Bad Rodach

Junge Talente begeistern erstmals in Bad Rodach

Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken macht es mit seinem ersten Gastspiel in der Kurstadt möglich: Die Bayernhalle wird zum Konzertsaal. Das Publikum erlebt ein russisches Programm mit märchenhaftem Finale und ist begeistert.
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Die Geigerin Sornitza Baharova war die gefeierte Solistin beim Gastspiel des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken in der Bayernhalle Bad Rodach. Foto: Jochen Berger
Die Geigerin Sornitza Baharova war die gefeierte Solistin beim Gastspiel des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken in der Bayernhalle Bad Rodach. Foto: Jochen Berger
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An glücklichen Tagen ist die Musik eine mächtige Zauberin. Dann verwandelt die Musik eine vermeintlich profane Sporthalle in einen Konzertsaal wie beim Gastspiel der Jugendsymphonie-Orchesters Oberfranken in der Bayernhalle Bad Rodach. Das Konzert, das im Rahmen der dreiteiligen österlichen Tournee des Orchesters erstmals in der Kurstadt ausgerichtet wird, erweist sich als gelungene Premiere, bei der die Bayernhalle auch akustisch durchaus überzeugen kann.


Gebündelter Enthusiasmus

Die Macht der Musik - sie zeigt sich besonders beeindruckend an diesem Orchester. Seit mehr als drei Jahrzehnten formiert sich das Jugendsymphonie-Orchester jedes Jahr neu mit Talenten aus ganz Oberfranken. Jahr für Jahr fasziniert, wie sich der gebündelte Enthusiasmus von mehr als 60 jungen Musikern in Klang und Ausdruckskraft verwandelt. Keine müde Routine, sondern die frische und erfrischende Begeisterung für die Musik hält diesen Klangkörper zusammen.


"Russische Seele"

Eine Woche Probenzeit im Schullandheim von Weißenstadt (Landkreis Wunsiedel)muss reichen, um ein anspruchsvolles Programm zu erarbeiten. "Russische Seele" - unter diesem Motto erleben die beachtlich zahlreichen Zuhörer in Bad Rodach Werke von Schostakowitsch, Prokofieff und Rimsky-Korsakoff.


Anspruchsvolles Programm

Im dritten Jahr leitet Till Fabian Weser das Jugendsymphonieorchester. Auch dieses Gastspiel in Bad Rodach zeigt Wesers Geschick, pädagogische Fähigkeiten und künstlerischen Anspruch harmonisch miteinander zu verbinden. Mit reizvollen Werken fordert Weser sein Orchester heraus und ist dabei zugleich ein stets aufmerksamer Dirigent, der die Musiker auch in heiklen Momenten mit klaren und prägnanten Gesten umsichtig führt.


"Festliche Ouvertüre"

Gleich zum Auftakt sind die Bläser des Orchesters besonders gefordert in der "Festlichen Ouvertüre" von Dmitri Schostakowitsch, die 1954 zum 37. Jahrestag der Oktoberrevolution in Moskau uraufgeführt wurde. Hier demonstrieren die Blechbläser Glanz und Brillanz und die Holzbläser Wendigkeit, während die Streicher die lyrische Komponente hinzufügen.


Souveräne Solistin

Das 1. Violinkonzert von Sergej Prokofieff pendelt zwischen fast schwerelos schwebenden Klängen in den ruhigen Ecksätzen und dem brillanten, rhythmisch energischen Scherzo-Mittelsatz. Souveräne Solistin ist die Geigerin Sornitza Baharova, die ihre Karriere einst im Jugendsymphonieorchester Oberfranken begann. Sie wird den lyrischen Qualitäten des 1917 vollendeten, aber erst 1923 uraufgeführten Werkes ebenso gerecht wie den virtuosen Ansprüchen. Mit ihrem singenden, weich timbrierten Geigenton verzichtet sie auf jede auftrumpfende Geste, sucht vielmehr immer wieder den Dialog mit dem Orchester.


Märchenhaftes Finale

Märchenhaft wird es im zweiten Teil mit "Scheherazade" von Rimsky-Korsakoff. Mit seiner unverwüstlich populären "symphonischen Suite" von 1888 hat der Komponist ein Werk mit geradezu filmmusikalischem Gestus geschaffen. Das Jugendsymphonieorchester beeindruckt mit höchst engagiertem Musizieren und verwandelt die vier Sätze in sehr anschauliche Klangbilder. Die bezaubernden Solostellen der Geige steuert Konzertmeisterin Sornitza Baharova bei. Klar, dass sich das Jugendsymphonieorchester erst nach einer Zugabe endgültig verabschieden kann. Die "Festliche Ouvertüre" von Schostakowitsch wird zum gefeierten Finale eines mitreißenden Konzerts.


Dickes Lob vom Dirigenten

Kein Wunder, dass die jungen Musiker am Ende auf offener Bühne ein dickes Lob von ihrem Dirigenten bekommen: "Ich bin ganz, ganz stolz auf dieses Orchester."


Ein außergewöhnliches Orchester, sein Dirigent und seine Solistin

Klangkörper Als "Orchester auf Zeit" setzte sich das Jugendsymphonieorchester Jahr für Jahr neu zusammen. Das Jugendsymphonieorchester Oberfranken wurde 1984 von dem Musikpädagogen Professor Günther Weiß gegründet, der viele Jahre als künstlerischer Leiter der Musikbegegnungsstätte Haus Marteau tätig war. Seit der Gründung kommen junge Musikerinnen und Musiker aus ganz Oberfranken jeweils kurz vor Ostern zu einer Probenwoche zusammen und erarbeiten unter professionellen Bedingungen ein anspruchsvolles Konzertprogramm. Seit 2013 steht Till Fabia Weser an der Spitze des Jugendsymphonieorchesters Oberfranken.

Till Fabian Weser, 1965 in Bloomington (USA) geboren, absolvierte Dirigierkurse bei Carl St. Clair, Sir Roger Norrington und Wolfgang Schäfer. Er wirkte als Assistent von Zoltán Peskó und Ingo Metzmacher. Als Operndirigent setzt er sich besonders für die Förderung junger Sänger ein. 2005 übernahm er die Leitung des europäischen Orchester- und Opernworkshops "Sommer Oper Bamberg". Seine besonderen künstlerischen Interessen liegen bei den Schnittpunkten von Alter und Neuer Musik sowie beim Jazz. Als Dirigent ist er bereits mit einer Reihe namhafter Orchester aufgetreten. Zudem leitet er die Big Band der Bamberger Symphoniker und das Bamberger Barockorchester mit Mitgliedern der Symphoniker. Seit 1994 ist Weser als Trompeter Mitglied der Bamberger Symphoniker.

Sornitza Baharova war selbst von 1997 bis 2004 Mitglied im Symphonieorchester Oberfranken und startete von hier aus eine Karriere als Profimusikerin. Zuletzt war Sornitza Baharova als erste Konzertmeisterin des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz tätig, mittlerweile ist sie festes Mitglied der Staatsphilharmonie Nürnberg.

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