Coburg
Sozialsenat

Initiative soll Hausärzte nach Coburg und in die Region locken

Es gibt Überlegungen, wie dem drohenden Ärztemangel in Stadt und Landkreis Coburg begegnet werden kann.
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Symbolfoto: Rolf Vennenbernd/dpa
Symbolfoto: Rolf Vennenbernd/dpa
Das durchschnittliche Alter der Fachärzte in der Region Coburg liegt bei 55,3 Jahren (Bayern: 54,7). Und nur zehn Prozent der Nachwuchsmediziner wollen Hausarzt im ländlichen Raum werden. Auch wenn im Moment in der Regelversorgung durch die Hausärzte noch 98 Prozent Versorgungsgrad gewährleistet sind, heißt das für die Zukunft: Die Ressource hausärztliche Versorgung wird knapp. Zu diesem Resümee kommt der Leiter der Geschäftsstelle der Gesundheitsregion plus in Coburg, Jonas Tilhof.


Start einer Imagekampagne

Am Mittwochnachmittag informierte Tilhof den Sozialsenat im Ämtergebäude über eines der Instrumente, mit denen die Stadt und der Landkreis Coburg gegensteuern werden. Mit der Imagekampagne "Hausärztliche Versorgung" sollen angehende Mediziner für die Region gewonnen werden. Dazu gehört eine Onlineplattform für angehende Hausärzte, auf der eine Job- und Praxisbörse, zielgerichtete Beratung und ein detaillierter Überblick über die Region zu finden sind, ebenso wie ein Videoclip, in dem ansässige Mediziner potenzielle neue Kollegen informieren und die Bandbreite der Kultur- und Freizeitangebote abgedeckt sind. Eine Sommerakademie für Studierende der Humanmedizin stellt Kontakte zu niedergelassenen Ärzten her. "Ziel ist es, dass die Teilnehmer ihr praktisches Jahr in der Region absolvieren", sagt Tilhof - und sich nach ihrer Ausbildung natürlich gleich hier niederlassen.

Gabriele Morper-Marr begrüßte die Aktion, bezweifelte aber einen großen Erfolg. Sie wünschte sich weitreichendere Unterstützung für ansässige Ärzte bei der Nachfolgersuche. Hausärzte hätten hohe Investitionskosten und eine hohe Arbeitsbelastung, meinten die Räte. Zudem gehe der Trend zu technisch gut ausgerüsteten medizinischen Zentren. "Das ist die Zukunft", hieß es. Dennoch seien die niedrigen Lebenshaltungskosten ein Faktor, der für die Ansiedlung von Hausärzten in der Region spräche, so Tilhof. "Das ist ein erheblicher Wirtschaftsfaktor", bestätigte Sozialbürgermeister Thomas Nowak.

Die Zusammensetzung des Arbeitskreises "Seniorenpolitisches Gesamtkonzept", der von Thomas Nowak geleitet wird, wurde von den Räten auf Vorschlag vom Leiter des Sozialamtes, Peter Schubert, neu festgelegt. Der Arbeitskreis setzt sich unter anderem aus einem externen Fachberater, Vertretern des Sozialamtes, des Seniorenbeirats und der Sozialverbände, dem Behindertenbeauftragten sowie einem Stadtratsmitglied - in diesem Fall: Monika Ufken - zusammen.

Peter Schubert legte zudem die neuesten Zahlen zur Sozialhilfe vor. Er gab leichte Entwarnung: "Nachdem die Fallzahlen in den letzten Jahren und Monaten kontinuierlich gestiegen sind, ist jetzt ein leichter Rückgang zu verzeichnen", sagte er. Gab es im Jahr 2015 78 Fälle von Hilfe zum Lebensunterhalt in Coburg, gingen die Zahlen auf aktuell 70 Fälle zurück. Der hier entstehende Aufwand ist in voller Höhe von der Stadt Coburg zu tragen. Die Zahl der leistungsbeziehenden Asylbewerber liegt aktuell bei 238 Fällen.


Selbsthilfegruppen überaltern

Die Kontaktstelle "Selbsthilfe" stellte in der Sitzung des Sozialsenats am Mittwoch ihren Jahresbericht vor. Momentan existieren 132 Selbsthilfegruppen im Coburger Raum, die, ebenso wie Ratsuchende und Betroffene, die eine Gruppe gründen möchten, von der Kontaktstelle koordiniert und betreut werden. Die Selbsthilfegruppen im Coburger Raum überaltern: Die stärksten Gruppen sind die 51- bis 71-Jährigen und die 71- bis 80-Jährigen. Deshalb wird in Zukunft das Thema Nachfolge stärker in den Blickpunkt rücken.

Antja Hennig vom Büro "Senioren und Ehrenamt" stellte in der Sitzung des Sozialsenats am Mittwoch ihren Jahresbericht vor. Das Beratungszentrum befindet sich im Haus "Sozial Aktiv" und ist eine Informations-, Beratungs- und Vermittlungsstelle für ehrenamtlich interessierte Bürger und Senioren, aber auch für Vereine und Verbände, die auf der Suche nach Bürgern sind, die sich ehrenamtlich einbringen möchten.


Selbstständig bleiben

Das Büro unterstützt Hennig zufolge die selbstständige Lebensführung von Senioren, fördert das bürgerschaftliche Engagement, organisiert generationsübergreifende Veranstaltungen und vieles mehr.
Das Jahr 2015 sei durch das Thema "Asyl und Flüchtlingshilfe" geprägt gewesen. Der starke Zustrom an Flüchtlingen wäre ohne Ehrenamtliche nicht zu bewältigen gewesen, die unter anderem als Dolmetscher, bei der Essensausgabe in der Notunterkunft, als Sprachpaten in Schulen zur Verfügung standen, erläuterte Hennig.


Zahl nimmt zu

Standen im Jahr 2008 "nur" 60 Bürger im Ehrenamt, waren es im Jahr 2015 schon 304 Ehrenamtliche. "Ohne sie", waren sich Sozialbürgermeister Thomas Nowak (SPD) und Hennig einig, "hätten wir das Jahr 2015 nicht überstanden." Sich deshalb um die Ehrenamtlichen zu kümmern, sei für Hennig "Ehrensache": "Ehrenamtliche stehen für mich immer an erster Stelle", sagte sie zu den Senatsmitgliedern, und betonte: "Wir sind immer ansprechbar."


Eine gute Sache

39 Stunden arbeitet Hennig in der Woche, ein Teil davon fällt als freiwillige Leistung unter die Finanzierung der Stadt Coburg. "An diesem Beispiel sieht man einmal, warum nicht jede freiwillige Leistung gestrichen werden sollte", sagte Gabriele Morper-Marr (SPD). Auch Nowak betonte den "Mehrwert" für die Stadt, der durch diese Stelle generiert werde. nau
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