Berlin
Festival

Jede Menge starke Frauen und ein finnischer Favorit auf einen Bären

Mit "Return to Montauk", dem Beitrag von Regie-Altmeister Volker Schlöndorff, ist der letzte deutsche Film im Wettbewerb der 67. Filmfestspiele gelaufen.
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Starke Frau, schwacher Mann: Stellan Skarsgård und Nina Hoss in Volker Schlöndorffs "Return to Montauk". Foto: Berlinale
Starke Frau, schwacher Mann: Stellan Skarsgård und Nina Hoss in Volker Schlöndorffs "Return to Montauk". Foto: Berlinale
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Die Beziehungsgeschichte, angelehnt an einen Roman von Max Frisch, ist hochkarätig besetzt: Neben Berlinale-Dauergast Nina Hoss ("Yella", "Barbara") ist mit dem Schweden Stellan Skarsgård einer der wenigen auch in Hollywood gefragten europäischen Schauspieler zu sehen.


Für einen Festivalbeitrag und einen Regisseur wie Schlöndorff ("Die Blechtrommel") ist "Return to Montauk" deutlich zu glatt. Klar, der Film ist optisch und mit seiner passenden Musik schmuck inszeniert, aber ihm fehlen nahezu durchgehend Punkte, an denen sich das Publikum reiben kann. Die Hauptfigur des Romanautors Max Zorn (Skarsgård ) könnte dies sein. Aber Schlöndorff macht aus dem berühmten Autor, der sich bei einer Buch-Promotion auf die Suche nach seiner großen Liebe aus vergangenen Tagen macht, eine jämmerliche Gestalt.
Da ist Nina Hoss, die in ihrer bisherigen Berlinale-Geschichte kaum über die Rolle der kühl-adretten Blondine hinaus besetzt wurde, als Zorns Verflossene schon die deutlich vielschichtigere Rolle.

Seit sie der überreichlich eitle Autor verlassen hat, machte Rebecca (Hoss) groß Karriere als Anwältin und ist nun hin und her gerissen: Soll sie sich ihren Gefühlen für den alternden Lebemann Max hingeben oder doch ihr, vielleicht ein bisschen übertrieben schick inszeniertes, Leben ohne ihn weiterleben? Ein gemeinsamer Besuch in Montauk, einst Platz romantischer Stunden zu zweit, wird die Entscheidung bringen. Am Ende ist Schlöndorffs Film ohne Frage nett anzuschauen, aber für den Wettbewerb bei einem großen Festival ist das halt doch ein bisschen wenig.


Auf der Suche nach Kandidaten für den goldenen Bären (den bekommt der beste Film) ist das Publikum indes nicht wegen "Return to Montauk" einen Schritt weiter. Kult-Regisseur Aki Kaurismäki schildert in "Die andere Seite der Hoffnung" in der für ihn typisch lakonischen Erzählweise die Geschichte eines jungen Syrers, der auf seiner Flucht vor dem Krieg eher unabsichtlich in Helsinki landet. Dort trifft er wenig überraschend auf den typische n Kaurismäki-Kosmos, in der weder eigenbrötlerische Finnen noch coole Rocker fehlen dürfen. Kein Berlinale-Film hat bislang so gut in den weltgeschichtlichen Kontext gepasst wie "Die andere Seite der Hoffnung" - so viel steht einmal fest.


Am heutigen Freitag geht der Wettbewerb mit drei Außenseiter-Beiträgen - aus Rumänien, China und Korea - zu Ende. Die Preise werden am Samstagabend verliehen.


Sally Hawkins glänzt

Eine schauspielerische Glanzleistung hat das filmverrückte Berliner Publikum bei der Gala-Premiere von "Maudie" zu sehen bekommen. Sally Hawkins (sie rührte 2008 in "Happy-Go-Lucky" schon einmal in Berlin die Fans) spielt darin die Titelfigur der naiven Malerin Maud Lewis, die trotz ihrer schweren Arthritis-Erkrankung hinreißend schön-bunte Bilder schuf und in den sechziger Jahren viele Fans hatte.


Natürlich ist die Rolle der verkrüppelten Künstlerin eine große Herausforderung. Aber Hawkins schafft es aber nicht nur, das Leid der Maud Lewis mit unglaublicher Konsequenz zu zeigen - sie spielt mit einer Lebensfreude, die man auch Maud Lewis stets zuschrieb. Das ist eine Gabe, die Hawkins in ihren Filmen immer wieder zeigt. So etwas ist keine gelernte Schauspielerei: Man hat es oder man hat es nicht. An bisschen an den Rand gedrückt wird da Ethan Hawke, der in diesem rührenden Stück Kino die Rolle von Everett Lewis spielt. Der stand immer als Fels in der Brandung an der Seite seiner Frau, wirkt in "Maudie" aber fast ein bisschen zu grantig, um in diese doch offensiv positive Geschichte zu passen.
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