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Coburg
Prozess

Jerry J. zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt

Wegen des gewaltsamen Todes einer Schülerin hat das Landgericht Coburg einen 21 Jahre alten Mann zu einer Haftstrafe von elf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die Kammer sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass der Angeklagte die 16-Jährige mit Hammerschlägen und Messerstichen umgebracht hat.
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Zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt: Jerry J. Fotos: Michael Gründel
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Die Mutter des Opfers weinte, auf dem schwarzen Sweatshirt der Schwester stand in großen Buchstaben "I love Linda", und der Angeklagte hatte den Blick - wie auch an den sieben vorherigen Verhandlungstagen - fast ständig nur nach unten gerichtet und zitterte: Vor dem Landgericht Coburg ist am Donnerstag der Prozess gegen den 21-jährigen Jerry J. zu Ende gegangen, der im April 2011 mit mehreren Hammerschlägen und Messerstichen die 16 Jahre alte Schülerin Linda H. getötet hat. Der junge Mann wurde zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Gerhard Amend blieb damit zwar deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von 14 Jahren. Dem wichtigsten Anliegen der Verteidigung, nämlich Jerry J., der bei der Tat erst 20 Jahre alt war, noch nach dem Jugendstrafrecht zu verurteilen, folgte das Gericht aber ebenfalls nicht. Im Jugendstrafrecht beträgt die Höchststrafe bei Totschlag zehn Jahre, im Erwachsenenstrafrecht hingegen 15 Jahre. Ob die Verteidigung Revision einlegen wird, vermochte Karsten Schieseck, der Verteidiger von Jerry J., gestern noch nicht zu sagen. Er lobte allerdings das Gericht für die "sehr einfühlsame Begründung des Urteils".
Gut eine halbe Stunde lang hatte Gerhard Amend noch einmal den Abend der Tat sowie auch die zurückliegenden Verhandlungstage in Erinnerung gerufen. Er erklärte, warum sich das Gericht so sehr viel Mühe bei der Aufarbeitung des Falls gemacht habe, obwohl der Angeklagte doch von Anfang an geständig gewesen sei. "Wir wollten auch herausfinden, warum sich Jerry J. so verhalten hat."

Jerry J. und Linda H. hatten sich an einem Freitagnachmittag im April 2011 über das Internet-Netzwerk Facebook kennengelernt. Noch am selben Abend kam es zu einem Treffen sowie - in der Wohnung von Jerry J. - zum Geschlechtsverkehr. Doch der junge Mann brach den Geschlechtsverkehr ab, weil er, so seine Aussage vor Gericht, plötzlich ein schlechtes Gewissen seiner Freundin gegenüber bekommen habe. Linda H. hätte ihn daraufhin provoziert und beleidigt. Es kam zum Streit sowie den tödlichen Hammerschlägen und Messerstichen.
Zugunsten des Angeklagten wertete es das Gericht, dass Jerry J. frühzeitig der Polizei die Stelle in einem Wald bei Coburg zeigte, an der er Lindas Leiche verscharrt hatte. "Das war wichtig", so Gerhard Amend, "damit Lindas Eltern Gewissheit hatten." Ebenso wurden die Reue und die Einsicht von Jerry J. strafmildernd berücksichtigt sowie seine psychische Situation.

Zu Lasten des Angeklagten stand vor allem die "brutale Weise", mit der er vorgegangen sei: "Mindestens 13 Hammerschläge und neun Messerstiche", gab der Vorsitzende Richter zu bedenken, "und das auf den Kopf einer kleinen, jungen, schmalen Frau."

Gerhard Amend schloss seine Ausführungen mit der Hoffnung, dass Jerry J. in der Justizvollzugsanstalt therapeutische Hilfe bekommt. Den Eltern und der Schwester von Linda H. wünschte er, dass sie nun - nach der langen und nervenaufreibenden Gerichtsverhandlung - mit der Trauerarbeit beginnen können. "Ja, das Urteil ist ein Abschluss", sagte später Lindas Vater in einem Gespräch. Aber egal, ob und wie das Verarbeiten gelingen werde: "Linda wird immer da sein."

Mehr dazu lesen Sie am Freitag im Coburger Tageblatt (Printausgabe)
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