Coburg
Musica Mauritiana

Klingender Vorgeschmack auf die renovierte Coburger Morizkirche

Die Kantorei St. Moriz eröffnete die Reihe der Baustellenkonzerte in der Coburger Morizkirche. Zahlreiche Zuhörer nutzten die Gelegenheit, einen ersten Eindruck von der neuen Gestaltung des Kirchenraumes zu gewinnen und erlebten zugleich anspruchsvolle Chormusik.
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Die Kantorei gestaltete eine Baustellenkonzert in der Coburger Morizkirche. Foto: Jochen Berger
Die Kantorei gestaltete eine Baustellenkonzert in der Coburger Morizkirche. Foto: Jochen Berger
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Nach anderthalb Jahren Enthaltsamkeit will man endlich wieder in die Morizkirche, sei es als Ausführender oder als Zuhörer. So gab es am Wochenende ein sogenanntes "Baustellenkonzert" in dem teilrenovierten Gotteshaus, das von der Kantorei St. Moriz unter der Leitung von Peter Stenglein bestritten wurde.

Das Kirchenschiff sieht schon recht ordentlich aus in seiner freundlichen Farbgebung. Verschwunden ist auch die hässliche Mauer zwischen Schiff und Chorraum. Lediglich Orgel und Epitaph sind noch eingerüstet. Und es fehlen die Kirchenstühle oder -bänke.


Dafür waren eine Menge Bierbänke aufgestellt, die aber wegen des großen Andrangs nicht ganz ausreichten. Das nur etwa 45 Minuten währende a-cappella-Konzert konnte man aber noch gut im Stehen aushalten.


"Locus iste a Deo factus est" - "Dieser Ort ist von Gott geschaffen" war der sinnige Text für eine erstmalige Klangprobe im "neuen" Gotteshaus. Für diese weihevolle Bruckner-Komposition hatte sich der Chor rings ums Kirchenschiff verteilt und brachte sie akustisch interessant wie klanglich eindrucksvoll zu Gehör. Auch das "O bone Jesu" von Ingegneri mit der modernen Adaption und vielfältig aufgespaltenem Klang von Gunnar Ericsson wurde auf diese Weise zu einer ganz neuen Hörerfahrung.


Auch die Zuhörer sangen mit



In der Normalaufstellung vor dem Chorraum sang die Kantorei dann das restliche Programm mit Werken vom Barock bis zur Moderne, durchwegs homogen und intonationsrein, von Peter Stenglein präzise geleitet und dynamisch sorgfältig gestaltet, der auch immer wieder für eine lockere Moderation sorgte. Nach der eindrucksvollen Motette "Verleih uns Frieden" von Heinrich Schütz wurde auch die Gemeinde mit dem bekannten Kanon "Dona nobis pacem" mit eingespannt, was recht gut gelang. Schwungvoll erklang die Choralmotette "Nun danket alle Gott" von Johann Pachelbel, strahlend und fließend "Jauchzet dem Herrn, alle Welt" von Felix Mendelssohn-Bartholdy.


Rheinbergers "Abendlied"



Immer wieder gefallen die eingängigen Vertonungen von John Rutter, dessen "God be in my Head" eine geschlossene Wiedergabe erlebte. Von dem Schweden Knut Nystedt mit seiner eigenen Klangwelt waren "Laudate Dominum" und "I will praise thee, o Lord" abgerundet zu hören, bevor mit klanglicher Dichte das berühmte und eindrucksvolle "Abendlied" von Josef Gabriel Rheinberger und das schlichte choralartige "Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen" von Clement Scholefield den besinnlichen Abschluss bildeten. Viel Beifall für diesen musikalischen Vorgeschmack auf die Fertigstellung der Kirche und Vorfreude auf das erste große Konzert am 22. November mit Stühlen!
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