Coburg
Literatur

Kostenloses Lesefutter am Coburger Albertsplatz

Weil der offene Bücherschrank vor dem Landestheater so beliebt ist, bekommt Coburg in der Ketschenvorstadt nun einen zweiten.
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Hans-Jürgen Greve hievt den Bücherschrank aus seinem Transporter auf das Fundament neben der Bushaltestelle. Foto: Ulrike Nauer
Hans-Jürgen Greve hievt den Bücherschrank aus seinem Transporter auf das Fundament neben der Bushaltestelle. Foto: Ulrike Nauer
230 öffentliche Bücherschränke hat Hans-Jürgen Greve in den letzten Jahren in ganz Deutschland aufgestellt, allein 40 Stück in Frankfurt am Main. Der Architekt aus Köln entwirft mit seiner Firma "Bokx" Stadtmöbel. Auch den Bücherschrank am Coburger Theaterplatz hat er entworfen. Nun bekommt Coburgs erster (und äußerst beliebter) Bücherschrank einen Zwilling - am Albertsplatz. An diesem Freitag stellte Greve die 300-Kilo-Vitrine auf das vorgefertigte Fundament neben der Bushaltestelle. In Kürze soll sie öffentlich eingeweiht und dann befüllt werden.


SPD-Stadträtin Petra Schneider hatte schon bei der Verwirklichung des ersten offenen Bücherschranks in Coburg geholfen. Der Runde Tisch Jugend der Agenda 21 hatte 2011 die Idee: Wer Bücher verschenken will, stellt sie in den Schrank. Wer sich kostenlos mit Lesestoff versorgen will, nimmt sich das Passende heraus.


Doch so richtig wollte die Sache damals nicht ins Rollen kommen - bis sich Petra Schneider einklinkte und den jungen Initiatoren Starthilfe leistete. Kurz vor Weihnachten 2011 wurde der Schrank vor dem Landestheater aufgestellt.


Anfänglich habe es schon ein wenig Skepsis gegeben, erzählt sie, während Hans-Jürgen Greve im Hintergrund den Schrank vorsichtig aus seinem Transporter hievt. Die Befürchtungen gingen in Richtung Vandalismus, schließlich bestehen die Schiebetüren der Vitrine aus Glas. Doch, so berichtet Petra Schneider, außer einem einzigen Graffiti, das sich problemlos wieder entfernen ließ, habe es bislang keinerlei Attacken auf den Bücherschrank gegeben.


Keine Lagermöglichkeit

Stattdessen erfreut sich das kostenlose Angebot größter Beliebtheit, der Schrank ist immer gut gefüllt. Genau das ist auch der Grund, warum Coburg nun einen zweiten bekommt. Ist der Schrank voll, wenden sich die Leute oft an Petra Schneider. "Wir haben aber ja kein Lager, wo wir die Bücher aufheben und nach und nach in den Schrank räumen können", sagt sie. Deshalb fragte sie bei der Coburger Wohnbau, der Sparkasse und ihrer eigenen Fraktion an, ob sich nicht ein zweiter Schrank finanzieren lasse. Die drei Sponsoren seien sofort einverstanden gewesen und Hans-Jürgen Greve bekam den Auftrag.


Der neue Schrank sieht genauso aus wie der erste - hellgrau mit Glastüren. Greve bietet zwar auch diverse andere Designs und Materialien an, beispielsweise Corten-Stahl, der nach kurzer Zeit mit Edelrost überzogen ist. Doch das sei für den Albertsplatz nicht in Frage gekommen, sagt Petra Schneider. "Es muss schon zur jeweiligen Stadt passen", weiß auch Hans-Jürgen Greve. "Das ist so ähnlich, als würde man seine eigene Wohnung einrichten."


Noch wichtiger als das Design sei aber die Wahl des Standortes. "Darauf kommt es an", sagt Petra Schneider. Den Albertsplatz findet sie ideal: viel Verkehr, viele Menschen, vor allem Schüler. Der Schrank dürfe nicht in irgendeiner Ecke versteckt werden, er müsse frei zugänglich an einem belebten Platz stehen. Wenn die Stadträtin demnächst in die Ketschenvorstadt gezogen ist, will sie sich auch persönlich um die Vitrine kümmern. Denn, so gut es mancher Spender vielleicht auch meint, zum Bücher entsorgen ist der Schrank einfach zu schade. Das gar zu zerfledderte Exemplar oder der 30 Jahre alte Autoatlas fliegt dann schon mal raus.


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