Coburg

Junge Coburgerin will als Gast im Oldtimer die Anden überqueren

Liliana Frevel begleitet die Berlinerin Heidi Hetzer in Südamerika auf der Fahrt um die Welt. An Silvester startet sie in die peruanische Hauptstadt Lima.
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Heidi Hetzer stellt ihren Oldtimer für die Weltumrundung zur Verfügung. Liliana Frevel will einsteigen und mit ihr fahren. Foto: Christoph Winter
Heidi Hetzer stellt ihren Oldtimer für die Weltumrundung zur Verfügung. Liliana Frevel will einsteigen und mit ihr fahren. Foto: Christoph Winter
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Liliana hat "Leonard", Heidi und "Hudo" sind ein Paar. Die 29-jährige Liliana Frevel ist in Coburg als selbstständige Produktdesignerin und Fotografin tätig. Ihr betagter 28 Jahre alter Passat hört auf den Namen "Leonhard". Heidi Hetzer wurde 1937 in Berlin geboren und fährt seit zwei Jahren mit "Hudo" um die Welt. "Hudo" ist ein Automobil der Marke Hudson Great eight Coach und wurde 1930 gefertigt. Die beiden Frauen werden etwa drei Monate zusammen durch Südamerika touren. Zusammengekommen sind sie über ihre beiden Autos.

Heidi Hetzer folgt bei ihrer Fahrt um die Welt den Spuren von Clärenore Stinnes. Zwei Jahre dauerte von 1927 an die Fahrt durch 23 Nationen mit einem "Adler Standard 6". Darüber gibt es Reiseberichte und viele historische Fotos. Liliana Frevel hat ihre Diplomarbeit an der Hochschule Coburg über die Beziehung von Menschen zu Dingen geschrieben. Im Internat hat die junge Frau immer wieder die Berichte und Fotos von Heidi Hetzers Weltumrundung verfolgt, "und dabei von der faszinierenden Beziehung der Berlinerin zu dem Oldtimer erfahren". Liliana hat zu ihrem Passat - Baujahr 1987, vor einem Jahr für fünf Euro gekauft - ebenfalls eine persönliche Verbindung und nennt ihn "Leonhard".


Liliana spricht fließend Spanisch

"Ich habe also für ,Leonhard' eine E-Mail an ,Hudo' geschrieben", erzählt sie lachend die Geschichte. "Leonhard" berichtet darin von den Reparaturen durch seine Besitzerin, davon, dass sie Fotografin ist und, besonders wichtig, gut Spanisch spricht. Das war vor etwa einem Monat. Heidi Hetzer sucht für den Abschnitt ihrer Weltreise durch Südamerika über die Anden nach Buenos Aires in Argentinien eine Begleitung. Liliana Frevel ist in Spanien geboren, im Sauerland aufgewachsen und hat ein halbes Jahr in der argentinischen Hauptstadt gelebt. "Spanisch spreche ich fließend."

Genau am Silvestertag macht sich Liliana auf den rund 17 Stunden währenden Flug nach Lima. "Am 31. Dezember sind die Flüge billiger", grinst sie. Aber durch die Zeitverschiebung landet der Flieger um 19 Uhr an Silvester, sodass noch Zeit für eine Feier zum Jahreswechsel bleibt. "Ich weiß nicht, was wir während dieser Wochen und Monate erleben werden", meint Liliana Frevel trocken. "Und da es meistens ohnehin anders kommt als geplant, erwarte ich nichts."


Einige Dinge sind noch abzuarbeiten

In den noch verbleibenden Tagen bis zur Abreise wird die Liste der zu erledigenden Dinge abgearbeitet. "Anruf wegen der Kupplungsscheibe" steht auf dem Zettel. Diese Zeile streicht die Fotografin und Designerin durch. Während des Interviews ruft der Lieferant der Kupplungsscheibe an. Das Ersatzteil für "Hudo" wird in den nächsten Tagen per Post bei Liliana Frevel eintreffen, die wiederum das Teil im Handgepäck nach Südamerika befördert. Weiter im Gepäck sind 60 etwa fingerlange Mini-Buddy-Bären. Die sechs Zentimeter großen und bunten Porzellanbären, dem Wappentier Berlins nachempfunden, sind die Geschenke von Heidi Hetzer auf ihrer Fahrt um die Welt. "Ansonsten möchte ich so wenig wie möglich Gepäck mitnehmen", sagt Liliana Frevel. Wichtig seien eine analoge Spiegelreflexkamera und ein Digital-Fotoapparat. "Denn ich möchte neben den Bildern für den Blog von Heidi eine schöne Fotoreportage machen und die Kultur erfahren."

Aktuell bereitet sich Liliana mit der Lektüre des Reiseberichts "Im Auto durch zwei Welten" von Clärenore Stinnes auf das Abenteuer vor. Genau studiert sie auch die historischen Fotos der Fahrt in den Jahren von 1927 bis 1929. "Denn wenn es möglich ist, will ich die Motive von damals jetzt nochmals aufnehmen." Im März oder April wollen Heidi, Liliana und "Hudo" in Buenos Aires ankommen. Für Ende Mai hat Liliana den Rückflug nach Europa gebucht. "Solange kann ich dort bei Freunden wohnen - und Tango tanzen." In diesen Tagen sind Heidi Hetzer und "Hudo" auf der Schiffspassage von Cartagena im Norden Kolumbiens in Richtung Panama unterwegs. Von dort geht die Fahrt weiter nach Süden. "Leonhard" überwintert derweil in Coburg.

Die Fahrerin Heidi Hetzer wurde 1937 als Tochter des Unternehmers Siegfried Hetzer geboren, der 1919 in Berlin einen Victoria-Fahrzeughandel gegründet und ab 1933 als Opel-Autohaus geführt hatte. Ab 1954 erlernte sie den Beruf der Kfz-Mechanikerin im Familienbetrieb. Nach einigen Jahren Selbstständigkeit und einem prägenden Austauschjahr in den USA, arbeitete sie wieder im väterlichen Betrieb. Mit 31 Jahren übernahm Heidi Hetzer nach dem Tod des Vaters im Jahr 1969 das Unternehmen mit Sitz in Berlin-Charlottenburg, das sie zu einem der größten Autohäuser Berlins ausbaute und bis 2012 leitete. Weiter war sie als Rennfahrerin erfolgreich. Nun fährt Heidi zwei Jahre lang mit einem Oldtimer um die Welt, und zwar auf den Spuren von Clärenore Stinnes, die 1927 bis 1929 angeblich als erster Mensch überhaupt eine solche Weltrundfahrt mit einem Auto durchführte. Im Juni 2016 kehrt Heidi nach Berlin zurück.

Das Vorbild Clärenore Stinnes wird am 21. Januar 1901 in Mülheim/Ruhr als drittes von sieben Kindern der Eheleute Cläre Stinnes-Wagenknecht (1872-1973) und Hugo Stinnes (1870-1924) geboren. Die Familie ist vermögend. Der Vater leitet einen großen Konzern der Schwerindustrie. Im Kindesalter muss die Tochter ihre Ellbogen einsetzen, um sich gegen ihre Brüder behaupten zu können.
Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist ihr selbstverständlich. So legt sie im Alter von 18 Jahren ihre Führerscheinprüfung ab. 1924 fährt sie ihr erstes Autorennen unter einem Pseudonym. In den Jahren 1925-1927 gewinnt sie bei 17 Autorennen, darunter auch eine internationale Rallye in Russland ("Allrussische Prüfungsfahrt") auf der Strecke Leningrad-Moskau-Tiflis-Moskau, an der sie als einzige Frau unter 53 Fahrern teilnimmt.
Am 25. Mai 1927 startet sie in Frankfurt am Main zu der Expedition, die sie durch 23 Länder führen wird und die am 24. Juni 1929 mit der Ankunft in Berlin endet.

Der Wagen Hudson Model Great eight Coach Bj. 1930; Hubraum 3197 ccm; Leistung 44 kW bei 3600 Umdrehungen; Trockenkupplung mit unsynchronisiertem Drei-Gang-Getriebe auf die Hinterachse per Kardanwelle; Breite 175 cm; Höhe 195 cm, Länge noch unbekannt; Gewicht leer: 1520 Kilo; Reifengröße 5.50 auf 18 Zoll Felge mit abnehmbaren Felgen an festem Radstern aus zehn Holzspeichen.

Im Internet www.heidi-um-die-welt.com

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