfirnis, das den gewünschten Effekt hervorrief. "Auch diesen Eindruck wollten wir bewusst erzeugen", erklärte Walter Lehnert.


Nicht verkäuflich - auf gar keinen Fall!

Die Frage eines Besuchers, mit welchem Druck Lehnert die Vollgummireifen fahre, beantwortete der Besitzer mit einem breiten Lachen. Dass auch andere Oldtimerliebhaber ein Auge auf das gute Stück warfen, war nicht besonders erstaunlich. "Der Schlepper ist unbezahlbar", antwortete Walter Lehner auf die Frage, bei welchem Betrag er "weich" werden würde. Lehnert führte dabei vor Augen, dass es in Europa nur noch fünf der "Motorpferde" gibt.

Für den 45-köpfigen Verein, der 2010 gegründet wurde, war das 14. Treffen ein voller Erfolg. Den Mitgliedern macht das Lust, schon an das 15. Treffen im kommenden Jahr zu denken.

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