Coburg
Tag der Pflege

Kreis Coburg braucht mehr Altenpfleger

Die Altenpflege als Beruf steht bei jungen Leuten in keiner hohen Gunst. Der Arbeiter-Samariter-Bund sucht händeringend Auszubildende.
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Claudia Weigel (privates berufliches Schulzentrum Coburg), Auszubildende Lena Totzauer und ASB-Geschäftsführer Thomas Schwesinger (von links) werben für den Beruf Altenpfleger.  Foto: Christoph Winter
Claudia Weigel (privates berufliches Schulzentrum Coburg), Auszubildende Lena Totzauer und ASB-Geschäftsführer Thomas Schwesinger (von links) werben für den Beruf Altenpfleger. Foto: Christoph Winter
In vier Jahren werden in Coburg rund 150 Plätze in der stationären Altenpflege fehlen. Die Menschen werden älter. Im Landkreis Coburg stellten die 65- bis 80-Jährigen 2010 einen Anteil von 15,9 Prozent an der Gesamtbevölkerung, im Jahr 2030 werden 24,6 Prozent dieser Altersgruppe angehören - eine Steigerung um 34 Prozent. Bei den Menschen, die in diesem Zeitraum älter als 80 Jahre sind, beträgt die Steigerung gar 60 Prozent.
Angesichts dieser Daten sind Altenpflegekräfte und aktuell Auszubildende für diesen Beruf gesuchter denn je. "Wir haben in diesem Jahr überhaupt keinen Bewerber für die Ausbildung", klagt der Geschäftsführer des Regionalverbands Coburg des Arbeiter-Samariter-Bundes, Thomas Schwesinger. Deshalb wird die Wohlfahrtsorganisation ihre gesamte Fahrzeugflotte jetzt mit einem auffälligen Aufkleber versehen. Am internationalen "Tag der Pflege", Donnerstag, 12.
Mai, werden Aufkleber mit roten Schriftzug "Azubi gesucht - asb-perspektive.de" und einem QR-Code auf den ASB-Autos kleben. Auch eine eigene Internetseite dazu ist dann freigeschaltet.

Ziel war es für die Samariter stets, jeweils zwei Auszubildende pro Lehrjahr zu haben, "aber der Markt ist derzeit leergefegt", sagt Schwesinger mit Frust in der Stimme. Auch andere Organisationen und Einrichtungen können offene Stellen in der Altenpflege und der Ausbildung kaum oder gar nicht besetzen. Gleiche Erfahrungen machen die Altenpflegeschule der Coburger Schwesternschaft und das Private berufliche Schulzentrum Coburg der Gemeinnützigen Gesellschaft für soziale Dienste (GGSD).


Karrierechancen sind nicht schlecht

Dabei seien der Beruf und die Karrierechancen überhaupt nicht so schlecht, wie im öffentlichen Bewusstsein "zu Unrecht" verankert. Unterstützt wird der ASB-Geschäftsführer von Isolde Steinerstauch (Schulleiterin der Altenpflegeschule der Schwesternschaft) und der stellvertretenden Schulleiterin des GGSD-Schulzentrums an der Parkstraße, Claudia Weigel. Nach den Worten von Isolde Steinerstauch müssen Altenpflegerinnen und -pfleger heute hochqualifiziert sein. "Vieles ist der Ausbildung in der Krankenpflege ähnlich." In der Altenpflege könne ein Mensch länger begleitet werden, während in der Krankenpflege die Patienten schnell wechselten.

Bei jüngeren Menschen hat das Berufsbild der Altenpflege ein negatives Image, während Quereinsteiger mit höherem Lebensalter und -erfahrung eher eine Ausbildung in der Altenpflege bevorzugten, bestätigen Claudia Weigel und der stellvertretende ASB-Pflegedienstleiter Andreas Prall. Jedes Jahr absolvieren in den beiden Fachschulen rund 80 bis 100 Absolventen ihre Ausbildung "und haben anschließend eine Jobgarantie", so Claudia Weigel. Der Beruf mache Spaß, sei abwechslungsreich und auch im ersten Ausbildungsjahr schon nicht schlecht bezahlt, bestätigt Lena Totzauer, Auszubildende im zweiten Jahr. Sie vermutet Unwissenheit als eine Ursache des nicht so großen Ansehens der Altenpflege.


Arbeitgeber sind in den vergangenen Jahren Arbeitnehmern entgegengekommen

Um die Altenpflege attraktiv zu machen, hat der Arbeiter-Samariter-Bund in der ambulanten Pflege die sogenannten Doppeldienste abgeschafft. Seinerzeit musste mitunter am Morgen und Vormittag gearbeitet werden und nach einer längeren Pause nochmals in der Nachmittagsschicht. Sonntagsarbeit wird mit einem freien Tag abgegolten, der flexibel genommen werden kann. Die dienstfreien Wochenenden seien auch garantiert dienstfrei, so Andreas Prall. Seit 1. April gibt es in der ambulanten Pflege die sogenannte "Elterntour". Dabei beginnt die Arbeit nicht mehr um 6 Uhr, sondern um 7.30 Uhr, wovon besonders junge Mütter profitieren, die die Kinder in einer Kindertagesstätte betreut wissen. Auch kann die Ausbildung in Teilzeit absolviert werden.

Die Aufstiegschancen in der Altenpflege sind nach der Darstellung der beiden Lehrkräfte - Claudia Weigel und Isolde Steinerstauch - sehr wohl gegeben. Tätigkeiten in der Pflegedienst- oder Heimleitung sind mit entsprechendem Studienabschluss möglich. Hauptschüler können über Berufspraktika die Helferausbildung und später auch das Staatsexamen erlangen. Bis 2017 gibt es für die Ausbildung umfangreiche Förderungen vom Staat.

Der Beruf hat noch eine weitere Zukunft: Für die Alten-, Kranken- und Kinderpflege soll es eine generalistische Ausbildung geben.


Der Tag der Pflege

Der internationale Aktionstag "Tag der Pflege" (auch "Tag der Krankenpflege", "International Nurses Day") findet am 12. Mai statt. Er wird in Deutschland seit 1967 am Geburtstag von Florence Nightingale veranstaltet. Florence Nightingale (geboren am 12. Mai 1820 in Florenz; gestorben 13. August 1910 in London) war eine britische Krankenschwester. Die Tochter einer wohlhabenden britischen Familie gilt als die Pionierin der modernen Krankenpflege. An ihrem Geburtstag wird daher ihr zu Ehren der Internationale Tag der Krankenpflege begangen. Besonders ihr Einsatz während des Krimkriegs verschaffte Florence Nightingale in Großbritannien große nationale Verehrung. In die britische Folklore ging sie als Lady with the Lamp ("Dame mit der Lampe") ein, weil sie die von ihr betreuten Kranken im Lazarett mit einer Petroleumlampe in der Hand besuchte (Quelle: Wikipedia).




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