Coburg
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Kultur gibt' s auch zum Nulltarif

Theater, Kino, Konzert, ein Handball- oder Volleyballspiel: alles nur ein Vergnügen für Leute, die sich das finanziell leisten können? Nicht in Coburg - dank der Kulturtafel, die es seit einem Jahr gibt.
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Nicht benötigte Theaterkarten dürfen in die Spendenbox geworfen werden. Foto: Helke Renner
Nicht benötigte Theaterkarten dürfen in die Spendenbox geworfen werden. Foto: Helke Renner
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Satt zu essen, ein Dach über dem Kopf, etwas anzuziehen - um diese Grundbedürfnisse kümmert sich die Gesellschaft schon seit vielen Jahren. Doch wie sieht es mit dem Bedürfnis nach Kultur aus? Menschen, die arm sind, waren bisher weitgehend von der Teilhabe am kulturellen Leben der Stadt ausgeschlossen. Deshalb haben Manuela Hofmann, Leiterin der Kulturabteilung, und die Vorsitzende der Coburger Tafel, Friederike Werobèl, im Frühjahr 2013 die Coburger Kulturtafel ins Leben gerufen. Und die funktioniert analog der Lebensmittel-Tafel: Die einen geben ab, die anderen profitieren davon. "Am Anfang lief das nicht so gut", gesteht Manuela Hofmann ein.
Die Nachfrage nach Karten für kulturelle Veranstaltungen sei eher mäßig gewesen. "Wir haben Listen bei der Coburger Tafel und im Servicebüro des Sozialamtes ausgelegt. Dort konnten sich Interessenten für Theater, Lesungen, Ausstellungen und Konzerte eintragen.
Wir haben sie angerufen, wenn wir etwas für sie hatten." Es lief schleppend und die Initiatorinnen waren drauf und dran, das Ganze wieder einzustellen.
Doch dann starteten sie noch einen Versuch und holten sich im Herbst 2013 Brigitte Schult-Debusmann ins Boot. Sie ist jeden Mittwoch von 11 bis 13 Uhr da, wenn die Tafel Lebensmittel ausgibt und informiert, was in Coburg kulturell so läuft und wo es die Möglichkeit gibt, sich einzuklinken. "Inzwischen kommen die Leute schon von selbst zu mir. Und nicht selten entwickeln sich daraus auch Gespräche. Wenn möglich, gebe ich auch Empfehlungen weiter", erzählt Brigitte Schult-Debusmann. Sie ist begeistert: "Das hat sich wunderbar entwickelt. Manche kommen extra früher, u m mit mir sprechen zu können oder warten auch, bis ich da bin." Am liebsten möchte sie auch noch die Waldbühne Heldritt in das Angebot mit einbeziehen. Vielleicht klappt es ja. Dass seit ein paar Monaten immer mehr Menschen die Kulturtafel nutzen, hat nach Ansicht von Michaela Hofmann auch damit zu tun, dass inzwischen auch Eintrittskarten für Handball- und Volleyballspiele angeboten werden.
Sehr gefragt seien vor allem Kinokarten. "Das haben wir Frau Schult-Debusmann zu verdanken, die da nicht locker gelassen hat." Zwei Karten pro Woche stellt der Kino-Chef Oskar Heublein zur Verfügung. "Die Warteliste dafür ist lang", räumt Manuela Hofmann ein.

Kartenspenden fürs Theater

Anders läuft es beim Theater. Dort steht gegenüber der Kasse eine Box, in die Theaterbesucher Karten einwerfen können, die sie selbst nicht nutzen. Darum kümmert sich der Leiter des Besucherservices, Stefan Hagelauer. "Das wird ganz gut angenommen", sagt er. Seit im Landestheater die allgemeinen Geschäftsbedingungen geändert wurden und Karten nicht mehr zurückgegeben werden können, sei die Spendenbox eine Option, sie doch noch jemandem zugute kommen zu lassen. Das funktioniere oft sogar, wenn die Vorstellung noch am gleichen Tag ist. "Da ist Frau Schult-Debusmann recht flott unterwegs." Monatlich sind es bisher zwischen 15 und 20 Karten, die in der Box landen.

HSC und VSG machen auch mit

Sehr beliebt sind die Karten für die Heimspiele des HSC und der VSG. Die beiden erfolgreichen Mannschaften geben der Kulturtafel für die Handball- und Volleyballspiele in Coburg Eintrittskarten ab: vier der HSC, zehn die VSG.
Inzwischen denkt Manuela Hofmann nicht mehr daran, das Projekt einzustellen. Sie macht weiter und hat dafür auch schon Dankes-E-Mails bekommen. Dabei sei der Aufwand vergleichsweise gering. Jeden Montag schreibt die Leiterin des Kul turbüros die Anbieter an und fragt nach den Angeboten. Am Freitag bekommen die Interessenten, die sich in die Listen eingetragen haben - 69 sind es in jeder Woche - die entsprechenden Informationen. Demnächst sollen die Plakate, die für die Kulturtafel werben, aktualisiert werden und Flyer sind auch in Arbeit.

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