Coburg
Ausstellung

Kunstverein Coburg zeigt Wort-Malerei von Horst Peter Meyer

Ein geistreiches Zusammenspiel aus Kunst und Literatur ist ab Samstag in den Werken Horst Peter Meyers beim Kunstverein Coburg zu betrachten.
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Horst Peter Meyer und sein Hund zwischen Alt und Neu: Links im Bild ein Werk von 2008/2009, daneben eines aus diesem Jahr (Bild links)Foto: Nelly Ritz
Horst Peter Meyer und sein Hund zwischen Alt und Neu: Links im Bild ein Werk von 2008/2009, daneben eines aus diesem Jahr (Bild links)Foto: Nelly Ritz
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Wer Horst Peter Meyer kennenlernt, der ahnt schon, dass er hier einen Künstler vor sich stehen hat. Die Brille tief auf der Nase sitzend, ein Hut mit schwarzem Band bedeckt das Haupthaar, ein langer weiser Bart sticht dem Betrachter ins Auge. Dazu der schwarz-braune Hund auf dem Arm, das weiße, aber mit Flecken bekleckste Hemd, eine rote Hose.


Er ist ein Spiegel seiner Gemälde. Oder sind sie ein Spiegelbild des Künstlers? "Schwarz und Weiß als die Farben des Druckens. Dazu Rot als Signalfarbe, als die Markierung von Besonderheiten", erklärt Horst Peter Meyer. Rot möge er am liebsten, es sei schließlich die Farbe der Freude, der Leidenschaft, aber auch des Leidens oder des Kampfes selbst.


Kunst in mehreren Ebenen

So erkennt der Betrachter in den Bildern wohl oftmals ein wirres Durcheinander, Chaos, vielleicht sogar Krieg.
Es ist das Abbild einer revolutionären, wüsten Welt, die von Dunkelheit und Verworrenheit geprägt ist. Eine aktueller, bitterer Beigeschmack haftet daher an den Werken, die dem Betrachter ein kompromissloses Weltbild vorführen.

Dabei steckt noch so viel mehr dahinter, im wortwörtlichsten Sinne. In seinem zweigeteilten Werk "Bau Haus im Wahn" übermalte er beispielsweise eine seiner früheren Arbeiten. Hier und da blitzen die Buchstabenreihen, die den Grundstein des ersten Gemäldes bildeten, noch hinter der schwarz-roten Abdeckung hervor. So spielt er mit der Mehrschichtigkeit seiner Bilder, mit dem Kontrast von Hinter- und Vordergrund.


"Genauso verhält es sich im Prinzip auch mit der Literatur", erklärt der Künstler, dessen Interesse schon immer der Lyrik, der Epik und dem Drama galt. Auch seine Neigung zu griechischen Sagen spiegelt sich in den Titeln mancher Werke wider. Die antiken Erzählungen seien Grundlage vieler neuer Werke, sagt er. Das Alte überkommen, Neues auf Basis der Vergangenheit erfinden.


Darauf zielt auch der Titel seiner Ausstellung ab: "Neusaetze - Bilder. Blätter. Texte." Schmunzelnd verrät er zwar, dass dies nur der Straßenname seines neuen Ateliers in Apolda sei. Doch die Assoziation, die sich dem Besucher aufdrängt, neue Sätze zu kreieren, zu erkennen, zu kombinieren, erscheint genauso passend.


So kann man schon erahnen, dass die Ausstellung nicht nur mit Malerei, sondern auch mit selbst geschriebenen, kunstvoll verarbeiteten Texten überrascht. Doch auch diese wirken auf den ersten Blick verwirrend, wie auch Horst Peter Meyer selbst bestätigt: "Ich zertrümmere und zerteile die Worte in Silben. Die erste Silbe eines zweiten Wortes könnte also auch die letzte des vorangegangenen Wortes sein."


Ordnung im Chaos

Es geht darum, den Sinn neu zu deuten und wie auch in den Malereien und Grafiken trotz der Unordnung die Abgrenzungen, die klaren Kanten und sortierten Linien zu entdecken. Seine Bilder erscheinen verdreht und doch geordnet, und so auch seine Sprache.


Klar durch die gesamte Ausstellung zieht sich dagegen die Symbiose von Kunst und Literatur, die in den Bildtiteln, aber auch in den Werken selbst zu erkennen ist. Dies ist deutlich in seinen 32 aus "185 Blättern über das Gehen", inspiriert durch Rainer Maria Rilke, zu bemerken.


Das Spiel mit der Literatur

Auffällig an den - wieder einmal - vielschichtigen Collagen und Frottagen auf palimpsestösen Druckspuren , also auf alten, abgeriebenen Papieren mit rudimentären Strukturen verschiedener Grafiken, sind die Farbvariationen, die in dieser Serie über Schwarz-Weiß-Rot hinaus gehen.


Im hinteren Bereich des Studios des Kunstvereins bestechen Faltbögen des Künstlers mit filigranen "Schriftbildern ohne Oben und Unten".


Zu entschlüsseln sind Auszüge aus gelesenen Texten und Notizen Horst Peter Meyers, die immer nur auf die oberste Seite eines zu Taschengröße gefalteten Papierbogens geschrieben wurden. Die Idee stammt aus der ,Blechtrommel‘ von Günter Grass.


"Darin trägt Oskars Oma Anna vier Unterröcke, der sauberste kommt immer nach oben", verrät der Künstler lachend. Inspiriert von einem Klassiker der deutschen Literatur, natürlich.




Horst Peter Meyer beim Kunstverein Coburg

Ausstellungs-Tipp Horst Peter Meyer "Neusaetze - Bilder. Blätter. Texte." (Eröffnung: Samstag, 16 Uhr, Kunstverein Coburg; Einführung: Nadine Steinacker; Musik: Arno Seifert, Klavier, und Markus Wecker, Saxofon)

Katalog 128 Seiten, 15 Euro

Horst Peter Meyer wurde im Juli 1947 in Weimar geboren. Schon 1963 erstellte er erste Radierungen. Sein Studium absolvierte er von 1968 bis 1973 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Meyer war Meisterschüler von Paul Michaelis, trat und tritt aber zudem auch als Autor auf. Seit 1973 erfreut er sich an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland. Auch seine Monografien und Kataloge erhielten viel positive Resonanz. Seit 2015 arbeitet er in einem alten Fabrikgelände in Apolda, einst gebaut in der Straße "Neusätze".

Öffnungszeiten bis 3. Oktober, Dienstag bis Samstag 14 bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 12.30 und 14 bis 17 Uhr
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